Radar erfasst Flugzeuge 08.04.2015, 12:45 Uhr

Warnlichter in Windparks können jetzt während der Nacht dunkel bleiben

In Nordfriesland arbeitet der erste Windpark, dessen roten Warnleuchten nachts abgeschaltet werden. Eine Radaranlage sorgt dafür, dass die Blinklichter, die Kollisionen verhindern sollen, nur eingeschaltet werden, wenn sich ein Flugobjekt nähert. 

Ein Flugzeug über dem Windpark Langenhorn, der als erster Windpark Deutschlands mit dem System Airspex ausgestattet wurde. Eine Radarantenne ist am Turm der Windenergieanlage zu sehen.

Ein Flugzeug über dem Windpark Langenhorn, der als erster Windpark Deutschlands mit dem System Airspex ausgestattet wurde. Eine Radarantenne ist am Turm der Windenergieanlage zu sehen.

Foto: Enertrag

Sie blinken die ganze Nacht durch. Immer wieder. Im Sekundenabstand. Rote Blinklichter, die tieffliegende Flugzeuge und Hubschrauber vor Windkraftanlagen warnen. Das, was Anwohner nerven kann, ist in Langenhorn seit ein paar Tagen kein Thema mehr.

Blinklichter werden nachts abgeschaltet

Die Nachbarn des Windparks „Langenhorn I“ in Nordfriesland stört nämlich kein Blinklicht mehr. Nach einer ausführlichen Testphase ging jetzt Airspex offiziell in Betrieb. Das ist eine Rundumüberwachungsanlage, die per Radar Flugobjekte in einer Höhe von bis zu 500 Metern ortet, die Kurs auf den Windpark nehmen. Nur dann wird die Warnbefeuerung eingeschaltet.

Warnsystem wurde von Airbus entwickelt

Kürzlich erhielt das System, das der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus gemeinsam mit dem brandenburgischen Energieunternehmen Enertrag entwickelt hat, von der Deutschen Flugsicherung die Zulassung. Airbus steuerte einen Radarsensor namens Spexer 500 bei, der speziell für das Erkennen von Bodenbewegungen und tief fliegenden Flugzeugen entwickelt worden ist. Er erfasst Flugzeuge, Hubschrauber und sogar Heißluftballons, wenn diese tatsächlich mal in der Dunkelheit unterwegs sind.

Servicemitarbeiter des Energieversorgers Enertrag montieren im Windpark Langenhorn den zweiten Spannring, an dem eines der Radarsysteme befestigt werden soll. Das System schaltet die roten Warnleuchten nur ein, wenn sich ein Flugzeug nähert.

Servicemitarbeiter des Energieversorgers Enertrag montieren im Windpark Langenhorn den zweiten Spannring, an dem eines der Radarsysteme befestigt werden soll. Das System schaltet die roten Warnleuchten nur ein, wenn sich ein Flugzeug nähert.

Quelle: Enertrag

Langenhorn I ist einer von drei Standorten des Windparks Langenhorn-Ockholm. Sechs Generatoren sind mit der Airspex-Anlage ausgestattet. Die übrigen 17 Windmühlen sollen bis Herbst 2015 ebenfalls nachgerüstet werden.

„Die bedarfsgerechte Befeuerung trägt den Bedürfnissen der Anwohner Rechnung und sorgt so für einen schonenden Ausbau der Windenergie“, sagt Ingrid Nestle, Staatssekretärin im Ministerium für Energiewende, Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume in Schleswig-Holstein.

Größter Windgenerator kommt auf 198,5 Meter

Tatsächlich besteht Handlungsbedarf, denn die Windkraftanlagen werden immer höher. So kommt das Flaggschiff des größten deutschen Windenergieanlagen-Herstellers Enercon im ostfriesischen Aurich bei einer Leistung von 7,6 Megawatt auf eine Höhe von 198,5 Meter, gemessen vom Boden bis zur Blattspitze. Zum Vergleich: Die beeindruckenden Türme des Kölner Doms sind 157 Meter hoch.

Die schleswig-holsteinische Staatssekretärin Ingrid Nestle (l.) und Manager des Energieversorgers Enertrag haben das neue Befeuerungssystem im Windpark Ockholm-Langenhorn in Betrieb genommen.

Die schleswig-holsteinische Staatssekretärin Ingrid Nestle (l.) und Manager des Energieversorgers Enertrag haben das neue Befeuerungssystem im Windpark Ockholm-Langenhorn in Betrieb genommen.

Quelle: Enertrag

Bei diesen enormen Höhen ist die Befeuerung entsprechend weit zu sehen. Sie kann nicht nur belästigen, sondern auch das Landschaftsbild verändern. Die neue Radartechnik kann da für erhebliche Entlastung sorgen. Nach den Erfahrungen während der Testphase in Langenhorn-Ockholm sind die Warnlichter während 98 Prozent der Betriebszeit ausgeschaltet. Die Himmel bleibt also wieder dunkel. Fast die ganze Nacht. 

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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