Höhere Standards spät umgesetzt 11.07.2014, 13:05 Uhr

Deutsche Bahn soll bei der Sicherheit geschlampt haben – sieben Todesfälle

Die Deutsche Bahn hat offenbar schärfere Sicherheitsbestimmungen für Fremdarbeiter zu spät in Kraft gesetzt, um Kosten einzusparen. Sieben Arbeiter sollen deshalb zu Tode gekommen sein. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung auf Basis vertraulicher Unterlagen und E-Mails. Dabei soll auch Geld eine Rolle gespielt haben.

Bahnmitarbeiter reparieren im Juni 2014 bei Düsseldorf die Oberleitung der Eisenbahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat die Bahn Sicherheitsbestimmungen zu lax gehandhabt, um Kosten zu sparen. Dadurch sollen Mitarbeiter von Fremdfirmen ums Leben gekommen sein.

Bahnmitarbeiter reparieren im Juni 2014 bei Düsseldorf die Oberleitung der Eisenbahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat die Bahn Sicherheitsbestimmungen zu lax gehandhabt, um Kosten zu sparen. Dadurch sollen Mitarbeiter von Fremdfirmen ums Leben gekommen sein.

Foto: dpa/Henning Kaiser

Vor ziemlich genau zwei Jahren starben zwei Arbeiter eines Glasbauunternehmens bei Sanierungsarbeiten am Bahnhof Hannover-Nordstadt. Sie berührten mit ihrer Aluminiumleiter die Oberleitung, die eine Spannung von 15.000 Volt führte. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung trägt die Deutsche Bahn an diesem Unfall und an weiteren fünf Todesfällen eine Mitschuld, weil sie zu lange mit einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen gewartet hat. Es soll sich in allen sieben Todesfällen um Mitarbeiter von Fremdfirmen gehandelt haben.

Mittlerweile sind die schärferen Sicherheitsbestimmungen in Kraft. Einer der wichtigsten Punkte ist die Vergrößerung des Mindestabstands von Strom führenden Oberleitungen bei Arbeiten wie der Sanierung von Bahnhöfen und der Beseitigung von Bäumen.

Streckenposten warnen vor Gefahren durch Züge

Üblicherweise wird Sicherheit bei Arbeiten in der Nähe von Gleisen bei der Bahn groß geschrieben. So stellt die Deutsche Bahn stets Streckenposten auf, die vor herannahenden Zügen warnen. Der Klang des mit Druckluft betriebenen Horns ist weithin zu hören. Auf größeren Baustellen sind automatische Warnanlagen üblich. Auch in Hannover waren zwei Sicherheitsbeauftragte der Bahn anwesend, so die Hannoversche Allgemeine. Sie seien allerdings zum Zeitpunkt des Unglücks nicht im Bahnhof gewesen, sodass sie die Katastrophe nicht verhindern konnten.

Beseitigung von Schäden an der Oberleitung durch umgestürzte Bäume auf einer Bahnstrecke in Lindau (Bayern). Bei solchen Arbeiten sollen Mitarbeiter von Fremdfirmen der Bahn ums Leben gekommen sein, weil strengere Sicherheitsvorschriften nicht umgesetzt wurden.

Beseitigung von Schäden an der Oberleitung durch umgestürzte Bäume auf einer Bahnstrecke in Lindau (Bayern). Bei solchen Arbeiten sollen Mitarbeiter von Fremdfirmen der Bahn ums Leben gekommen sein, weil strengere Sicherheitsvorschriften nicht umgesetzt wurden.

Quelle: dpa/Reiner Roither

Dass sie nicht anwesend waren, ist logisch. Sie suchen sich immer einen Platz, an dem sie ankommende Züge so früh sehen, dass sie rechtzeitig warnen können. Möglicherweise hätte die Bahn noch einen dritten Sicherheitsbeauftragten abstellen müssen, um die Mitarbeiter der Fremdfirmen vor Gefahren durch die Stromleitungen zu warnen.

Warnungen von DB-Mitarbeitern übergangen?

Mitarbeiter der Deutschen Bahn hatten wiederholt vor den Gefahren gewarnt und strengere Regeln gefordert. Das geht aus internen Mails und Dokumenten hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Weitere Dokumente zeigten, wie Mitarbeiter der Bahn jahrelang Sicherheitsprobleme meldeten. Eine Arbeitsanweisung, mit der diese Probleme ausgeräumt werden sollten, sei nicht rechtzeitig in Kraft gesetzt worden. Das habe nicht zuletzt finanzielle Gründe gehabt. Eine Überwachung von Mitarbeitern fremder Firmen hätten „Mehrkosten von über zwei Millionen Euro“ pro Jahr zur Folge.

Nach Informationen der Süddeutschen wurde die fertiggestellte Arbeitsanweisung nicht wie geplant in Kraft gesetzt. Stattdessen hieß es, man müsse sie „unbedingt“ einer „unternehmerischen Bewertung“ unterziehen. Erst der Tod der beiden Arbeiter in Hannover sorgte offenbar für ein Umdenken. Kurz danach wurde die Anweisung in Kraft gesetzt.

Erst vor wenigen Wochen hatte auch der Südwestrundfunk der Bahn laxen Umgang mit Sicherheitsbestimmungen vorgeworfen. So würden gefährliche Stellen im Schienennetz viel zu spät und oft nur provisorisch repariert.

 

Von Wolfgang Kempkens

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