CO2-Fußabdruck 31.08.2020, 07:00 Uhr

Wie schlecht ist es fürs Klima, einen Hund zu halten?

Vielen Menschen liegt nicht nur die Umwelt am Herzen, sie mögen auch Tiere. Allerdings trägt beispielsweise ein Hund zum Klimawandel bei. Wie groß sein CO2-Fußabdruck tatsächlich ist, haben Forscher der TU Berlin ermittelt – und waren erstaunt.

Welpen

Hunde sind zwar niedlich, verursachen aber CO2-Emissionen. Dabei gilt: Je größer, desto schlechter für Umwelt und Klima.

Foto: panthermedia.net/Miraswonderland

Mit dem Hund spazieren gehen, die Natur genießen – wer macht sich dabei schon Gedanken darüber, dass auch Haustiere Kohlenstoffdioxid-Emissionen verursachen, also einen eigenen CO2-Fußabdruck hinterlassen? Genau den hat ein Forscherteam am Fachgebiet Sustainable Engineering der Technischen Universität (TU) Berlin jetzt ermittelt.

Gesamte Ökobilanz des Hundes erfasst

Nach Angabe der Wissenschaftler ist es das erste Mal, dass Forscher eine Ökobilanz für den vollständigen Lebensweg eines Hundes erstellt haben. Dabei haben sie versucht, alle Größen einzubeziehen, die auch indirekt durch den Hund beeinflusst werden. Begonnen haben sie bei den Rohstoffen fürs Futter, der Weiterverarbeitung, Verpackung und Transport. Weiter ging es mit den Exkrementen. Dazu gehören auf der einen Seite Urin und Kot, die an die Umwelt abgegeben werden, sowie auf der anderen Seite der Kot, den die Besitzer in der Stadt in Plastiktüten einsammeln. Hinzu kämen anteilige Ressourcen für die Straßenreinigung.

„Es ist ein Novum, dass unsere Ökobilanz auf den Umweltauswirkungen des gesamten Tierfutters, das ein Hund im Laufe seines Lebens frisst, basiert, aber auch auf den Umweltauswirkungen von Urin und Kot“, sagt Matthias Finkbeiner, der das Fachgebiet Sustainable Engineering leitet. Dabei seien die Forschende sehr stark ins Detail gegangen und hätten es beispielsweise in die Berechnungen einbezogen, wenn Vieh für die Hundefutterproduktion mit Soja aus Brasilien gefüttert wurde.

15 Indikatoren für die Auswirkungen auf die Umwelt

Natürlich hängen all diese Daten auch vom Gewicht des Hundes und von seiner Lebensdauer ab. Die Wissenschaftler sind daher für ihre Berechnungen von einem mittelgroßen Hund ausgegangen, der 15 Kilo wiegt. Das wäre beispielsweise ein Cocker Spaniel. Als Lebensdauer legten sie 13 Jahre fest. Vom Ergebnis war das Team selbst überrascht: Sie kamen auf 8,2 Tonnen CO2. „Diese 8,2 Tonnen CO2 entsprechen 13 Hin- und Rückflügen von Berlin nach Barcelona oder fast der Menge, die bei der Produktion eines Luxusautos der Mittelklasse, wie zum Beispiel eines Mercedes C250, emittiert wird“, sagt Finkbeiner. Zudem scheide der berechnete Durchschnittshund im Laufe seines Lebens etwa eine Tonne Kot und knapp 2.000 Liter Urin aus, was natürlich mit entsprechenden Folgen für die Umwelt verbunden sei.

Diese Problematik haben die Wissenschaftler genauer betrachtet, indem sie 15 Indikatoren herangezogen haben, auch Umweltwirkungskategorien genannt. Das waren unter anderem Klimawandel, Ozonabbau, Smog, Versauerung von Böden, Süßwasser-Ökotoxizität, Landnutzung und Eutrophierung von Gewässern, also ein unerwünschter Nährstoffeintrag, der das Ökosystem verändert. Im Ergebnis richtet das Hundefutter beziehungsweise seine Produktion mit ungefähr 90% den größten Schaden an. Nur bei der Süßwasser-Eutrophierung haben vor allem Urin und Kot des Hundes eine sehr große negative Auswirkung. An der Süßwasserökotoxizität (Vergiftung) hat der Kot ebenfalls einen Anteil. „Da es zum Hundekot keine Stoffdaten gab, mussten wir entsprechende Analysen in Auftrag geben, um die ausgeschiedenen Mengen an Phosphor, Stickstoff und Schwermetallen zu ermitteln. Phosphor und Stickstoff haben erheblichen Einfluss auf die Eutrophierung, also die unerwünschte Nährstoffzunahme in den Gewässern, die Schwermetalle auf die Vergiftung des Bodens“, erklärt Finkbeiner.

Für die Forscher ist daher klar: Plastiksäckchen seien das kleinere Übel, weswegen sie dafür plädieren, auch in der freien Natur Exkremente einzusammeln.

Massentierhaltung für die Futterproduktion

Beim Hundefutter seien es vor allem die Haltungsbedingungen der Nutztiere, die für eine schlechte Ökobilanz sorgten. „Das Fleisch für die Hundefutterproduktion kommt wohl weder vom Biohof in der Uckermark noch von den bayerischen Almwiesen. Es stammt aus der Massentierhaltung mit den bekannten sozialen und ökologischen Auswirkungen“, sagt Finkbeiner.

Der Weltklimarat fordert, dass die CO2-Emissionen pro Kopf auf unter zwei Tonnen im Jahr gesenkt werden. Setzt man die durchschnittlichen 8,2 Tonnen des Hundes an, also etwa 630 Kilo im Jahr, würde der Hund bereits ein knappes Drittel des Budgets verbrauchen. Diese Zahl gewinnt noch deutlich an Dimension, wenn man die Zahl der Hunde in Deutschland betrachtet – es sind etwa zehn Millionen. Und jedes Jahr werden es mehr.

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