Kunststoffe 28.04.2000, 17:25 Uhr

Was tun mit PVC?

PVC ist nicht nur beliebter Grundstoff für die Herstellung von Fußbodenbelägen, Rohren, Fensterprofilen und Spielzeug, sondern auch Anlass für heftige Kontroversen. Fünf Studien im Auftrag der EU sollen klären, welche künftig die „richtige“ Entsorgung von PVC ist.

Die Argumente sind bekannt: PVC, so betonen viele Kritiker, enthält in manchen Produkten gesundheitsschädliche Weichmacher, bei der Verbrennung können Dioxine entstehen, schwermetallhaltige Zusätze, die in vielen PVC-Produkten als sogenannte Stabilisatoren enthalten sind, können frei werden.
Neuen Stoff, um diesen Streit lebendig zu halten, liefert derzeit die EU-Kommission. Auf der Suche nach einer Antwort, wie europaweit der Umgang mit PVC geregelt werden könnte, gab sie Ende 1998 fünf Studien in Auftrag, um einen Überblick über Entsorgungswege und -probleme des PVC zu bekommen.
Mittlerweile liegen vier der Studien vor. Sie untersuchen Möglichkeiten, PVC zu deponieren, zu verbrennen und werkstofflich oder rohstofflich zu recyceln. Die fünfte Studie analysiert die ökonomische Situation in der PVC-Abfallwirtschaft.
Große Überraschungen freilich liefern die Untersuchungen nicht. Politisch eindeutige Aussagen enthält allein die Studie über das Deponieverhalten von PVC. „PVC hat auf einer Deponie nichts zu suchen“, sagt Dr. Peter Spillmann, Professor am Lehrstuhl für Abfallwirtschaft der Uni Rostock, die die Studie gemeinsam mit drei Kooperationspartnern erstellt hat. Als Begründung nennt er nicht nur die dioxinträchtige Schwelbrandgefahr, die von Kunststoffen im Deponiekörper ausgeht. Auch die im PVC enthaltenen umweltbelastenden Zusatzstoffe, vor allem die Phthalate als Weichmacher, stellen laut Spillmann ein Problem dar. Sie sind teilweise so beständig, dass sie nicht nur langfristig im Sickerwasser zu erwarten sind. Sie sind auch die Quelle für Gasbelastungen, die möglicherweise toxisch sind. Da hierzu bislang aber zu wenige Erkenntnisse vorliegen, sieht Spillmann weiteren Forschungsbedarf.
Die Autoren der Studien über die Wieder- und Weiterwendung von PVC kommen zu dem Schluss, dass das Recycling des Kunststoffes in Zukunft zwar zunehmen kann, es allerdings keine allzu große Bedeutung gewinnen wird. Das Baseler Prognos-Institut zeichnet Szenarien, die bis zum Jahr 2020 einen Anstieg des werkstofflichen Recyclings von heute 3 % auf maximal 18 % des PVC-Abfalls in der EU prognostizieren. Sollte allerdings künftig Hart-PVC vom Recycling ausgeschlossen werden, so Prognos, wenn es das Schwermetall Cadmium als Stabilisator enthält, dann erreicht dieser Wert bis 2020 nur 7 %. Im selben Zeitraum steigen die von Prognos erwarteten Abfallmengen von derzeit 4,3 Mio. t auf 7,2 Mio. t PVC.

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Rohstoffliches Recycling noch nicht wirtschaftlich

