Satelliten 17.06.2011, 19:54 Uhr

Breitband aus dem All: Mit dem Ka-Sat ins Web

Lange hat es gedauert, bis das Breitbandinternet aus dem All hoffähig wurde. In Europa bieten Astra und Eutelsat-Tochter Skylogic solche Dienste an. In den USA hat Wildblue gut 500 000 Nutzer und Downlink-Datenraten bis 1,5 Mbit/s. Eutelsats Ka-Sat kann es besser, er kommt mit bis 10 Mbit/s zum Nutzer daher. Am nächsten, noch leistungsfähigeren Satellitensystem wird bereits gearbeitet.

Gerade mal 14 Tage im Amt und schon hat der frischgebackene Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Thema Breitbandinternet auf der Tagesordnung. Am 31. Mai startete er im Stuttgarter Landtag zeitgleich mit Politikern und Betreiber-Repräsentanten in Paris, Rom, Dublin, London, Madrid und Warschau den Breitbanddienst Tooway über Eutelsats Satelliten Ka-Sat.

Bei diesem Dienst laufen Up- und Downlink über eine 77 cm große Satellitenschüssel. Die wird auf 9° Ost ausgerichtet und bietet den Zugang zu echtem Tripleplay – Internet, Telefonie und Fernsehen (Letzteres über Eutelsat und Astra).

„Das schnelle Internet ist der ICE und die E-Autobahn des Informationszeitalters, und diese Datenautobahnen gehören einfach zum wirtschaftlichen Erfolg“, sagte Kretschmann. Lob auch für die Vorgängerregierungen: „2007 wurde die Breitbandinitiative für den ländlichen Raum mit einem ganzen Maßnahmenbündel ins Leben gerufen. Deshalb sind wir beim Ausbau der Breitbandversorgung im ländlichen Raum im bundesweiten Vergleich sehr gut aufgestellt. Allerdings – es gibt noch weiße Flecken.“

Zur Tilgung würde auch der Ka-Sat eingesetzt – als Teil eines Technologiemix. „Der Breitbanddienst Tooway sorgt dafür, dass vielerorts auf den Aufbau von ortsgebundenen Infrastrukturen verzichtet und Kosten beim unnötigen Ressourcenverbrauch vermieden werden können“, betonte Kretschmann.

Dabei hat Baden-Württemberg bereits heute die nationale und europäische Zielvorgabe übertroffen. „Technisch stehen für mehr als 75 % der Haushalte 100 Mbit/s über moderne Fernsehkabel mit Glasfaserbackbone zur Verfügung“, erklärte Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg. „Der Satellit ergänzt die bestehende und weiter auszubauende Infrastruktur von Glasfaser, Breitbandkabel, Telefonkabel und terrestrischen Funknetzen.“

Die Datenraten des Ka-Sat-Dienstes könnten sich sehen lassen: im Downlink bis zu 10 Mbit/s und im Uplink bis zu 4 Mbit/s. „Ein Fortschritt, der für Privatleute, kleinere Betriebe und Heimarbeitsplätze erhebliche Verbesserungen mit sich bringt“, so Langheinrich.

Laut Breitbandatlas 9/2010 liegt Baden-Württemberg übrigens nach NRW, Schleswig-Holstein und dem Saarland auf Platz 4 der Breitbandversorgung mit mindestens 1 Mbit/s. So seien in Deutschland noch 770 000 Haushalte breitbandtechnisch unterversorgt, berichtete Volker Steiner, Geschäftsführer von Eutelsat Deutschland, während der Einschaltfeier, in Europa gar über 13 Mio. 2 Mio. davon könnte Eutelsat demnächst europaweit versorgen, knapp 200 000 allein in Deutschland.

Eutelsats Ka-Sat zaubert 22 runde Spots auf Europa und den Mittelmeerraum, alle mit einem Durchmesser von 250 km. Für Deutschland gibt es acht Bedeckungskreise, neun für Frankreich und zehn für Italien. Jede dieser Abdeckungen reicht für 24 000 Teilnehmer. Und die dürften kaum einen Unterschied zu einer DSL-Anbindung spüren. Nur bei Powergamern machen sich die 600 ms Zeitverzögerung – einmal Ka-Sat und zurück – bemerkbar.

Professionelle Nutzer können spezielle breitbandige Daten- und Videodienste buchen, selbst Satellite News Gathering für Videojournalisten ist möglich – nur sollte das Aufstellen der Antenne vorher geprobt sein. Regionales Fernsehen kann über Ka-Sat auch geboten werden – die Spots sind ja begrenzt. Selbst mobilen Empfang lässt das System zu – freilich mit automatisch nachführbaren Antennen. Die Anbindung ans irdische Internet erfolgt über zehn Gateways in Europa, darunter auch Berlin.

Ohne die baden-württembergische Hightechfirma Tesat aus Backnang und die EADS-Tochter Astrium in Lampolds-
hausen bzw. Friedrichshafen gäbe es keinen Ka-Sat. Sein Name entstammt dem genutzten Frequenzband, dem Ka-Band zwischen 17,7 GHz bis 21,2 GHz (down) und 27,5 GHz bis 31 GHz (up).

Für das Gesamtsystem investierte Eutelsat über 350 Mio. €. Für die Anschaffung des Equipments, also Antenne plus Modem, müssen Breitbandhungrige mit bis zu 400 € rechnen – und für den Dienst dann pro Tag rund 1 €, also 30 € im Monat, erläuterte Steiner. Wer mehr zahlt, bekommt auch mehr – bis 50 Mbit/s im Down- und 20 Mbit/s im Uplink, wenn es nötig ist. Allerdings muss dann die Schüssel 120 cm groß sein. Doch das ist keine Angelegenheit für den Schwarzwaldhof, sondern wohl eher für ein Tagungshotel fernab der Zivilisation. RAINER BÜCKEN

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