Forschung 20.01.2025, 17:00 Uhr

Weltweit ist das Vertrauen in die Wissenschaft weiterhin hoch

Ein internationales Team hat das Vertrauen in die Wissenschaft weltweit ermittelt. Es gibt allerdings Kritik an der Studie.

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Ein ein internationales Team hat das Vertrauen in Forschung weltweit ermittelt. Fazit: Es sieht ganz gut aus. Es gibt allerdings Kritik an der Studie.

Foto: PantherMedia / Khakimullin

Die Wissenschaft ist für eine faktengestützte Entscheidungsfindung von zentraler Bedeutung. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft kann Entscheidungsträgern helfen, auf der Grundlage der besten verfügbaren Erkenntnisse zu handeln – vor allem in Krisenzeiten.

Doch in den letzten Jahren wurde die Autorität der Wissenschaft zunehmend infrage gestellt. Eine internationale Studie mit 71.922 Befragten aus 68 Ländern hat untersucht, wie es global um das Vertrauen in Wissenschaftler steht. Sie deckte 31 % der Länder der Welt und 79 % der globalen Bevölkerung ab. Die Ergebnisse sind überraschend und haben weitreichende Implikationen für Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger.

Wie schätzen Menschen weltweit das Vertrauen in Wissenschaftler ein?

Die Studie, die unter der Teamleitung von Viktoria Cologna (Eidgenössische Technische Hochschule ETH Zürich) und Niels Mede (Universität Zürich) entstand, zeigt, dass das Vertrauen in Wissenschaftler weltweit auf einem „moderat hohen“ Niveau liegt. Zahlenmäßig ist das ein Mittelwert von 3,62 auf einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch). Deutschland liegt mit 3,49 auf Platz 44 von 68. Die höchsten Werte erreichten Ägypten (4,30) und Indien (4,26), während Albanien (3,05) und Kasachstan (3,13) die niedrigsten Werte aufweisen.

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Welche demografischen Gruppen vertrauen Wissenschaftlern besonders?

Frauen, ältere Menschen und solche mit hohem Einkommen vertrauen Wissenschaftlern eher als der Durchschnitt. Auch religiöse, gebildete, liberale sowie Menschen mit linker politischer Orientierung haben eine größeres Vertrauen. Auch Bewohner städtischer Gebiete haben ein höheres Vertrauen zu Forschern als solche auf dem Land.

„Tatsächlich fanden wir heraus, dass Religiosität insgesamt positiv mit Vertrauen in Wissenschaftler assoziiert ist“, schreibt das Team. Eine Studie von 2020 habe gezeigt, dass die Muslime keinen Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wahrnehmen, da der Koran viele Prinzipien der Wissenschaft enthalte. Einige Christen hatten in der früheren Studie jedoch angegeben, dass Wissenschaft im Widerspruch zu ihrer Religion stehe – es gebe dabei aber deutliche Unterschiede zwischen den Ländern.

Wie beeinflusst politische Meinung das Vertrauen in die Wissenschaft?

Ein relativ geringes Forschervertrauen hatten Menschen mit rechtsgerichteten und konservativen politischen Ansichten. „Angesichts des weltweit zunehmenden Einflusses autoritär-populistischer Parteien und Strömungen – wie der AFD in Deutschland oder der FPÖ in Österreich – sehe ich hier eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für die Wissenschaft und die Wissenschaftskommunikation in den kommenden Jahren“, sagte der Philosoph Mathias Frisch von der Universität Hannover, der nicht an der Studie beteiligt war.

Wie lässt sich das Vertrauen in Wissenschaftler messen?

Das Forschungsteam nutzte Antworten zu Kompetenz, Wohlwollen der Forscher, Integrität und Offenheit. 78 % der Befragten hielten Wissenschaftler für qualifiziert, um hochwertige Forschung durchzuführen. 57 % der Befragten halten Wissenschaftler für ehrlich. Die Befragten konnten wählen zwischen 1 (sehr niedrig), 2 (eher niedrig), 3 (weder hoch noch niedrig), 4 (eher hoch) und 5 (sehr hoch). Insgesamt erreichte das Vertrauen in Wissenschaftler laut Studie einen Mittelwert von 3,62.

