MIXED REALITY 23.11.2015, 13:48 Uhr

Im Autohaus der Zukunft gibt es keine Autos mehr – nur Bilder

Ein Autohaus ohne Autos? So ungefähr stellt sich Volvo die Zukunft vor. Angesicht immer mehr Varianten können kleine Autohäuser nicht alle Modelle vor Ort haben. Wie wäre es dann, wenn der Kunde sein Wunschauto virtuell sehen könnte? In allen Details? Daran arbeiten Volvo und Microsoft.

Im Volvo-Autohaus der Zukunft können die Kunden mit Hilfe der Microsoft-Brille HoloLens ihr Wunschauto sehen, die Türen öffnen und auch einen Blick auf die Technik werfen. Volvo hat angekündigt, seine Autohäuser in Schweden damit auszustatten. Vor allem kleine Autohäuser müssen dann nicht mehr alle Fahrzeuge vorhalten.

Im Volvo-Autohaus der Zukunft können die Kunden mit Hilfe der Microsoft-Brille HoloLens ihr Wunschauto sehen, die Türen öffnen und auch einen Blick auf die Technik werfen. Volvo hat angekündigt, seine Autohäuser in Schweden damit auszustatten. Vor allem kleine Autohäuser müssen dann nicht mehr alle Fahrzeuge vorhalten.

Foto: Volvo

Der neue Oberklasse-Volvo S90 wird im kommenden Frühjahr vorgestellt. Doch schon jetzt kann man ihn sehen. Dabei existiert er nur in Form von Bits und Bytes. Die Autobauer aus Schweden haben Microsoft alle Konstruktionsdaten zur Verfügung gestellt. Der Software-Gigant hat sie in seine HoloLens eingespeist, eine Brille mit integriertem Computer und einem Projektor, der holografische Bilder erzeugt, in diesem Fall Ansichten des künftigen S90.

Der Betrachter kann durch Fingerschnippen die Farbe oder die Räder wechseln, in den Motorraum und ins Cockpit schauen, sogar die Bodengruppe allein betrachten und natürlich das ganze Fahrzeug drehen, um es aus allen Blickwinkeln begutachten zu können.

Dem virtuellen Auto unters Blech schauen

Das passt sich in nahezu Echtzeit den Bewegungen des Brillenträgers an. Öffnet er beispielsweise die virtuelle Fahrertür, kann er den Sitz, das Lenkrad und die Armaturen sehen. Geht er näher ran, vergrößert sich beispielsweise das Muster der Sitzbezüge. Die Illusion ist nahezu perfekt, zumal das Bild äußerst scharf ist.

Microsoft und Volvo arbeiten an der virtuellen Darstellung von Autos im Autohaus. Der Kunden soll sich sein Auto nach Wunsch anzeigen lassen.

Microsoft und Volvo arbeiten an der virtuellen Darstellung von Autos im Autohaus. Der Kunden soll sich sein Auto nach Wunsch anzeigen lassen.

Quelle: Volvo

Volvo will die Autohäuser, die die Fahrzeuge der Schweden verkaufen, mit der HoloLens ausstatten. Dann kann selbst der kleinste Händler die komplette Fahrzeugpalette und sämtliche Varianten präsentieren, ohne die teuren Fahrzeuge vorhalten zu müssen.

Die HoloLens kostet 3000 $

Anders als Augmented-Reality-Brillen, die mehrere Hersteller vor allem für Videospieler anbieten, sieht der Nutzer der HoloLens nicht nur die eingespielten Bilder. Er nimmt auch seine Umgebung wahr. Mixed Reality nennt Microsoft das Verfahren. „Mixed Reality hilft dem Kunden dabei, ein Fahrzeug exakt nach seinen Vorstellungen zusammenzustellen, Farben und Felgen zu vergleichen und besondere Eigenschaften, Services und Optionen kennenzulernen“, sagt Björn Annwall, der als Senior Vice President für Verkauf, Marketing und Service zuständig ist.

Im kommenden Sommer soll die HoloLens in den USA und Kanada zum Stückpreis von 3000 $ angeboten werden. Wann Europa an der Reihe ist, verraten die Microsoft-Manager noch nicht. Volvo seinerseits sagt nichts über den Zeitpunkt der Einführung in Autohäusern. Ganz ohne reale Fahrzeuge werden sie dann doch nicht auskommen. Denn die wenigsten Kunden kaufen die Katze im Sack. Die Probefahrt ist einfach unumgänglich.

Ähnliche Ziele verfolgt auch Epson mit seiner Datenbrille Moverio BT-200. In der Brille werden Zusatzinfos nicht als Textfenster, sondern nahtlos in das Gesichtsfeld ihres Trägers eingebunden. So wird die Sicht auf die reale Welt um hilfreiche Zusatzinformationen erweitert. 

Virtuelle Inhalte, eingeblendet ins Gesichtsfeld einer Datenbrille von Epson mit Metaio-Software: Solche virtuellen Inhalte lassen sich nun über eine Datenbrille ins Arbeitsfeld eines Ingenieurs einfügen.

Virtuelle Inhalte, eingeblendet ins Gesichtsfeld einer Datenbrille von Epson mit Metaio-Software: Solche virtuellen Inhalte lassen sich nun über eine Datenbrille ins Arbeitsfeld eines Ingenieurs einfügen.

Quelle: Metaio

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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