Blockchain und Co. 19.05.2021, 07:00 Uhr

Kryptowährung Chia: Das steckt hinter dem Festplatten-Hype

Das Schürfen von Bitcoin und Co. hat handfeste Auswirkungen. Jetzt bereitet die neue Kryptowährung Chia manchen Beobachtern Sorge.

Das Schürfen von Bitcoins und Co. ist energieintensiv. Die neue Kryptowährung Chia soll stromsparend sein - sorgt aber für einen anderen Effekt. Foto: Panthermedia.net/IgorVetushko

Das Schürfen von Bitcoins und Co. ist energieintensiv. Die neue Kryptowährung Chia soll stromsparend sein - sorgt aber für einen anderen Effekt.

Foto: Panthermedia.net/IgorVetushko

Kryptowährungen per se sind eher abstraktes Gebilde – und haben doch immer wieder sehr konkrete und greifbare Auswirkungen. Zuletzt sorgte etwa die Auktion eines NFT-Kunstwerks für einen ungeahnten Digitalkunst-Boom. Und der enorme Preisanstieg der Kryptowährung Bitcoin ließ Grafikkarten plötzlich teurer werden: Wochenlang waren bestimmte 3D-Grafikkarten von Anbietern wie Nvidia oder AMD sogar kaum noch erhältlich. Neben coronabedingten Produktions- und Lieferschwierigkeiten war einer der Hauptgründe dafür: das Mining von Kryptowährung.

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Denn professionelle Miner nutzten die hohe Rechenleistung von Geforce- oder Radeon-Grafikkarten, um die Kryptowährung effizienter schürfen zu können. Jetzt wirkt sich der Krypto-Boom auf eine andere PC-Hardware-Komponente aus: Festplatten. Dafür sorgt vor allem der Hype um die neue Kryptowährung Chia. Die setzt nicht auf Rechenleistung, sondern auf Speicherplatz.

Was ist die Kryptowährung Chia?

Laut dem eigenen Internetauftritt ist Chia eine Entwicklung des Programmierers Bram Cohen. Den Namen kennen Brancheninteressierte: Cohen ist auch der Erfinder der Filesharing-Technologie BitTorrent.

Die Grundidee der Kryptowährung Chia: Sie soll stromsparender und damit umweltfreundlicher sein als die etablierten Währungen wie Bitcoin oder Ethereum. Denn für das Mining dieser Währungen werden viele Hochleistungsrechner Tag und Nacht betrieben. Professionelle Miner schürfen in Ländern, in denen Strompreise besonders niedrig sind, unter anderem weil dort CO2-Emissionen nicht eingepreist werden. Der Strom ist dort also alles andere als grün – und das Mining im großen Stil wird zum Umweltproblem.

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Chia indes nutzt laut den Entwicklern einen neuen Konsensalgorithmus im Nakamoto-Stil, der nicht auf den besonders energieintensiven Proof of Work setzt, sondern auf eine Kombination von Zeit und Speicherkapazität. Das Minen von Coins verbraucht demnach weniger Strom als beim Schürfen von Bitcoin oder Ethereum.

Ganz neu ist die Idee, den Faktor Speicherkapazität bei einer Kryptowährung zu benutzen nicht. Die Währung Burst Coin nutzt mit dem sogenannten Proof of Capacity ein ähnliches Verfahren schon seit Jahren – ebenfalls mit dem Anspruch, umweltfreundlicher zu sein als andere Kryptowährungen.

Was ist Proof of Work (PoW) bei Bitcoin und Co.?

Proof of Work ist ein Konsensmechanismus, der für die Generierung neuer Blöcke einer Blockchain genutzt wird. das Prinzip: Miner müssen eine komplexe Aufgabe mithilfe ihrer Computerhardware lösen. Wer die Aufgabe für einen neuen Block zuerst löst, kann diesen an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung – zum Beispiel eine bestimmte Menge Bitcoins.

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Das Prinzip Proof of Work soll zudem für Validierung aller neuen Transaktionen sorgen: Wer die komplexe Aufgabe mithilfe seiner Hardware gelöst hat, weist damit im Netzwerk seine Arbeitsleistung nach. Aus der Lösung beziehungsweise dem neuen Block des Miners wird wiederum ein Hash generiert und vom Netzwerk geprüft. Wird er für gültig befunden, kann der Block an die Blockchain gehängt werden – andernfalls „passt“ er nicht an die Kette.

Je mehr Nutzer schürfen und je mehr Rechenleistung dabei zum Einsatz kommt, desto größer wird die Komplexität der Aufgabe – die Generierung neuer Blöcke dauert so immer länger, weshalb die Miner noch mehr Rechenleistung einsetzen.

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Die Chia-Kryptowährung setzt hingegen auf Proof of Space und Proof of Time.

Was ist Proof of Space und Proof of Elapsed Time bei der Kryptowährung Chia?

Chia nutzt eine Kombination aus Proof of Space (PoS) und Proof of elapsed Time (PoeT):

  • Beim Konsensalgorithmus Proof of Elapsed Time wird für jeden Knoten innerhalb des Netzwerks eine zufällige Zeitspanne gewählt. Diese Zeitspanne muss der Nutzer schlicht abwarten. Der Knoten beziehungsweise Nutzer mit der kürzeren Wartezeit generiert den neuen Block, darf ihn der Blockchain anhängen – und erhält die Belohnung in Form von Coins.
  • Beim Proof of Space wiederum wird nicht verwendeter Festplattenspeicher als Speicherplatz zugewiesen. Um den Nachweis über des benötigten Speicherplatzes zu erbringen, müssen die Nutzer eine Software installieren, die eine Sammlung kryptografischer Nummern auf der Festplatte speichert.

Das System hinter der Kryptowährung dürfte tatsächlich energieschonender sein als das Schürfen von Bitcoins und Co. – hatte allerdings einen bereits spürbaren Effekt auf Festplatten, noch bevor die Kryptowährung noch gar nicht an den Start gegangen ist.

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Werden Festplatten wegen der Kryptowährung teurer?

Derzeit ist das Phänomen vor allem in Asien zu beobachten: Tatsächlich steigt in einigen Ländern die Nachfrage nach Profi-Festplatten, etwa mit Speicherkapazitäten von 18 Terabyte, deutlich an. Erste Anbieter haben gar bereits spezielle Mining-Festplatten angekündigt. Sollte aus dem Hype um Chia mehr werden, ist es durchaus denkbar, dass auch hierzulande die Preise für SSD-Hardware steigt.

Wann kann man Chia kaufen?

Am 3. Mai ist die Kryptowährung an den Start gegangen, seitdem kann sie gehandelt werden. Zu Beginn befanden sich Datenträger mit einer Kapazität von etwa 2,5 Exabyte im Krypto-Netzwerk. Das entspricht ungefähr 155.000 Festplatten mit einer Speicherkapazität von 16 Terabyte.

Wie viel ist Chia wert?

Chia ist angetreten, um dem Bitcoin Konkurrenz zu machen. Anfang Mai ging die neue Währung an den Start. Tatsächlich raste der Wert erst schnell nach oben, stürzte dann aber ab. Inzwischen hat sich Chia bei einem Wert deutlich unter Startpreis eingependelt, was sich aber auch wieder ändern kann.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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