Autotest 20.04.2012, 11:58 Uhr

Hybridantrieb von Lexus und Porsche im Vergleich

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Autos mit Hybridantrieb, also solche, bei denen Verbrennungs- und Elektromotor zusammenarbeiten, relativ wenig Kraftstoff verbrauchen. Jedenfalls weniger als gleiche Modelle mit Diesel- oder Benzinmotor. Autokäufer in Deutschland setzen sehr zögerlich auf alternative Antriebe. Doch angesagt sind sie in allen Segmenten, speziell bei SUV und Oberklassefahrzeugen. Ein Vergleich von Hybriden bei Lexus und Porsche zeigt, was sie leisten und was die Technik kostet.

Zwei Hynride im Vergleich: Toyota Lexus versus Porsche Cayenne.

Zwei Hynride im Vergleich: Toyota Lexus versus Porsche Cayenne.

Foto: Toyota

Premiumautos bei Geländewagen und in der Oberklasse haben in Deutschland einen überschaubaren Markt. 2011 erreichten sie laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Marktanteil bei den Neuzulassungen von 11,3 % (360 105 Geländewagen insgesamt) bzw. 0,9 % Oberklasselimousinen (29 730 Einheiten). Der Absatz der hier betrachteten Premiumautos klaffte 2011 in Deutschland weit auseinander: Die Neuzulassungen betrugen nach KBA bei Lexus 717 RX-Geländewagen und 33 LS 600 der Oberklasse gegenüber 6091Porsche Cayenne und 3391 Panamera.

Hybridautos mit einem Anteil von lediglich 0,82 % bei den Neuzulassungen laut KBA im letzten Jahr verdeutlichen, wie wenig Kunden der Mischantrieb in Deutschland fand. Bei Toyota und Lexus lag nach eigenen Angaben der Hybridanteil bei 10 % (Neuzulassungen insgesamt: 83 204 Pkw). Anders als in Deutschland verkaufen sich Hybride bei den hochpreisigen Autos weltweit gut. Beispielsweise setzte Lexus von 2005 bis 2011 global zusammen 229 935 RX 400h und RX 450h ab, selbst von den großen Luxuswagen LS 600h/LS 600h L(ang) waren es von 2006 bis Ende letzten Jahres 26 726 Einheiten.

Zeichen der Zeit erkannt: Porsche Cayenne mit Hybridantrieb

Selbst Sportwagenhersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und beginnen mit der Elektrifizierung ihres Fahrzeugangebots. Nachdem Porsche Anfang 2009 erstmals einen Cayenne mit Dieselmotor anbot, folgte ein Jahr später das Modell mit Hybridantrieb.

Immerhin ist der Porsche-Bestseller, von dem seit seinem Marktauftritt 2002 bis Ende 2011 weltweit mehr als 360 000 Modelle verkauft wurden, prädestiniert für einen Diesel- bzw. Hybridantrieb. In der 2. Generation (Marktstart Februar 2010) fährt der Cayenne mit Mischantrieb seit Juni 2010, dessen Absatz weltweit schnell wächst laut Porsche wurden bis Ende 2011 mehr als 7000 Cayenne mit Hybridantrieb verkauft.

Der September 2009 erstmals ausgelieferte Panamera kam bis Ende letzten Jahres global auf 54 911 Fahrzeugverkäufe. Von dem seit letzten Februar offerierten Panamera Hybrid wurden 730 bis Ende 2011 abgesetzt – fast 3 % der weltweit neu angemeldeten 26 000 Grand Turismo.

Abgesehen davon, dass die Premiumautos mit Hybridantrieb – RX 450h und LS 600h von Lexus sowie Cayenne und Panamera von Porsche – sehr hochwertig und reichhaltig ausgestattet sind, bleibt des Fahrers Frage: Was bringt“s?

Eigentlich nicht vergleichbar: Lexus RX und LS sowie Porsche Cayenne und Panamera

Die Fahrzeuge sind eigentlich nicht direkt vergleichbar. Der RX ist als Geländewagen für den komfortliebenden „Massenmarkt“ konzipiert, der Cayenne bedient einen speziellen Kundenkreis der LS 600 ist ein Oberklassefahrzeug erster Güte und der Panamera eine viersitzige Sportlimousine im gleichen Segment – beide luxuriös ausgestattet und in Technik die Spitze charakterisierend.

Dennoch ist bei allem Luxus und technischen Finessen zu fragen: Wie fahren sich diese Edelfahrzeuge mit Hybridantrieb und wie viel Benzin verbrauchen sie durchschnittlich?

Beim Fahren gibt es keine Unterschiede zwischen Hybrid- und Verbrennungsmotorantrieb und das Zusammenspiel der Motoren geschieht unmerklich. Die typischen Marken- bzw. Modelleigenschaften bleiben als Hybrid erhalten:

Beim Lexus RX 450h so unter anderem das sichere Fahrverhalten, gute Sitze und reichlich Platz, aber auch kleiner Gepäckraum, gewöhnungsbedürftige Bedienung, gefühllose Lenkung, eine Federung mit lahmem Ansprechverhalten sowie eine Automatik, die schwer in die Gänge kommt.

