Projekt RiverRide 28.11.2016, 07:29 Uhr

Chicago will schwimmenden, überdachten Radweg bauen

Chicago nennt sich die fahrradfreundlichste Stadt der USA. Und überlegt jetzt, einen schwimmenden Radweg entlang des Chicago River zu bauen. Der rund 10 km lange Radweg wäre teuer, aber auch bequem – überdacht und dank Solarenergie schnee- und regenfrei.

Chicago will schwimmenden, überdachten Radweg bauen

Foto: Second Shore

Chicago will schwimmenden, überdachten Radweg bauen

Der Radweg besteht aus schwimmenden modularen Segmenten, die entlang des Flusses aneinandergereiht und im Flussbett verankert werden. Die Pontons sollen aus stahlverstärktem Beton gefertigt werden.

Foto: Second Shore

Chicago will schwimmenden, überdachten Radweg bauen

Der Radweg soll in der Nähe von Brücken und Parks mit Rampen für die Auf- und Abfahrt verbunden werden.

Foto: Second Shore

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Foto: Second Shore

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Foto: Second Shore

Chicago will schwimmenden, überdachten Radweg bauen

Foto: Second Shore

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Foto: Second Shore

Chicago will schwimmenden, überdachten Radweg bauen

Foto: Second Shore

Chicago will schwimmenden, überdachten Radweg bauen

Foto: Second Shore

Rahm Emanuel hat etwas geschafft, womit er 2011 als Bürgermeister von Chicago angetreten ist: Im September dieses Jahres wählte das Fahrradmagazin „Bicycling“ Chicago zur fahrradfreundlichsten Stadt der USA, vor San Francisco, Portland und New York City. Das hatte vor allem zwei Gründe. Emanuel, ehemaliger Stabschef im Weißen Haus unter Barack Obama, baute tatsächlich wie versprochen um die 150 km Radweg in der Stadt und führte das System „Divvy“ ein, in dem sich Fahrradfahrer eines von 3.000 blauen Rädern an 300 Stationen kurzfristig ausleihen können.

Ein Radweg entlang des Chicago River auf 10 km Länge

Zurücklehnen wollen sich die städtischen Planer der Radwege in Chicago dennoch nicht. Denn obwohl Wert darauf gelegt wurde, dass ein großer Teil der neuen Radwege vom Autoverkehr getrennt wird, müssen sich Rad- und Autofahrer in den meisten Fällen eine Straße teilen. So sind die Unfallzahlen, mit tödlichem Ausgang für Fahrradfahrer, in den letzten Jahren mit zunehmendem Radverkehr angestiegen.

Jetzt hat der Chicagoer Unternehmer James Chuck mit der von ihm mitbegründeten Firma Second Shore, die sich auf Infrastruktur an Küstengebieten spezialisiert hat, einen Vorschlag für weitere Radwege, die völlig autofrei sind, vorgelegt. Entlang des Chicago River könnten rund 10 km Radweg gebaut werden.

Pontons aus stahlverstärktem Beton

Der Radweg würde dem Verlauf des Flusses durch die Stadt folgen, zwischen dem Horner Park im Norden und dem Ping Tom Memorial Park weiter südlich. Der Chicago River würde, wie vor 100 Jahren in der Stadt, zum Transportweg. Das Projekt nennt sich River Ride und besteht aus schwimmenden modularen Segmenten, die entlang des Flusses aneinandergereiht und im Flussbett verankert werden.

Die Fertigung der Pontons aus stahlverstärktem Beton würde das finnische Unternehmen Marinetek übernehmen, das langjährige Erfahrung im Bau von Marinas, schwimmenden Brücken und sogar einem schwimmenden Swimming Pool hat.

Beleuchteter Radweg ist schnee- und eisfrei

River Ride wäre aber nicht nur ein autofreier Radweg entlang der Flusslandschaft, sondern auch überaus angenehm zu befahren: Unter der gläsernen Bedachung, die mit Solarpanelen ausgestattet ist, bleiben die Radfahrer trocken.

Überdies heizt der Solarstrom die Oberfläche des Weges, so dass es keine Vereisung gibt und Licht liefert er auch noch.

Ans bestehende Radnetz angeschlossen

An den Seiten werden Geländer entlang geführt, damit bei einem Sturz niemand im Wasser landet. Die einzelnen Segmente seien zwar stabil verankert, verspricht Second Shore, könnten aber auch bei Bedarf schnell abgebaut und woanders angebracht werden. An etlichen Stellen, zum Beispiel in der Nähe von Brücken und Parks, gibt es Rampen für die Auf- und Abfahrt sowie nahtlose Verbindungen zu bereits existierenden Radwegen.

Gesamtkosten: 84 Millionen US-Dollar

Inwieweit dieser attraktive Radweg tatsächlich realisiert werden kann, ist noch offen. So viel Komfort hat auf jeden Fall seinen Preis. Ein Segment kostet laut Second Shore zwischen 150.000 und 200.00 US-Dollar, pro Meile (1,6 km) wären das bis zu zehn Millionen Dollar und die Gesamtkosten für das Projekt schlagen mit rund 84 Millionen Dollar zu Buche.

James Chuck stellt sich eine Finanzierung vor, die teils aus privaten, teils aus öffentlichen Geldern kommt. James Chuck will, vorausgesetzt die notwendigen Genehmigungen werden erteilt, in 2018 ein erstes Pilotprojekt an einem Flussabschnitt installieren.

Übrigens die Verlängerung der Stadtautobahn A100 in Berlin kostet mehr als 470 Millionen Euro für 3,2 Kilometer… Dabei wünschen sich auch die Berliner Radfahrer einen überdachten Weg für sich. Und zwar unterhalb der U-Bahn-Linie 1, die als Hochbahn quer durch Berlin führt. Neun Kilometer lang. Vorgestellt wurde die Radbahn-Idee Ende 2015 – und sucht noch Freunde.

Schon 2014 kursierte in London die Idee eines schwimmenden Radwegs auf der Themse. Wir berichteten hier.

 

  • Gudrun von Schoenebeck

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