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Audi Nuvolari: Warum dieser Supersportwagen ein rollendes Versuchslabor ist

05. Juni 2026

Gabriel Bortoleto, Fahrer des Audi Revolut F1 Teams, Audi-Vorstandsvorsitzender Gernot Döllner und Nico Hülkenberg, Fahrer des Audi Revolut F1 Teams, bei der Enthüllung des seriennahen Prototyps an der Côte d’Azur.
Mit dem Audi Nuvolari präsentiert die Marke ihren ersten Supersportwagen mit einem Hochleistungs-Hybridantrieb. Gabriel Bortoleto, Fahrer des Audi Revolut F1 Teams, Audi-Vorstandsvorsitzender Gernot Döllner und Nico Hülkenberg, Fahrer des Audi Revolut F1 Teams, bei der Enthüllung des seriennahen Prototyps an der Côte d’Azur. Foto: Audi AG
Der Audi Nuvolari ist mehr als ein Supersportwagen. Mit über 1000 PS, Carbon-Struktur und Formel-1-Technik dient er als rollendes Versuchslabor.
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1001 PS, mehr als 350 km/h Höchstgeschwindigkeit und weltweit auf nur 499 Exemplare limitiert: Mit dem Nuvolari bringt Audi erstmals seit dem Produktionsende des R8 wieder einen echten Supersportwagen auf die Straße. Doch die eigentliche Geschichte verbirgt sich nicht hinter den Fahrleistungen. Vielmehr nutzt die Marke das Fahrzeug offenbar als Technologieträger für ihre künftige Modellgeneration.

Audi sieht den Nuvolari selbst als Symbol für einen grundlegenden Wandel. „Mit dem Audi Nuvolari beschleunigen wir unseren technologischen Aufbruch und zeigen, dass das Unternehmen ein neues Tempo aufnimmt – in der Entwicklung, bei Entscheidungen und bei Innovationen“, sagt CEO Gernot Döllner.

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Tatsächlich vereint das Fahrzeug zahlreiche Entwicklungen, die weit über ein klassisches Imageprojekt hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen neue Hybridtechnik, softwaregesteuerte Fahrdynamiksysteme und ein konsequenter Leichtbauansatz.

Inhaltsverzeichnis

Mehr als nur ein Nachfolger des R8

Mit dem Aus des R8 verlor Audi nicht nur sein stärkstes Serienmodell, sondern auch ein wichtiges Symbol für den eigenen Technikanspruch. Gleichzeitig bereitet sich das Unternehmen auf den Einstieg in die Formel 1 im Jahr 2026 vor.

Der Nuvolari schlägt eine Brücke zwischen beiden Welten. Er soll zeigen, wie sich Motorsport, Digitalisierung und Fahrzeugentwicklung künftig miteinander verbinden lassen.

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Auffällig ist dabei die Entwicklungsphilosophie. Audi betont, dass der jetzt vorgestellte seriennahe Prototyp in internationaler Zusammenarbeit innerhalb kurzer Zeit entstanden sei. Das passt zu einer Branche, in der Entwicklungszyklen immer kürzer werden und Software einen immer größeren Anteil an der Fahrzeugentwicklung übernimmt.

Hybridantrieb mit 1001 PS

Offiziell spricht Audi von einem High-Performance-Hybridantrieb mit einer Systemleistung von 1001 PS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll in 2,6 Sekunden gelingen, 200 km/h werden nach 6,8 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit mehr als 350 km/h an.

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Konkrete technische Daten zum Aufbau des Antriebs hat Audi bislang allerdings nur teilweise veröffentlicht. Internationale Medien berichten von einem 4,0-Liter-V8-Biturbo, der von mehreren Elektromotoren unterstützt wird. Auch der Einsatz besonders kompakter Axialflussmaschinen wird diskutiert. Offiziell bestätigt wurden diese Details bislang jedoch nicht.

Aus technischer Sicht ist ohnehin weniger die reine Leistung interessant als die Integration verschiedener Antriebskomponenten zu einem gemeinsamen Gesamtsystem. Genau hier dürfte der eigentliche Entwicklungsfokus liegen.

„quattro predictive ride“ soll Fahrdynamik neu denken

Eine der auffälligsten Neuerungen trägt den Namen „quattro predictive ride“. Audi spricht von einer Weltneuheit, hält sich bei den technischen Einzelheiten bislang aber noch zurück.

Nach bisherigen Informationen analysiert das System kontinuierlich zahlreiche Fahrzeugdaten und passt die Kraftverteilung sowie die Fahrwerksregelung entsprechend an. Anders als klassische Systeme soll es nicht nur auf Veränderungen reagieren, sondern Fahrsituationen möglichst früh erkennen.

Audi hält sich bei den technischen Einzelheiten bislang noch zurück. Entwicklungschef Rouven Mohr beschreibt das System jedoch als die „nächste Generation des Allradantriebs“. Es antizipiere mögliche Traktionsverluste auf Basis hochpräziser Sensordaten und koordiniere Antrieb, Bremsen, Drehmomentverteilung und Aerodynamik „vorausschauend als integriertes Gesamtsystem“.

