Lufthansa-Technik 09.06.2026, 17:44 Uhr

Der Airbus A350 und das Milliarden-Geschäft mit der Wartung

Lufthansa Technik profitiert vom A350-Boom: Warum Airlines weltweit auf Hamburg setzen und wie Wartung von Hilfstriebwerken zum Milliardenmarkt wird.

Airbus 350 in der Luft

Der Airbus A350 ist nicht nur für Flugzeughersteller interessant. Über die gesamte Lebensdauer der Maschinen entstehen umfangreiche Wartungs- und Serviceaufträge, von denen Unternehmen wie Lufthansa Technik profitieren.

Foto: picture alliance/dpa | Florian Wiegand

Der Airbus A350 sorgt nicht nur bei Airbus für volle Auftragsbücher, sondern schafft auch ein lukratives Geschäft für Wartungsunternehmen. Lufthansa Technik hat sich früh auf die Wartung der exklusiv im A350 eingesetzten Honeywell-HGT1700-APU spezialisiert und sich damit eine starke Position im globalen MRO-Markt (Maintenance, Repair and Overhaul) aufgebaut. Das zeigt der aktuelle Vertrag mit Air India über die Betreuung von 40 Hilfstriebwerken.

Ohne Hilfstriebwerk wird es schnell teuer

Im Mittelpunkt der Vereinbarung mit Air India steht eine Komponente, die Passagierinnen und Passagiere kaum wahrnehmen, für den Flugbetrieb jedoch von großer Bedeutung ist: die Auxiliary Power Unit (APU). Die Honeywell HGT1700 ist eine kleine Gasturbine im Heck des Airbus A350.

Solange die Haupttriebwerke am Boden abgeschaltet sind, übernimmt sie die zentrale Energieversorgung des Flugzeugs. Sie liefert Strom für die Bordelektronik, versorgt die Klimaanlagen und stellt die Druckluft bereit, die zum Starten der großen Rolls-Royce-Triebwerke benötigt wird.

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Fällt die APU aus, bleibt das Flugzeug zwar grundsätzlich einsatzfähig. Der Betrieb wird jedoch deutlich aufwendiger. Die Airline ist dann auf externe Infrastruktur angewiesen. Mobile Bodenstromaggregate und spezielle Startluftwagen müssen bereitgestellt werden. Stehen diese nicht unmittelbar zur Verfügung, können Verspätungen und operative Einschränkungen die Folge sein.

Für Fluggesellschaften ist die Zuverlässigkeit der APU daher weit mehr als eine technische Detailfrage. Sie ist ein wichtiger Baustein für einen pünktlichen und wirtschaftlichen Flugbetrieb.

Ein Spezialmarkt mit hohen Eintrittsbarrieren

Die Honeywell HGT1700 nimmt innerhalb der Luftfahrt eine besondere Stellung ein. Sie wurde ausschließlich für den Airbus A350 entwickelt und kommt in keinem anderen Verkehrsflugzeug zum Einsatz.

Diese Exklusivität macht die Wartung anspruchsvoll. Nur wenige Unternehmen verfügen über die erforderlichen Herstellerzulassungen, die passenden Prüfstände und das technische Know-how, um diese APUs umfassend zu warten und zu überholen.

Für Lufthansa Technik erwies sich genau dieser Spezialmarkt als strategische Chance. Das Unternehmen erkannte früh das Potenzial des Airbus A350. Mit jeder neu ausgelieferten Maschine wächst auch die Zahl der Hilfstriebwerke, die über Jahrzehnte hinweg gewartet werden müssen.

Der entscheidende Schritt erfolgte bereits 2017

Die Grundlage für die heutige Marktposition wurde schon vor fast zehn Jahren gelegt. Im Jahr 2017 vereinbarte Lufthansa Technik eine umfassende Zusammenarbeit mit Honeywell. Das Unternehmen wurde autorisierte Garantiestation und lizenziertes Reparaturzentrum für die HGT1700.

Der Zeitpunkt war bemerkenswert. Der Airbus A350 befand sich damals noch vergleichsweise am Anfang seines Lebenszyklus. Viele Fluggesellschaften bauten ihre Flotten erst auf, Langzeiterfahrungen lagen kaum vor.

Lufthansa Technik investierte dennoch frühzeitig in spezielle Prüfstände, Werkstätten, Ersatzteillogistik und die Ausbildung von Fachpersonal. Während die weltweite A350-Flotte wuchs, baute das Unternehmen systematisch Kompetenzen rund um die HGT1700 auf.

