Baugrund macht Probleme: 330-Mio.-€-Bahnprojekt Gößnitz verzögert sich bis 2028
Eine Stützwand und Engpässe bei der Bahntechnik bremsen den Umbau in Gößnitz. Statt Ende 2026 nennt die DB nun 2028 als Bauende.
13 km Gleis, 26 km Oberleitung und eine problematische Stützwand: Der große Bahnumbau in Gößnitz verzögert sich bis 2028.
Foto: Deutsche Bahn AG / Holger Stein
Noch 2023 wollte die Deutsche Bahn den Umbau des Bahnknotens Gößnitz bis Ende 2026 abschließen. Inzwischen nennt die offizielle Projektseite 2028 als Bauende. Eine Ursache steckt unter der Erde: An einer neuen Stützwand entlang der Alexander-Puschkin-Straße erwies sich der Baugrund als komplizierter als erwartet. Die Bauweise musste geändert, der Terminplan angepasst werden. Hinzu kommen Engpässe bei Fachpersonal und Material für die Leit- und Sicherungstechnik.
Ausgerechnet jetzt beginnt eine weitere intensive Bauphase. Vom 17. August bis zum Fahrplanwechsel im Dezember bündelt DB InfraGO Arbeiten in Gößnitz, auf den angrenzenden Strecken und im Bahnhof Werdau. Gleise und Weichen werden erneuert, Oberleitungen weitergebaut und drei Eisenbahnbrücken eingeschoben. Die gesperrten Streckenabschnitte wechseln während dieser Zeit.
Für den Umbau des Eisenbahnknotens Gößnitz hatte die Bahn bereits 2023 ein Investitionsvolumen von rund 330 Mio. € genannt. Der Bahnhofsbereich selbst ist nur 2,85 km lang. Gebaut werden dort allerdings mehr als 13 km Gleis und fast 26 km Oberleitung.
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Eine Stützwand bringt den Terminplan durcheinander
Das aktuelle Baugrundproblem betrifft die Stützwand entlang der Alexander-Puschkin-Straße in Gößnitz. Die DB spricht von „komplexeren Baugrundverhältnissen“ als ursprünglich angenommen. Diese hätten eine andere Bauweise erforderlich gemacht und damit den Terminplan verändert. Nähere Angaben zu Bodenaufbau, Gründung oder den konkret notwendigen Änderungen macht die Bahn bislang nicht.
Die Arbeiten an der Stützwand gehören zu den Aufgaben der laufenden Bauphase. Daneben werden im Bahnhof unter anderem die Gleise 1 bis 3 einschließlich der Tiefbauarbeiten erneuert. Auch der noch fehlende Teil der Personenunterführung wird gebaut.
Die Hauptarbeiten der diesjährigen Sperrpause sollen nach Angaben der Bahn trotzdem wie geplant stattfinden. Danach bleiben Restarbeiten an der Strecke sowie an Stütz- und Lärmschutzbauwerken. Die Gleisanlagen, die derzeit noch entstehen, sollen erst während einer weiteren Sperrpause 2027 in Betrieb genommen werden.
Auch bei der Sicherungstechnik gibt es Engpässe
Der Baugrund ist nicht der einzige Faktor. Die Bahn verweist zusätzlich auf die bundesweit hohe Bautätigkeit sowie Engpässe bei hoch spezialisiertem Fachpersonal und Material für die Leit- und Sicherungstechnik. Auch diese Probleme wirken sich laut DB auf den Projektablauf aus.
Dass diese Technik Termine verschieben kann, zeigt sich unmittelbar nebenan in Werdau. Dort baut die Bahn zwei jeweils 750 m lange Überholgleise für Güterzüge. Sie sollten ursprünglich im Oktober 2026 in Betrieb gehen. Daraus wird nun Dezember. Als Ursache nennt die DB insbesondere die hohe Auslastung bei Plan- und Abnahmeprüfungen der Leit- und Sicherungstechnik.
Gößnitz hat mit solchen Engpässen bereits Erfahrung. Im Sommer 2023 verzögerte sich eine Wiederinbetriebnahme um vier Wochen. Damals nannte die Bahn verspätete Materiallieferungen sowie bundesweite Engpässe bei Planungsingenieuren und Abnahmeprüfern als Gründe. Das neue elektronische Stellwerk konnte deshalb erst später in Betrieb gehen.