Im Kern folgt das Konzept einem Trend, der die Automobilentwicklung seit einigen Jahren prägt: Mechanische Komponenten werden zunehmend durch Software ergänzt oder miteinander vernetzt. Fahrdynamik entsteht dadurch immer stärker aus der Zusammenarbeit verschiedener Steuergeräte.

Aktive Aerodynamik und Carbon-Leichtbau

Auch beim Karosseriekonzept setzt Audi auf moderne Technologien. Der Nuvolari erhält einen neu entwickelten Audi Space Frame mit Carbon-Exterieur. Damit verabschiedet sich die Marke zumindest teilweise von ihrer langjährigen Fokussierung auf Aluminiumstrukturen.

Carbonfaserverstärkte Kunststoffe ermöglichen hohe Steifigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht. Gerade bei leistungsstarken Hybridfahrzeugen gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung, da Batterie und Elektromotoren zusätzlichen Bauraum und Masse mitbringen.

Hinzu kommt eine aktive Aerodynamik. Verstellbare Elemente sollen den Luftstrom je nach Fahrsituation optimieren. Bei hohen Geschwindigkeiten kann mehr Anpressdruck erzeugt werden, während sich auf Geraden der Luftwiderstand reduziert. Solche Systeme stammen ursprünglich aus dem Motorsport und finden inzwischen zunehmend ihren Weg in Straßensportwagen.

Formel-1-Technik als Entwicklungstreiber

Audi verweist ausdrücklich auf den engen Bezug zur Formel 1. Dazu zählen unter anderem der Hybridantrieb, die aktive Aerodynamik sowie neue Ansätze bei Fahrwerk und Fahrzeugregelung.

Dabei geht es weniger darum, einzelne Formel-1-Komponenten direkt zu übernehmen. Vielmehr nutzt Audi den Motorsport als Entwicklungsumfeld für neue Technologien und Arbeitsweisen. Gerade softwaregestützte Regelungssysteme und komplexe Energiemanagementstrategien profitieren von den Erfahrungen aus dem Rennsport.

Dass der Motorsport nicht nur als Marketingkulisse dient, sollen auch die Testfahrten der beiden Audi-Formel-1-Piloten zeigen. Gabriel Bortoleto beschreibt insbesondere das Zusammenspiel der Systeme: „Man spürt deutlich, wie Aerodynamik und Drehmomentverteilung perfekt ineinandergreifen.“ Besonders beeindruckt habe ihn das neutrale Fahrverhalten trotz der enormen Leistung.

Ein Technologieträger statt eines Volumenmodells

Die geplante Stückzahl von nur 499 Fahrzeugen macht deutlich, dass der Nuvolari wirtschaftlich kaum auf hohe Verkaufszahlen ausgelegt ist. Solche Kleinserien eignen sich jedoch hervorragend, um neue Technologien unter realen Bedingungen zu erproben.

Der Supersportwagen übernimmt damit eine ähnliche Rolle wie einst der erste Audi quattro oder später der R8: Er dient als Imageträger und gleichzeitig als Plattform für technische Innovationen.

Welche Systeme später tatsächlich in anderen Audi-Modellen auftauchen werden, ist derzeit noch offen. Sicher ist jedoch, dass moderne Fahrzeugentwicklung immer stärker von Software, Sensorik und intelligent vernetzten Regelsystemen geprägt wird.

Effizienz spielt ebenfalls eine Rolle

Bemerkenswert ist, dass Audi trotz der extremen Fahrleistungen auch Verbrauchs- und Emissionswerte nennt. Nach vorläufigen WLTP-Angaben soll der Nuvolari auf einen gewichteten Kraftstoffverbrauch von 11,3 Litern pro 100 km sowie einen gewichteten Stromverbrauch von 7,8 kWh pro 100 km kommen. Der kombinierte CO₂-Ausstoß wird mit 270 g/km angegeben.

Für einen Supersportwagen dieser Leistungsklasse sind solche Werte zwar nach wie vor hoch, sie zeigen aber, dass selbst in diesem Segment Hybridisierung zunehmend zum festen Bestandteil moderner Antriebskonzepte wird.

Mehr als 1001 PS

„Teamspirit und der Wille, sich stetig zu verbessern, bringen Formel-1-Teams an die Spitze – genau diese Haltung verankern wir auch bei Audi“, sagt Döllner.

Tatsächlich könnte genau darin die eigentliche Bedeutung des Nuvolari liegen. Der auf 499 Exemplare limitierte Supersportwagen ist weniger als künftiger Bestseller gedacht. Vielmehr dient er als Entwicklungsträger, auf dem neue Konzepte für Hybridantrieb, Fahrdynamikregelung und Leichtbau unter realen Bedingungen zusammengeführt werden.

Die eigentliche Bewährungsprobe wird deshalb nicht auf der Rennstrecke stattfinden, sondern in der Frage, welche dieser Technologien später ihren Weg in die Serienmodelle der Marke finden.



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