Kooperation mit IBM 05.08.2016, 11:22 Uhr

Dank Supercomputer: Uni Osnabrück sagt Grippewellen voraus

Deutsche Forscher, die den IBM-Supercomputer Watson trainieren? Das ist bislang einmalig. Ihr Ziel: Täglich 500 Millionen Tweets analysieren, um Grippewellen vorherzusagen. 

Das Osnabrücker Team um die Professoren Gordon Pipa und Kai-Uwe Kühnberger setzt den neuen intelligenten Kommilitonen Watson ein, um mit Twitter-Daten Grippewellen vorherzusagen.

Das Osnabrücker Team um die Professoren Gordon Pipa und Kai-Uwe Kühnberger setzt den neuen intelligenten Kommilitonen Watson ein, um mit Twitter-Daten Grippewellen vorherzusagen.

Foto: Universität Osnabrück

Husten, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen: Wenn die Grippewelle losrollt, leiden in Deutschland jedes Jahr Tausende Menschen. Das Problem: Experten können nur mit Sicherheit sagen, dass es jedes Jahr eine Welle gibt. Wann genau sie auftritt und wie sie verläuft, lässt sich hingegen kaum prognostizieren. Forscher des Instituts für Kognitionswissenschaften der Universität Osnabrück ändern das. 

500 Millionen Tweets für Grippewellen-Prognosen

Die Wissenschaftler setzen auf eine gigantische Datenanalyse im Internet. 500 Millionen Beiträge des Nachrichtendienstes Twitter nehmen sie täglich unter die Lupe. 500 Millionen Mal fließt in die Auswertung ein, ob ein User twittert, dass er sich gegen Grippe impfen lässt oder bereits an Symptomen leidet. „Das gibt uns die Möglichkeit, die Entwicklung von Grippewellen vorherzusagen“, erklärt Professor Gordon Pipa. Die Prognose ist beispielsweise für Krankenhäuser vorteilhaft. Sie können frühzeitig für ausreichend Impfstoff sorgen und Patienten besser behandeln.

Bislang einmalig: Deutsche Forscher dürfen Watson trainieren

Wer diese Datenflut auswertet? Niemand Geringerer als der Supercomputer Watson von IBM. „Watson ist ein kognitives System, und deshalb stellt es eine neue Generation von Suchmaschinen dar“, sagt Pipa. „Watson versteht den Inhalt von Nachrichten und geht damit weit über das Suchen von Schlüsselwörtern hinaus.“

Das Institut für Kognitionswissenschaften der Universität Osnabrück ist eine Kooperation mit IBM eingegangen. Die Forscher erhalten Zugriff auf den Supercomputer Watson. Mit ihm wollen sie Grippewellen vorhersagen. 

Das Institut für Kognitionswissenschaften der Universität Osnabrück ist eine Kooperation mit IBM eingegangen. Die Forscher erhalten Zugriff auf den Supercomputer Watson. Mit ihm wollen sie Grippewellen vorhersagen. 

Foto: Universität Osnabrück

Die deutschen Forscher dürfen Watson sogar trainieren und weiterentwickeln – dieses Privileg war bislang keinem anderen deutschen Forscherteam gegönnt. „Das Programm lernt letztendlich aus und vom Dialog mit dem Menschen“, sagte Pipa der Osnabrücker Zeitung. 

IBM ist von der Arbeit der Uni Osnabrück begeistert

IBM zeigt sich von ersten Forschungsergebnissen begeistert. „Mit diesem Watson-System haben unsere Studierenden innerhalb nur eines halben Jahres ein Projekt umgesetzt, das marktrelevant ist und bei IBM zu großer Begeisterung führte“, so Pipa. Das Projekt zeige, dass die Qualität der Forschung am Institut für Kognitionswissenschaften in Osnabrück vergleichbar ist mit der an Eliteuniversitäten in den USA wie Stanford und Berkeley. 

Watson hat technisch einiges auf dem Kasten. Der IBM-Supercomputer ist ein Rechnerverbund aus 90 Power 750 Servern mit 16 Terabyte RAM. Jeder einzelne Server besitzt einen Power7-Prozessor mit acht Kernen und einer Taktung von 3,5 Gigahertz.

Watson von IBM: Der Supercomputer ist ein Rechnerverbund aus 90 Power 750 Servern mit 16 Terabyte RAM. Jeder einzelne Server besitzt einen Power7-Prozessor mit acht Kernen und einer Taktung von 3,5 Gigahertz.

Watson von IBM: Der Supercomputer ist ein Rechnerverbund aus 90 Power 750 Servern mit 16 Terabyte RAM. Jeder einzelne Server besitzt einen Power7-Prozessor mit acht Kernen und einer Taktung von 3,5 Gigahertz.

Foto: IBM

Die eigentliche Besonderheit aber ist: Watson erkennt in der Riesenmenge der täglichen Tweets Trends und Meinungsbilder und lernt bei seinen Analysen ständig dazu. Für zahlende Kundschaft bedeutet das: Der Computer verrät beispielsweise, wie Produkte bei Verbrauchern ankommen und was sie sich als Nächstes wünschen. 

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