Quantenforschung: Cooler Wettlauf um mehr Verlässlichkeit 13.08.2026, 20:30 Uhr

Ionenfallen-Quantencomputer sind zurück im Rennen

Noch gibt es kein Patentrezept, einen richtig großen, marktreifen Quantencomputer zu produzieren. Viele verschiedene Probleme müssen noch angegangen werden. Im Zentrum: Die Störungsempfindlichkeit von Qubits.

Quantencomputing: Nebeneiner liegende Ionen kommunizieren über ihre Ladung miteinander

Fortschritte beim klassischen Ansatz mit Ionenfallen: Statt mit herkömmlichen Bits rechnen Quantencomputer mit Qubits. Doch um leistungsfähiger als klassische Computer zu werden, benötigen Quantencomputer eine eine große Anzahl an Qubits.

Foto: Smarterpix.com/atdigit

Während im noch jungen Markt für Quantencomputing teilweise bereits ehrgeizige Fahrpläne für erste Geschäftsmodelle aufgestellt werden, betreiben Forschungseinrichtungen weiterhin intensive Grundlagenarbeit. Denn noch gibt es keinen goldenen Mittelweg, einen richtig großen, marktreifen Quantencomputer zu produzieren. Verschiedene technologische Hürden müssen weiterhin angegangen werden.

Störungsempfindliche Qubits

Ein Kernproblem ist dabei die Skalierbarkeit der Hochleistungsrechner. Kleine, zuverlässig arbeitende Quantencomputer können bereits seit einigen Jahren gebaut werden. Doch sobald es daran geht, die Zahl der für die Informationsverarbeitung zuständigen Qubits zu erhöhen, sinkt die Verlässlichkeit der Superrechner dramatisch. Im Gegensatz zu klassischen Bits sind Qubits extrem empfindlich gegenüber kleinsten äußeren Störungen. Je mehr Qubits zusammengeschaltet werden, desto anfälliger wird das Gesamtsystem für Fehlsignale und Dekohärenz.

Um einen verlässlich arbeitenden, hochskalierbaren Quantencomputer zu realisieren, werden weltweit verschiedene technologische Ansätze konkurrierend verfolgt. Neben supraleitenden Schaltkreisen und neutralen Atomen gehören Ionenfallen-Qubits zu den am weitesten entwickelten Konzepten. Bei dieser Methode werden einzelne Atome ihrer Außenelektronen beraubt, also ionisiert, und durch elektromagnetische Felder berührungslos in sogenannten Fallen isoliert. Diese geladenen Teilchen lassen sich mittels Laser steuern. Sie zeichnen sich durch vergleichsweise geringe Fehlerraten aus.

Schwierige Skalierbarkeit

Allerdings galt diese Bauweise lange Zeit als schwer skalierbar. Um komplexe Berechnungen durchzuführen, müssen sehr viele Qubits miteinander interagieren. Ordnete man die Ionen früher starr in einer Reihe an, funktionierte die Kommunikation zwischen benachbarten Teilchen zwar gut, bei weit voneinander entfernt liegenden Ionen kam es jedoch zu Informationsverlusten. Mit steigender Systemgröße versagte die Kopplung zunehmend.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Stadt Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (m/w/d) Stadtplanung, Geographie oder vergleichbar Stadt Köln
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)-Firmenlogo
Architektin / Architekt bzw. Ingenieurin / Ingenieur (w/m/d) als Referentin / Referent für Öffentliches Baurecht Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Vergabeingenieur (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
verschiedene Standorte Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau/ Brückenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
A.S.T. Angewandte System Technik GmbH Energie & Umwelttechnik-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik / Energietechniker (w/m/d) A.S.T. Angewandte System Technik GmbH Energie & Umwelttechnik
Wolnzach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenplanung und Straßenentwurf - Außenstelle Netphen (nahe Siegen) Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur (w/m/d) der Elektrotechnik für die Museumsinsel Berlin Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
hyjoin GmbH-Firmenlogo
Senior Design Engineer - Sondermaschinen- und Anlagenbau (gn) hyjoin GmbH
München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
Ingenieurbüro IBH Zaehle & Buse | Beratende Ingenieure PartG mbB-Firmenlogo
Fachplaner Versorgungstechnik / HKLS / TGA (m/w/d) Ingenieurbüro IBH Zaehle & Buse | Beratende Ingenieure PartG mbB
Karlsruhe Zum Job 
Freie Universität Berlin-Firmenlogo
Ingenieur*in für Elektrotechnik (w/m/d) Freie Universität Berlin
Freie Universität Berlin-Firmenlogo
Projektleitung Hochbau (w/m/d) Freie Universität Berlin
Stadt Sindelfingen-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) im Bereich öffentliche Gewässer Stadt Sindelfingen
Sindelfingen Zum Job 
BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung-Firmenlogo
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d) der Fachrichtung Chemie, Physik, Bauingenieurwesen, Mineralogie, Materialwissenschaften oder vergleichbar BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
Lederer GmbH-Firmenlogo
Mitarbeiter m/w/d für den Bereich Technischer Support Lederer GmbH
Ennepetal Zum Job 
Ingenieurbüro Fast und Partner-Firmenlogo
Ingenieur/in für Straßen- und Tiefbau (m/w/d) Ingenieurbüro Fast und Partner
Mannheim Zum Job 
Stadt Nürnberg-Firmenlogo
Ingenieur/in (FH) / Bachelor (w/m/d) Architektur / Bauingenieurwesen (Hoch- / Tiefbau) im Bereich Bunker- / Zivilschutz- und Kanalanlagen Stadt Nürnberg
Nürnberg Zum Job 
ELAC SONAR GmbH-Firmenlogo
Electronical Engineer / Elektroingenieur (m/w/d) ELAC SONAR GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Verkehrszentrale und Telematik Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg-Fischbach Zum Job 