Die Studie fand heraus, dass 42 % der Befragten glauben, dass Wissenschaftler auf die Meinungen anderer hören. 56 % der Befragten meinen, dass Wissenschaftler sich um das Wohl der Menschen kümmern.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Der wichtigste Beitrag der Studie sei darin zu sehen, dass sie den Mythos von der gefährlich geringen Vertrauenswürdigkeit von Wissenschaftlern ausräumt, kommentiert Frank Marcinkowski von der Universität Düsseldorf. „Kein gemessener Ländermittelwert liegt unterhalb des Mittelpunkts der verwendeten 5er-Skala.“

Er schränkte jedoch ein: „Angesichts offensichtlicher Differenzen in den sozialen, kulturellen, politischen, ökonomischen und anderen Randbedingungen von Wissenschaft in den einzelnen Ländern scheint es mir kaum möglich, die Länderwerte direkt aufeinander zu beziehen.“ Zudem gebe es „keine theoretisch begründete Vorstellung von dem richtigen Maß an Vertrauen, das die Wissenschaft genießen sollte“. Die Umfrage wurde in einigen Ländern auf Englisch oder Französisch durchgeführt, was zur Überrepräsentation gebildeter Menschen geführt haben könnte, nennen die Autorinnen und Autoren selbst als einen einschränkenden Grund für die Aussagefähigkeit der Studie. Zudem beschränke sich die Studie auf ein Verständnis von Forschung und Wissenschaft im westlichen Sinne.

Welche Rolle spielt das Vertrauen in Wissenschaftler in der Gesellschaft?

Insgesamt stimmen 75 % der Befragten zu, dass wissenschaftliche Forschungsmethoden der beste Weg sind, um herauszufinden, ob etwas wahr oder falsch ist. Weltweit wünschen 83 %, dass Forschende mit der breiten Öffentlichkeit kommunizieren. Die Studie fand heraus, dass 23 % der Befragten der Meinung sind, dass Wissenschaftler sich nicht genug in die Politik einbringen. Die Studie fand heraus, dass 27 % der Befragten der Meinung sind, dass Wissenschaftler sich aktiv für bestimmte politische Maßnahmen einsetzen sollten.

„Es gibt zwar keinen weit verbreiteten Mangel an Vertrauen in Wissenschaftler“, schließt das Team. „Wir können aber die Sorge nicht ausschließen, dass ein Mangel an Vertrauen in Wissenschaftler selbst bei einer kleinen Minderheit die Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse bei der politischen Entscheidungsfindung beeinflussen kann.“

Muss das Vertrauen in Wissenschaftler gestärkt werden?

„Muss es das? Ist das überhaupt wirklich ein Problem? Liegt das Problem nicht eher darin, dass ein Arbeitsminister, konfrontiert mit Prognosen der Wirtschaftsweisen zur Rentenentwicklung, sich über ,die Professoren‘ lustig macht? Das Problem zumindest in Deutschland ist weniger eines des fehlenden Vertrauens in der Bevölkerung als eines der teilweisen Nichtbeachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf Seiten der Politik“, sagt Matthias Kohring, Medien- und Kommunikationswissenschaftler von der Universität Mannheim.

„Vertrauen in Wissenschaft ist eng gekoppelt an sonstiges Institutionenvertrauen. Das Aufkommen rechtspopulistischer Parteien wird dazu führen, dass der Wind auch gegenüber Teilen der Wissenschaft stärker weht, nämlich gegenüber solchen, die ideologisch nicht ins Konzept passen, als da wären zum Beispiel Klimawandelforschung und Genderforschung und überhaupt Sozialwissenschaften“, sagt Marcinkowski.

„Was ich mir für eine Fortsetzungsstudie wünschen würde, wäre die Erstellung eines globalen Inventars von Gründen, auf denen Vertrauensvorbehalte basieren“, sagt der Journalistikexperte Hans Peter Peters von der Freien Universität Berlin. Beispiele seien seiner Meinung dafür:

  • Innovationskonflikte (Kernenergie, Gentechnik)
  • moralische Konflikte (Tierversuche, Stammzellforschung),
  • Konkurrenz mit alternativen Wissens- oder Glaubenssystemen (Homöopathie, Kreationismus)
  • wissenschaftlicher Populismus (Wissenschaft als Eliteprojekt)
  • linke Wissenschaftskritik, die die Hegemonie einer kapitalistisch, rassistisch, patriarchal und postkolonialistisch strukturierten westlichen Wissenschaft über Länder des globalen Südens thematisiert.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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