Heute verfügt Lufthansa Technik über nahezu ein Jahrzehnt Erfahrung mit dieser Komponente. Die langjährige Expertise und die dafür geschaffene Infrastruktur machen den Standort Hamburg für zahlreiche internationale Fluggesellschaften attraktiv.

Warum Airlines nach Hamburg kommen

Wer eine Honeywell HGT1700 warten lassen will, landet häufig in Hamburg. Dort hat Lufthansa Technik über Jahre eine Infrastruktur aufgebaut, die weit über klassische Reparaturarbeiten hinausgeht. Neben der Instandhaltung der Hilfstriebwerke gehören technische Analysen, Engineering-Leistungen, Ersatzteilversorgung und die Bereitstellung von Austauschgeräten zum Angebot.

Für Airlines zählt dabei vor allem eines: Zeit. Steht ein Flugzeug ungeplant am Boden, entstehen schnell hohe Kosten. Entsprechend gefragt sind Dienstleister, die möglichst viele Leistungen aus einer Hand anbieten und weltweit Unterstützung leisten können.

Genau auf dieses Geschäftsmodell setzt Lufthansa Technik. Das Unternehmen verkauft nicht nur Reparaturen, sondern vor allem Verfügbarkeit. Für Fluggesellschaften bedeutet das mehr Planungssicherheit und geringere Risiken im täglichen Betrieb.

Air France, China Eastern, Air India – warum sie alle denselben Partner wählen

Der Vertrag mit Air India sich in eine Serie ähnlicher Vereinbarungen ein, die Lufthansa Technik in den vergangenen Jahren abgeschlossen hat. Bereits Air France vertraut bei den HGT1700-APUs ihrer Airbus-A350-Flotte auf die Hamburger Spezialisten. Später folgten China Southern Airlines und China Eastern Airlines. Mit Air India kommt nun eine weitere große Fluggesellschaft hinzu.

Die Kunden stammen aus sehr unterschiedlichen Regionen der Welt. Europa, China und Indien zählen zu den wichtigsten Wachstumsmärkten der Luftfahrt. Dass Airlines aus diesen Märkten denselben Wartungspartner wählen, zeigt die starke Stellung von Lufthansa Technik in diesem Segment.

Für die Fluggesellschaften steht dabei vor allem die Zuverlässigkeit im Vordergrund. Je weniger ungeplante Ausfälle auftreten, desto besser lassen sich die Flugzeuge auslasten und wirtschaftlich betreiben.

Warum Air India auf externe Spezialisten setzt

Für Air India geht es bei dem Vertrag um weit mehr als die Wartung einzelner Hilfstriebwerke. Die Fluggesellschaft befindet sich mitten in einem umfassenden Modernisierungsprogramm. Seit der Übernahme durch die Tata Group investiert das Unternehmen Milliarden in neue Flugzeuge und den Ausbau seines internationalen Streckennetzes. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Airbus A350.

Die neuen Maschinen sollen das Wachstum auf wichtigen Langstreckenverbindungen tragen. Gleichzeitig steigen damit die Anforderungen an Wartung, Ersatzteilversorgung und technische Unterstützung. Statt sämtliche Kompetenzen selbst aufzubauen, setzt Air India auf spezialisierte Partner. Lufthansa Technik betreut bereits Komponenten der Boeing-777-Flotte der Airline. Mit dem neuen Vertrag wird diese Zusammenarbeit nun auf die Airbus-A350-Flotte ausgeweitet.

Die Vereinbarung verdeutlicht einen Trend, der sich in der gesamten Branche beobachten lässt: Viele Fluggesellschaften konzentrieren sich auf ihren Flugbetrieb und lagern hoch spezialisierte Wartungsaufgaben an externe Experten aus.

Mit jeder neuen A350 wächst der Wartungsmarkt

Für Lufthansa Technik ist der Airbus A350 weit mehr als ein modernes Langstreckenflugzeug. Jede neu ausgelieferte Maschine bedeutet potenziell jahrzehntelangen Bedarf an Wartung, Reparaturen und technischen Dienstleistungen. Die A350-Familie hat sich zu einem der wichtigsten Langstreckenprogramme von Airbus entwickelt. Die Auftragsbücher reichen noch viele Jahre in die Zukunft.

Für Wartungsunternehmen ist das eine attraktive Perspektive. Denn mit jeder zusätzlichen Maschine steigt automatisch die Zahl der Komponenten, die regelmäßig überprüft, repariert oder ersetzt werden müssen. Ein Flugzeug wird einmal verkauft, aber über Jahrzehnte hinweg gewartet. Genau daraus entsteht ein langfristiges Geschäft mit Ersatzteilen, technischen Dienstleistungen und Serviceverträgen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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