Ionen bewegen sich wie Zugwaggons

Ein architektonischer Fortschritt verschafft der Ionenfallen-Technologie nun wieder Aufwind. Einem Forschungsteam des US-Unternehmens Quantinuum ist es in Zusammenarbeit mit den Sandia National Laboratories gelungen, einen Ionenfallen-Prozessor namens Helios auf nahezu 100 Qubits zu skalieren. Genutzt wird dabei die sogenannte Quantum-Charge-Coupled-Device-Architektur (QCCD). Hierbei sind die Qubits nicht starr fixiert, sondern auf flexible Zonen verteilt. Die Ionen bewegen sich wie Eisenbahnwaggons auf Schienen zwischen Speicher-, Vorbereitungs- und Rechenbereichen. Indem sie physisch zueinander transportiert werden, können sie direkt interagieren, ohne dass Signale über fehleranfällige Distanzen übertragen werden müssen. Der neu vorgestellte Prozessor arbeitet mit 98 Bariumionen und erreicht eine Verlässlichkeit bei einzelnen Rechenoperationen von über 99,9 Prozent, was die Skalierbarkeit dieses Ansatzes eindrucksvoll beweist.

Wichtige Abschirmung und tiefe Kühlung 

Diese Methode bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Durch das ständige Verschieben der Ionen erwärmen sich die Teilchen. Nach jedem Transportschritt müssen sie daher erneut heruntergekühlt werden, was wertvolle Prozesszeit in Anspruch nimmt. Eine optimale Abschirmung und Kühlung ist für die Stabilität der flüchtigen Quantenzustände zwingend erforderlich. Um Fehlereinflüsse zu minimieren, werden die Systeme im Hochvakuum bei kryogenen Temperaturen betrieben – oft nur knapp über dem absoluten Nullpunkt bei unter 10 Kelvin (minus 263 Grad Celsius).

Genau an diesem kritischen Punkt setzen Forschungsaktivitäten an der Technischen Universität Chemnitz an. Mit der Errichtung des neuen Speziallabors „Cryo-Lab for Materials and Electronics Packaging Chemnitz“ (CRYME) wurde eine neue Infrastruktur geschaffen. Materialien, Komponenten und elektronische Systeme für Quantencomputer werden hier unter extremen Tiefsttemperaturen untersucht. Betrieben wird das Labor gemeinsam von der TU Chemnitz und dem Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (ENAS) im Rahmen des European Test and Reliability Center (ETRC).

TU Chemnitz forscht unter Extrembedingungen

Die Arbeiten in Chemnitz adressieren ein zentrales Nadelöhr der Technologie. Da Ionenfallen-Systeme in Forschung und Industrie vor allem hinsichtlich ihrer Miniaturisierung auf großes Interesse stoßen, werden neuartige Ansätze für die heterogene Systemintegration benötigt. Die verbauten Materialien müssen extremen thermomechanischen Belastungen standhalten, wenn sie von Raumtemperatur auf kryogene Bedingungen abgekühlt werden. Mithilfe spezieller Kryostate, kryogener Materialprüfsysteme und eines Rasterelektronenmikroskops analysieren die Forschenden das Verhalten von Werkstoffen unter diesen Extrembedingungen.

Diese technologische Kompetenz fügt sich direkt in die strategischen Ziele des europäischen „Chips Act“ ein, der die technologische Souveränität Europas im Bereich der Halbleiter- und Mikroelektronikstärkung zum Ziel hat. Durch die Bündelung der Kräfte am Mikroelektronik-Standort Chemnitz soll die Lücke zwischen akademischer Grundlagenforschung und industrieller Anwendung geschlossen werden. Das Interesse der Industrie an Messungen unter kryogenen Bedingungen unterstreicht die Relevanz dieser Entwicklungen.

Quantencomputer-Wettlauf weiter offen

Der jüngste Skalierungserfolg in den USA und die materialtechnologischen Fortschritte in Deutschland verdeutlichen, dass der Wettlauf um den praxistauglichen Quantencomputer nach wie vor offen ist. Obwohl bis zu den voraussichtlich benötigten Hunderttausenden oder Millionen fehlerkorrigierten Qubits noch ein weiter Weg liegt, zeigen die Entwicklungen rund um die QCCD-Architektur und die kryogene Systemintegration, dass Ionenfallen-Systeme ein starker Anwärter für weitere Fortschritte im Feld der Quanteninformatik bleiben.

Ein Beitrag von:

  • Folker Lück

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.