Bau des Gerätes beginnt 02.07.2015, 11:39 Uhr

Radar Gestra identifiziert 720.000 gefährliche Trümmer

Der Bau einer 25 Millionen Euro teuren Anlage, die Gefahren für wichtige Satelliten verringern soll, hat in Wachtberg bei Bonn begonnen. In einer Höhe von 800 Kilometern ist die Kollisionsgefahr mit Weltraumschrott am größten.

Die künstlerische Darstellung zeigt die rund 700.000 Objekte mit einer Größe von mindestens 1 cm Durchmesser, die durchs All fliegen. Rund 20.000 Teile – vornehmlich größer als 10 cm – sind katalogisiert. 

Die künstlerische Darstellung zeigt die rund 700.000 Objekte mit einer Größe von mindestens 1 cm Durchmesser, die durchs All fliegen. Rund 20.000 Teile – vornehmlich größer als 10 cm – sind katalogisiert. 

Foto: TU Braunschschweig

Tausende Satelliten kreisen im Weltraum. Dazu kommen 20.000 Trümmerteile, die größer sind als zehn Zentimeter, sowie 700.000, die wenigstens einen Zentimeter messen. Sie rasen mit einer Geschwindigkeit von typischerweise 25.000 Kilometern pro Stunde durchs All.

Die Zahl der Trümmer steigt ständig

Dass es dennoch selten folgenschwere Kollisionen gibt grenzt an ein Wunder. Auf derart überirdisches will sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nicht dauerhaft verlassen. Es lässt von Ingenieuren des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) in Wachtberg bei Bonn ein gewaltiges Radargerät bauen, das Trümmer vor allem im erdnahen Bereich, also in einer Höhe von bis zu 800 Kilometern erfasst. Dort ist die Zahl der Trümmer und Satelliten besonders groß. Und sie wächst ständig, weil häufig Trümmer zusammenprallen. Letztlich würde Raumfahrt wegen des hohen Risikos unmöglich.

„Unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind von weltraumgestützten Diensten zur Navigation, Kommunikation und Erdbeobachtung abhängig. Um die Sicherheit der Satelliten zu gewährleisten, müssen wir wissen, was im Weltraum passiert“, sagt Andreas Brenner vom FHR. Das Radarsystem, das in zwei Containern aufgebaut wird, erfasst die Bahndaten aller Objekte, die in einer Höhe von 300 bis 3000 Kilometern unterwegs sind. Es wird auch beim Eintritt von größeren Objekten in die Erdatmosphäre warnen.

Das Radarsystem wird von DLR und Luftwaffe fernbedient

Die Anlage besteht aus zwei Elementen, einem Sender und einem Empfänger. Verglichen mit Radaranlagen, die die Geschwindigkeit von Autos messen, ist der Weltraumbeobachter gigantisch groß. Mit Hilfe einer schnell schwenkbaren Antenne sendet er gleichzeitig zahlreiche Radarstrahlen ins All. Der ebenfalls multitaskingfähige Empfänger registriert gleichzeitig eine Vielzahl von Signalen, die Trümmerteile und funktionierende Satelliten reflektieren. Die Einzelstrahlen lassen sich relativ scharf bündeln, um einzelne Objekte zu verfolgen. Um möglichst viele gleichzeitig zu erfassen können sie auch breit gefächert ausgestrahlt werden. Wenn ein Satellit und ein Trümmerteil auf Kollisionskurs sind lässt sich die Bahn des Satelliten oft kurzfristig korrigieren.

Sowohl die Sende- als auch die Empfangsantenne des im Bau befindlichen mobilen Radars lassen sich vollständig einfahren.

Sowohl die Sende- als auch die Empfangsantenne des im Bau befindlichen mobilen Radars lassen sich vollständig einfahren.

Foto: Fraunhofer FHR

Die Antennen lassen sich komplett einfahren. Damit wird die Anlage mobil. Lkw oder Flugzeuge können sie zu beliebigen Zielen transportieren. Wo die Container aufgestellt werden ist ein Geheimnis. Die Anlage namens Gestra, kurz für German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar, wird vom Weltraumlagezentrum in Uedem am Niederrhein aus ferngesteuert. Das ist eine Gemeinschaftseinrichtung von DLR und Luftwaffe. 2018 soll der Messbetrieb beginnen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert Gestra vier Jahre lang mit insgesamt 25 Millionen Euro.

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