Nachhaltige Nutzung 04.12.2013, 07:00 Uhr

Gülle wird zu Biogas und umweltschonendem Dünger

Nachdem Gülle zu Biogas vergärt ist, sollen aus den Resten Nährstoffe für schadstoffarme Dünger gewonnen werden. Mit dieser Mehrfachnutzung will ein internationales Forschungsprojekt dem Problem der Grundwasserbelastung entgegenwirken.

In einem neuen Fermentationsverfahren für Biogasanlagen sollen zukünftig neben Biogas nur noch Wasser und ein geringer Anteil unbedenklicher Feststoffe als Gärrest zurückbleiben. Dieser wiederum liefert Nährstoffe für die umweltschonende Düngerproduktion. 

In einem neuen Fermentationsverfahren für Biogasanlagen sollen zukünftig neben Biogas nur noch Wasser und ein geringer Anteil unbedenklicher Feststoffe als Gärrest zurückbleiben. Dieser wiederum liefert Nährstoffe für die umweltschonende Düngerproduktion. 

Foto: dpa/Jan Woitas

In der europäischen Landwirtschaft produzieren Nutztiere jedes Jahr 1,27 Milliarden Tonnen Gülle. Damit ließen sich rund 500.000 Schwimmbecken füllen. Ein Großteil kommt traditionell direkt als Dünger für die Felder zum Einsatz. Oft wollen Landwirte das Gemisch aus Kot und Urin loswerden und überdüngen große Flächen.

Das hat Nachteile: So enthält das Gemisch Krankheitserreger und Arzneirückstände, die wichtige Stoffe wie Nitrat aus dem Boden waschen und das Grundwasser belasten. Deswegen stellen Wissenschaftler die Gülle im Rahmen des Projektes ManureEcoMine in einen ganz anderen Zusammenhang: Sie soll zukünftig zum Energielieferanten werden und Nährstoffe für umweltschonende Düngemittel liefern.

Pilotanlagen in Spanien und den Niederlanden

Das Prinzip der Biogasanlage ist dabei im Grunde ein altbewährtes Verfahren. Doch die Forscher erhoffen sich, den Prozess der Fermentation jetzt noch umweltfreundlicher zu gestalten. Nachdem organische Stoffe der Gülle enzymatisch umgewandelt sind, sollen nur noch Wasser und ein geringer Anteil unbedenklicher Feststoffe übrig bleiben.

„Das Projekt erfüllt Prinzipien der Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Energieeffizienz“, erklärt Dr. Nicolai Jablonowski vom Forschungszentrum Jülich. Derzeit stellen die Projektpartner Pilotanlagen in Spanien und den Niederlanden auf, die unter Obhut der belgischen Universität Gent in naher Zukunft mit der Fermentation beginnen sollen.

Gärreste für die Dünger-Forschung

Der neue Verwertungsprozess soll aber nicht nur Biogas erzeugen. Aus dem so genannten Gärrest, das ist der trockene Rückstand nach der Fermentation, wollen die Wissenschaftler wichtige Nährstoffe für die Düngerproduktion abtrennen. Dazu zählen Phosphor, dessen natürliches Vorkommen begrenzt ist, Kalium und andere Mineralstoffe.

Ein belgisches Partnerunternehmen wird die Nährstoffe im nächsten Schritt zu unterschiedlichen Düngern verarbeiten. Jülicher Pflanzenforscher sollen diese Mischungen schließlich im Gewächshaus und auf freiem Feld testen. Dabei hoffen sie herauszufinden, wie der ideale Dünger beschaffen sein muss, der Nahrungs- und Zierpflanzen optimal mit Nährstoffen versorgt und gleichzeitig wirtschaftlich und umweltschonend ist.

Nitratbelastung des Grundwassers wird zum Problem

Ein Blick in den aktuellen NRW-Umweltbericht bietet Grund zur Besorgnis: Darin heißt es, dass rund 40 Prozent der Grundwasserkörper derzeit keinen guten chemischen Zustand haben, zu hoch sei die Nitratbelastung. Und Nitrat steht im Verdacht, sich im Magen zu krebserregenden Nitrosaminen umzuwandeln.

Zwar müsste sich der Verbraucher keine Sorge um sein Trinkwasser machen, sagte Peter Neumann vom Essener Landesamt für Verbraucherschutz (LANUV) im Gespräch mit dem WDR. Doch das Problem der Überdüngung in der Landwirtschaft müsse angegangen werden. „Im Moment wird relativ wenig mit dem Ordnungsrecht gearbeitet, was die Maßnahmen angeht. Es geht mehr auf freiwilliger Basis und Beratung.“ Mit den bisherigen Mitteln seien Fortschritte eher zaghaft. „Vielleicht könnte man mit drastischeren Maßnahmen mehr erreichen.“ 

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