Wie gewittersicher ist mein Auto? 26.06.2026, 13:30 Uhr

Blitzschlag ins E-Auto: Die Insassen sind sicher – die Technik ist es nicht

Wer während eines Gewitters im Auto sitzt, ist auch im Stromer gut geschützt. Doch das gilt nicht unbedingt für Elektronik und Ladesäulen. Was Fahrerinnern und Fahrer beachten sollten.

Blick durch Windschutzscheibe bei Gewitter

Schutzraum auf vier Rädern: Bei Gewitter wirkt die Metallkarosserie als faradayscher Käfig und leitet den Blitzstrom an den Insassen vorbei – unabhängig vom Antrieb.

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Foto: Smarterpix/marcorubino

Am Wochenende kippt die Hitzewelle: Der Deutsche Wetterdienst warnt für Freitag und Samstag vor extremer Wärmebelastung – und davor, dass sich die aufgestaute Energie in teils schweren Gewittern mit Starkregen, Hagel und Sturmböen entlädt. Wie real diese Gefahr ist, zeigte vor einer Woche der Vorfall in Rastatt, wo ein naher Einschlag bei einem Handballturnier neun Menschen verletzte.

Pünktlich dazu fällt der Weltblitzschutztag auf diesen Sonntag, den 28. Juni; der VDE erinnert aus diesem Anlass daran, wer im Gewitter wirklich geschützt ist: Gebäude – und geschlossene Fahrzeuge. Auch Elektroautos. Doch der Schutz endet, wo ihn kaum jemand vermutet.

Warum das Auto zum Faradayschen Käfig wird

Dass ein Auto im Gewitter schützt, ist keine neue Erkenntnis. Das Prinzip ist seit hundert Jahren bekannt. Die Metallkarosserie wirkt als faradayscher Käfig: Sie nimmt den Blitzstrom auf und leitet ihn über die geschlossene metallene Außenhaut zur Erde ab an den Insassen vorbei, nicht durch den Innenraum. Das ist durchaus beachtlich: Bei Blitzen wurden Stoßströme bis 200.000 Ampere gemessen. Aber eine Karosserie leitet das ab.

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Entscheidend dafür ist das Material. „Das funktioniert aber natürlich nur, wenn die Karosserie auch wirklich aus Metall ist“, so Thomas Raphael vom VDE-Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (VDE ABB). Cabriolets und Wohnmobile ohne metallenes Dachgerüst oder Überrollbügel schützen deshalb auch bei geschlossenem Verdeck nicht zuverlässig.

Die Luftfahrt zeigt, wie sehr es auf das leitende Material ankommt: Auch ein Flugzeug ist ein faradayscher Käfig – bei modernen Maschinen mit Außenhäuten aus Kohlenstoff-Verbundstrukturen aber greift die Abschirmung nicht mehr von selbst, weshalb Boeing eigens Schutzsysteme entwickeln lässt. In einfachen Worten: Nicht die Form schützt, sondern das Metall ringsum.

Warum das E-Auto keine Ausnahme ist

Der Antrieb ist dabei zweitrangig. Für die Schutzwirkung zählt allein die Hülle, nicht der Motor. „Auch Elektroautos fungieren als faradayscher Käfig“, sagt Raphael. Selbst beim Laden seien Personenschäden äußerst unwahrscheinlich – der Strompfad läuft über die Karosserie, nicht über die Insassen. Die Hochvoltbatterie macht das E-Auto bei Gewitter also nicht gefährlicher als einen Verbrenner.

Wie robust die Metallhülle sein kann, zeigt ein Fall aus China. Einen BYD Song Plus soll der Blitz im vergangenen Sommer binnen Sekunden gleich mehrfach getroffen haben – gefilmt aus einem anderen Wagen. Laut einem Bericht des Portals Futurezone, der sich auf chinesische Quellen beruft, blieben die Insassen unverletzt; weder Akku noch Elektromotor oder Fahrzeugelektronik seien beschädigt worden, zurück blieben zwei Brandlöcher im Dach. Das ist ein Einzelfall, kein Prüfstandsergebnis – als Beleg für die Faraday-Wirkung taugt er nur illustrativ. Doch er deckt sich mit dem, was die Physik erwarten lässt.

