Logistiksystem namens ALIS 02.05.2015, 11:59 Uhr

US-Kampfflugzeug F-35 bestellt selbstständig Ersatzteile

Viel schneller wieder einsatzbereit sein soll die F-35: Das Kampfflugzeug von Lockheed Martin hat ALIS an Bord – ein Logistiksystem, das Ersatzteile automatisch nachbestellt. 

F-35B beim Start: Nach jedem Einsatz müssen Experten das Kampfflugzeug überprüfen. Das automatische Logistiksystem soll ihnen dabei helfen und Zeit einsparen. 

F-35B beim Start: Nach jedem Einsatz müssen Experten das Kampfflugzeug überprüfen. Das automatische Logistiksystem soll ihnen dabei helfen und Zeit einsparen. 

Foto: Lockheed Martin

Kampfflugzeuge sind sehr wartungsbedürftig: De facto müssen die wichtigsten Systeme und Komponenten nach jedem einzelnen Einsatz eingehend überprüft und vielfach überholt oder manchmal auch ersetzt werden. Diese langwierigen Vorgänge soll nun ein neues System des amerikanischen Verteidigungsministeriums beschleunigen.

Der Flugzeugproduzent Lockheed Martin wird zukünftig alle US-Teilstreitkräfte mit drei Versionen des Kampfflugzeugs F-35 ausstatten. Das Pentagon hatte aber sehr schnell erkannt, dass Wartung und Ersatzteilbeschaffung für dieses Flugzeug infolge seiner Komplexität nicht mehr nach herkömmlichem Muster zu bewältigen sind. Es gab daher die Entwicklungsarbeiten für das Autonomic Logistics Information System (ALIS) in Auftrag – ein selbständig arbeitendes logistisches Informationssystem.

ALIS bestellt automatisch Ersatzteile

ALIS arbeitet mit Informationen, die vom fliegenden Flugzeug während seiner gesamten Einsatzdauer an eine Bodenstation übermittelt werden. Auf der Basis all dieser Daten überprüft die Bodenstation voll automatisiert sämtliche Bordsysteme und Komponenten auf Fehlfunktionen. Aus dieser Überprüfung gehen nicht nur die genauen Wartungsanweisungen an das Bodenpersonal hervor, sondern auch die Listen der benötigten Ersatzteile, die das System automatisch und rechtzeitig nachbestellt. Von ALIS verspricht sich das Pentagon unter anderem eine deutliche Verschlankung der Ersatzteilbestände und zugleich eine Beschleunigung der Ersatzteilbestellung und -lieferung.

Die F-35B kann senkrecht starten und landen. Zukünftig soll das Flugzeug bei allen US-Teilstreitkräften zum Einsatz kommen. 

Die F-35B kann senkrecht starten und landen. Zukünftig soll das Flugzeug bei allen US-Teilstreitkräften zum Einsatz kommen.

Quelle: Lockheed Martin

ALIS umfasst mehr als fünf Millionen Zeilen Softwarecodes. Beim Schreiben dieser Software hatten sich zunächst zahlreiche Fehler eingeschlichen, die bei Aufnahme der Flugerprobung der F-35 dazu führten, dass bis zu 80 Prozent der Wartungsanweisungen und Ersatzteilaufträge schlichtweg falsch waren. Dabei wurden meist wesentlich mehr Arbeiten in Auftrag gegeben als in Wirklichkeit erforderlich waren.

Nicht weniger gravierend war der Nachteil, dass die Datenverarbeitungsanlagen für ALIS einschließlich der Drucksysteme so umfangreich geworden waren, dass sie auf kleineren Kriegsschiffen nicht mehr unterzubringen waren. Das galt insbesondere für das Assault- oder Landungsschiff USS Wasp, das die maritime Version der F-35, die F-35 B, zu testen hatte.

In drei Monaten soll ALIS einsatzbereit sein

Noch in diesem Sommer soll und muss ALIS aber einsatzbereit sein. Der Zeitpunkt ist für das Pentagon insofern von erheblicher Bedeutung, als dann nämlich das US Marine Corps als erste Teilstreitkraft eine F-35 Einheit aus der Erprobung in den normalen Truppendienst überführt und dazu auf ein voll funktionierendes ALIS angewiesen ist. Wie das Pentagon bestätigt, gehört zu dieser endgültigen Version auch eine vom Raum- und Gewichtsumfang her deutlich reduzierte Daten- und Ausdruckeinheit.

Die U.S. Navy hat übrigens einmal errechnet, dass die ausgedruckten Betriebshandbücher für einen einfachen Zerstörer ein Gewicht von 17 Tonnen haben. Je komplexer die Waffensysteme werden, desto höher wird auch der unumgängliche Überprüfungsaufwand.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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