13 km Gleis auf 2,85 km Bahnhofsbereich
Der Umfang des Umbaus zeigt, warum die Baustelle trotz ihrer überschaubaren Länge so aufwendig ist.
Auf 2,85 km Bahnhofsbereich entstehen beziehungsweise entstanden 13,04 km Gleis und 25,82 km Oberleitung. Die hohe Gleislänge ergibt sich aus den zahlreichen parallel verlaufenden Bahnhofsgleisen und ihren Verbindungen.
Hinzu kommen zwei neue Mittelbahnsteige mit insgesamt vier Bahnsteigkanten. Jeder Bahnsteig ist 210 m lang. Gebaut werden außerdem eine barrierefreie Personenunterführung, zwei Eisenbahnüberführungen, sieben Durchlässe, sechs Stützwände und zwei Lärmschutzwände. Ein elektronisches Stellwerk gehört ebenfalls zum Projekt.
Vorbereitende Arbeiten liefen bereits 2021. Im Mai 2022 starteten die Hauptbauarbeiten am Bahnhof. Inzwischen sind das elektronische Stellwerk errichtet, Teile der neuen Personenunterführung fertig und erste neue Bahnsteige, Gleise, Weichen sowie Oberleitungsanlagen in Betrieb.
Bahnhof wird um rund 20 cm angehoben
Der Umbau reicht bis in den Unterbau der Bahnanlagen. Im Zuge von Dammstabilisierungs- und Hochwasserschutzmaßnahmen wird der Bahnhofsbereich nach Angaben der DB um rund 20 cm angehoben. Weitere technische Angaben zu dieser Maßnahme veröffentlicht die Projektseite nicht.
Ziel des Gesamtumbaus ist nicht nur eine modernere Bahnhofsanlage. Gößnitz liegt an der Sachsen-Franken-Magistrale und zugleich an einer wichtigen Verbindung für den Güterverkehr. Der Abschnitt gehört zum Ostkorridor, der die Seehäfen im Norden mit dem Raum Regensburg verbindet.
Nach dem Ausbau schafft die Infrastruktur in Gößnitz die Voraussetzungen für Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h im Personenverkehr und bis zu 120 km/h im Güterverkehr.
Drei Brücken werden während der Sperrpause eingeschoben
Die Arbeiten ab 17. August gehen deutlich über den Bahnhof hinaus. In Ponitz schiebt die Bahn eine neue Eisenbahnbrücke ein, in Crimmitschau folgen zwei weitere. Gleichzeitig laufen Arbeiten an Gleisen, Weichen, Oberleitungen und Stützwänden.
Dafür wechseln die Sperrungen in mehreren Schritten. Vom 17. bis 22. August betrifft der Ersatzverkehr den Abschnitt Gößnitz–Zwickau. Vom 23. August bis 18. Oktober wird zwischen Altenburg und Zwickau ersetzt. Anschließend ist bis zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder Gößnitz–Zwickau betroffen.
Die Bahn nutzt die Sperrzeiten auch deshalb so intensiv, weil bestimmte Bau-, Prüf- und Abnahmearbeiten nur ohne Zugverkehr möglich sind.
Aus Ende 2026 wird 2028
Besonders deutlich wird die Verschiebung beim Blick auf die bisherigen Zeitangaben. Im Juli 2023 erklärte die DB noch, die Infrastruktur im Bahnknoten Gößnitz bis Ende 2026 modernisieren zu wollen.
Im August 2026 steht fest, dass noch nicht alle Gleisanlagen in diesem Jahr in Betrieb gehen können. Dafür ist eine weitere Sperrpause 2027 vorgesehen. Auf der aktuellen Projektseite ist das Bauende mit 2028 angegeben.
Gößnitz ist dabei nur ein Abschnitt eines weit größeren Programms. Die Sachsen-Franken-Magistrale umfasst rund 288 km. Nach Angaben der DB sollen auf den verschiedenen Streckenabschnitten insgesamt 32 elektronische Stellwerke entstehen sowie 223 Eisenbahnbrücken saniert oder erneuert werden.
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