Der zweite mögliche Verwertungsweg, das rohstoffliche Recycling, steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Bislang laufen in Europa nur wenige Anlagen mit Pilot-Charakter, in denen Plastikmüll vergast und in neue Rohstoffe aufgespalten wird. Doch sie sind bislang noch nicht wirtschaftlich konkurrenzfähig zur direkten Verbrennung oder Deponierung des Plastikmülls, so die Experten vom niederländischen Institut für angewandte Forschung (TNO), Delft. Darum rechnen sie in ihrer Studie damit, dass rohstoffliches Recycling bis zum Jahr 2010 nur einen Anteil von höchstens 5 % des PVC-Abfalls erreichen kann. Dieser stammt dann hauptsächlich aus dem Verpackungsbereich, da für sortenreine PVC-Abfälle aus der Industrie und dem Baugewerbe das werkstoffliche Recycling in der Regel wirtschaftlicher ist.
Mehr rohstoffliches Recycling wäre nach Ansicht der TNO-Experten nur möglich, wenn die EU-Staaten das Recycling von PVC und anderen Kunststoffen durch feste Quoten fördern würden. Dies wäre allerdings mit hohen Kosten für die notwendigen Sammel- und Sortiersysteme und Recyclinganlagen verbunden.
So erscheint derzeit die Verbrennung als der gangbarste Weg der PVC-Entsorgung einerseits der wachsenden und schlecht trennbaren PVC-Mengen im Hausmüll, andererseits aber auch alter Rohre, kaputter Dachbahnen und Fußbodenbeläge sowie ausgebauter Fenster. Gestützt wird diese Einschätzung durch die Ergebnisse der Karlsruher Studie über den Einfluss von PVC auf Menge und Gefährlichkeit der Rückstände aus der Rauchgasreinigung von Müllverbrennungsanlangen (MVA). „Die zusätzlichen Kosten, die beim Verbrennen von PVC in Müllverbrennungsanlagen anfallen, sind marginal“, sagt Dr. Jürgen Vehlow, Experte für thermische Abfallbehandlung am Forschungszentrum Karlsruhe.
MVA benötigen weder größere Filteranlagen noch spezifische Chemikalien zur Rauchgasreinigung, um die durchschnittlichen Gewichtsanteile von 1 % PVC im Hausmüll zu verarbeiten, so die Studie. Am Ende fallen wegen des erhöhten Chloranteils im Abgas allerdings mehr Rückstände an, die teilweise als Sondermüll entsorgt werden müssen. Je nach Reinigungsverfahren können dies zwischen 0,4 kg und 1,4 kg je kg PVC sein – verbunden mit Kosten zwischen 0,03 DM/kg und 0,60 DM/kg PVC.
„Noch mehr Sondermüll“, klagte angesichts dieser Zahlen Chemie-Experte Axel Singhofen im Brüsseler Greenpeace-Büro vergangene Woche auf einer Wissenschaftspressekonferenz zum Thema PVC-Entsorgung in Bonn. „Das Ziel der Verbrennung, die Abfallmassen zu reduzieren, wird ad absurdum geführt.“ Auch durch die prognostizierten niedrigen Recycling-Anteile des PVC-Abfalls sehe sich Greenpeace in der Einschätzung bestätigt, dass die PVC-Entsorgung eine „Sorge ohne Ende“ sei.

PVC führt nicht zu mehr Dioxin bei der Verbrennung

Die strittige Frage, ob die PVC-Verbrennung zu einer erhöhten Dioxinbildung führt, bleibt in der Untersuchung ausgeklammert. „Ich denke, dass dieses Thema der EU-Kommission zu politisch war“, so Vehlow. Aus einer ganzen Reihe von Experimenten der letzten Jahre sei mittlerweile aber bekannt, dass mit der PVC-Verbrennung keine höheren Dioxin-Emissionen verbunden sind, wenn sie in Müllverbrennungsanlagen mit guter Verbrennungsführung und moderner Abgasreinigung stattfindet.
Erwartungsgemäß anders interpretiert die PVC-Industrie die Ergebnisse der Studien. „Die Prognos-Studie widerlegt die Behauptung, dass eine PVC-Abfalllawine droht“, sagte Werner Preusker, Geschäftsführer der Bonner Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt. Zudem sei erneut der Nachweis erbracht, „dass PVC recycelbar ist und die werkstoffliche Verwertung einen wichtigen Beitrag zur Abfallverminderung leistet“.
Die EU-Kommission selbst will sich zu den Studien erst äußern, wenn alle fünf Arbeiten vorliegen. Sie sollen eine der Grundlagen bilden, auf denen die EU ihre künftige Strategie im Umgang mit PVC diskutiert (s. Kasten). Ob sie allerdings als Entscheidungshilfe einen Wert haben, daran hat selbst einer der Autoren Zweifel. Vehlow: „Mir ist schleierhaft, was die EU-Kommission mit diesen Studien anfangen soll. Sie bringen keine neuen Erkenntnisse.“ LUCIAN HAAS
Für alte Fußbodenbeläge und Dachbahnen aus PVC hält die Industrie seit Jahren Recyclingkapazitäten bereit – die AgPR-Anlage in Troisdorf macht daraus Feinmahlgut zur Einarbeitung in neue Produkte. Die Rückflüsse sind aber bislang spärlich – noch ist es weitaus preiswerter, PVC-Abfälle auf die Deponie zu bringen.

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