Doch was bedeutet „Schutz“ eigentlich? Der VDE formuliert es so: Schutz für die Menschen im Auto, nicht für alles, was Strom führt.

Wo der Blitz wirklich Schaden anrichtet

Der Mensch im Auto ist sicher, die Technik ringsum nicht. Hier dreht sich die beruhigende Faraday an mehreren Stellen um.

  • Erstens am Auto selbst: Ein direkter Treffer geht nicht spurlos an der Hülle vorbei. Raphael nennt zwei Schwachstellen: Die Reifen können durch die entstehende Hitze beschädigt werden, die Fahrzeugelektronik durch das elektromagnetische Feld des Blitzes. Nach einem Einschlag sollten Fahrerinnen also erst die Funktionen prüfen, bevor es weitergeht. Das gilt gerade beim E-Auto mit seiner dichten Leistungs- und Steuerelektronik.
  • Die eigentliche Schwachstelle ist aber die Ladeinfrastruktur. Ein direkter Einschlag kann sie beschädigen, genau wie andere Verkehrstechnik, von der Ampelanlage bis zum Umspannpunkt. Der VDE verweist deshalb auf Blitz- und Überspannungsschutz für öffentliche Ladeeinrichtungen und Ladeparks; damit, so Raphael, ließen sie sich „noch einmal sicherer“ machen.

Wie aufwendig solcher Schutz wird, sobald Technik im Spiel ist, zeigt ein Blick auf andere kritische Infrastruktur. Bei Kläranlagen etwa schreiben das DWA-Regelwerk und die Normenreihe DIN EN 62305 umfangreiche Erdungs- und Überspannungsschutzmaßnahmen vor, wobei die Einbauorte sorgfältig zu ermitteln sind. Überspannungsschutz ist kein Bauteil, das man nachträglich anklemmt, sondern Planungsarbeit. Das ist die offene Flanke für ein flächendeckendes Ladenetz, das gerade erst im Entstehen begriffen ist.

Je mehr Elektronik, desto teurer der Schaden

Wie teuer solche Schäden werden, lässt sich für Autos schwer beziffern – eine eigene Statistik für Blitzschäden am Kfz liegt nicht vor. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erfasst Blitz bei Fahrzeugen nur im Sammeltopf „Sturm, Hagel, Blitz“, nicht separat. Ein Blick auf Gebäude muss daher als Näherung genügen.

Demnach geht die Zahl der Blitz- und Überspannungsschäden laut GDV seit Jahren zurück, der Schaden je Fall steigt aber; zuletzt lag er bei rund 1070 €. Der Grund liege in der immer dichteren Technik in Häusern und Haushalten. In einfachen Worten: Je mehr Elektronik, desto teurer der Überspannungsschaden. Was fürs vernetzte Haus gilt, trifft auf E-Auto und Ladesäule erst recht zu.

Im Auto bleiben – aber nicht weiterfahren

Was heißt das fürs Wochenende? Wer ins Gewitter gerät, bleibt am besten im Auto sitzen – fährt aber nicht. Der VDE rät dazu ausdrücklich: Blitz, Donner und Regen können durch eingeschränkte Sicht und heftiges Erschrecken zu Fahrfehlern führen. Der Käfig schützt vor dem Blitz, nicht vor dem Auffahrunfall.

Wann die Gefahr akut ist, lässt sich hören. Als Faustregel gilt die 30/30-Regel: Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, sollte sofort Schutz gesucht werden; erst 30 Minuten nach dem letzten Donner gilt die unmittelbare Gefahr als deutlich reduziert. Als Schutzraum gilt ein Gebäude oder geschlossenes Fahrzeug, nicht das offene Feld, wo die Schrittspannung nach den Angaben des VDE schon Sportplätze und Zeltlager zum Unglücksort gemacht hat.

Fazit: Im Auto, ob Verbrenner oder Stromer, sind die Menschen sicher. Verwundbar sind die Technik ringsum sowie das Netz aus Ladesäulen, das die Elektromobilität gerade erst aufspannt. Der Weltblitzschutztag erinnert daran, dass es für Schutz technische Lösungen braucht. Ins Auto sind die seit hundert Jahren eingebaut; in den Ladepunkt müssen sie erst hinein.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

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