Der LS 600h glänzt in allen Komfort- und Sicherheitsbelangen. Wenn jemand das Gaspedal im Stand voll durchdrückt und die max. Systemleistung von 327 kW abruft, dann schießt das 2,7 t schwere Luxusgefährt mit elektromotorisch unterstütztem 5,0-l-V8-Antrieb in 6,3 s auf 100 km/h. Seine Schattenseite ist der nachlassende Komfort auf schlechtem bzw. ramponiertem Straßenbelag, eine etwas gefühllose Lenkung sowie ein träges Handling. Das kann der Porsche Panamera weit besser – der jedoch als Sportlimousine konzipiert wurde.

Der Panamera S Hybrid bietet vier Insassen ausreichend Platz, hat eine sportliche, jedoch nicht hart abgestimmte Federung, sein schnell schaltendes 8-Gang-Automatikgetriebe und die exakte Lenkung unterstützen das agile Handling, was insgesamt zu einer hohen Fahrsicherheit führt. In Kauf zu nehmen sind bei der Sportlimousine der Einstieg in die „zweite Reihe“, er ist „sportiv“ zu nehmen – Platz für zwei ist dort reichlich vorhanden, ebenso für Sitzriesen.

Beim Porsche Cayenne S Hybrid sind alle positiven Eigenschaften des Panamera vorhanden. Er hat aber auch den Nachteil des großen Bruders: die eingeschränkte Übersichtlichkeit. Im subjektiven Vergleich sieht man seinen Konkurrenten Lexus RX 450h im Rückspiegel, doch der trumpft mit einem Preis auf, der rund 21 000 € unter dem des Porsche liegt.

Hybridantrieb treibt die Preise für Lexus und Porsche nach oben

Die Elektrifizierung des Autos treibt den Preis in die Höhe. Wie der Absatz von Toyota zeigt, werden jedoch immer mehr Hybridmodelle verkauft. Bei Premiumfahrzeugen wächst ihr Anteil, trotz des hohen Preises. Doch was bringt  die Hybridisierung, abgesehen davon, dass die On-board-Statistik ausweist, dass der Hybrid über 60 % im Stadtverkehr elektrisch gefahren ist? – Der Kraftstoffverbrauch ist vergleichsweise niedrig.

Auf den Testfahrten der VDI nachrichten verbrauchte der Lexus RX 450h im Mittel 8,7 l je 100 km, 2,4 l mehr als im EU-Normtest „insgesamt“ der LS 600h kam auf 10,9 l und lag damit 1,6 l über dem Normzykluswert. Der Porsche Panamera S Hybrid konsumierte von den vier Hybriden mit 8,3 l am wenigsten („insgesamt“: 7,1 l/100 km). Sein geländegängiger Bruder mit Mischantrieb schluckte mit 9,6 l Super 0,9 l mehr als der RX 450h und liegt insgesamt 1,4 l über dem EU-Normtestwert.

Der relativ niedrige Verbrauch der schwergewichtigen Hybride ist bemerkenswert. Doch der Antrieb hat bei Porsche mit dem Dieselmotor eine starke Konkurrenz und bei Lexus mit den Benzinmotoren, weil keine Diesel für die Modelle anboten werden.

Wer rechnet, zahlt für den SUV RX 350 (204 kW) 6920 € und 13 100 € für den Lexus LS 460 AWD (270 kW) weniger als für ihre vergleichbaren Pendants mit Hybridantrieb und muss einen höheren Kraftstoffverbrauch je 100 km in Kauf nehmen, 4,4 l bzw. 2,3 l im EU-Normzyklus „insgesamt“. Unter rein wirtschaftlichem Gesichtspunkt lohnt sich deshalb die Anschaffung der Hybriden nicht, da die Halter von RX 350 und LS 460 AWD mit dem „gesparten“ Hybridmehrpreis ca. 100 000 km bzw. 350 000 km fahren könnten, bei angenommenen 1,60 € je Liter Superbenzin.

Bei Porsche ergibt sich das gleiche Bild. Wohl gibt es dort einen Cayenne Diesel (176 kW) ab 61 976 €, der im Test je 100 km im Mittel 8,3 l verbrauchte („insgesamt“: 7,2 l). Für den Panamera Diesel (184 kW) ab 80 183 € wurden im EU-Normzyklus 6,5 l gemessen und die Sportlimousine mit dem V6-Zylinder (220 kW) als Basismotor (77 446 €) überraschte im Test, weil sie mit 10,1 l deutlich unter dem EU-Normmesswert von 11,3 l je 100 km gefahren wurde.

Porsche und Lexus mit Hybridantrieb sind um 20 000 bzw. 30 000 € teurer

Bei Mehrpreisen von rund 20 000 € zum sparsamen Cayenne Diesel bzw. fast 30 000 € zum Panamera Diesel oder V6-Benziner lohnen sich die Hybridversionen bei Porsche nicht. Lohnend ist es jedoch für die Umwelt. Eines wird durch die Preisdifferenz zwischen Benzin-/Dieselmotorisierung zu Hybridantrieben deutlich, die Elektrifizierung des Autos wird teuer.  

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Pester

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