GEFAHR DURCH TAKATA-AIRBAGS 20.05.2015, 11:19 Uhr

Größter Autorückruf in der US-Geschichte

Auf mehr als 50 Millionen Autos weltweit dürfte die Zahl der Rückrufe wegen Gefahren durch Airbags von Takata nun steigen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat sich mit dem Hersteller allein für die USA auf den Rückruf von knapp 34 Millionen Fahrzeugen geeinigt.

Auf dem Foto ist Stephanie Erdman zu sehen. Sie wurde von Metallteilen eines Takata-Airbags so verletzt, dass sie auf dem rechten Auge blind ist. Die Aufnahme im Hintergrund zeigt sie direkt nach dem Unfall. Aktuell muss der japanische Hersteller Takata rund 17 Millionen Fahrzeuge auf Druck der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA in die Werkstätten zurückrufen. 

Auf dem Foto ist Stephanie Erdman zu sehen. Sie wurde von Metallteilen eines Takata-Airbags so verletzt, dass sie auf dem rechten Auge blind ist. Die Aufnahme im Hintergrund zeigt sie direkt nach dem Unfall. Aktuell muss der japanische Hersteller Takata rund 17 Millionen Fahrzeuge auf Druck der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA in die Werkstätten zurückrufen. 

Foto: Jim Lo Scalzo/dpa

Seit Jahren gibt es Probleme mit den Airbags von Takata, in die Luftfeuchtigkeit eindringen kann. Sie werden dann mitunter unvermittelt ausgelöst, Metallteile können sich lösen, schon sechs Menschen sollen deshalb gestorben sein. Jetzt aber bekommt die Geschichte nochmal eine neue Dimension: Rund 17 Millionen weitere Fahrzeuge ruft Takata auf Druck der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA in die Werkstätten – die Gesamtzahl allein in den USA steigt damit auf 33,8 Millionen.

Modell-Querschnitte von Airbag-Zündern wurden im April 2014 in der Takata Ignition Systems GmbH in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) präsentiert. Die japanische Takata Corporation in Tokio hat den Standort Ende 2012 übernommen. Der in 20 Ländern tätige Konzern mit über 36.000 Mitarbeitern stellt Insassenschutzsysteme her. An dem Schönebecker Standort produziert der Automobilzulieferer mit 72 Mitarbeitern hauptsächlich Zünder für Airbags. 

Modell-Querschnitte von Airbag-Zündern wurden im April 2014 in der Takata Ignition Systems GmbH in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) präsentiert. Die japanische Takata Corporation in Tokio hat den Standort Ende 2012 übernommen. Der in 20 Ländern tätige Konzern mit über 36.000 Mitarbeitern stellt Insassenschutzsysteme her. An dem Schönebecker Standort produziert der Automobilzulieferer mit 72 Mitarbeitern hauptsächlich Zünder für Airbags. 

Foto: Jens Wolf/dpa

Rechnet man das mit den weltweiten Aktionen der vergangenen Jahre zusammen, ergibt sich eine Zahl von über 50 Millionen. In all diesen Autos mussten beziehungsweise müssen die Gas-Generatoren ausgetauscht werden, die für das Aufblähen des Airbags bei einem Aufprall sorgen. Das Gasgemisch in älteren Modellen des Airbags war offenbar ungeeignet. Die NHTSA teilt nun mit, dass „Takata auf Druck des US-Verkehrsministeriums bestätigt hat, dass in einigen der Generatoren Defekte existieren“.

Elf große Autohersteller betroffen

Der Hersteller hat damit also indirekt eingeräumt, dass das Problem nicht allein in Regionen mit besonders hoher Luftfeuchtigkeit auftreten kann, wie er bislang behauptete. Deshalb hatte sich Takata zunächst lange geweigert, einer landesweiten Rückrufaktion zuzustimmen, und wollte dies auf Bundesstaaten wie Florida beschränken. Betroffen von der nun größten Ruckrufaktion in der US-Geschichte sind nach Angaben der Behörde Pkw-Modelle von BMW, Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Subaru, Toyota, Mitsubishi und Nissan. Aber auch Transporter von Daimler Trucks müssen in die Werkstatt.

Logo des japanischen Autozulieferers Takata. 

Logo des japanischen Autozulieferers Takata. 

Foto: Franck Robichon/dpa

Die NHTSA betont, dass sie die gesamte Aktion steuern und kontrollieren werde – offenbar ist das Vertrauen in Takata inzwischen völlig dahin. Vor wenigen Monaten hatte Verkehrsminister Anthony Foxx dem Unternehmen schlicht „Versagen“ vorgeworfen. Die Behörde erwartet jetzt von den Autoherstellern eine komplette Liste der betroffenen Modelle und Baureihen, um sie dann zu veröffentlichen. Takata wisse zwar, wem man wie viele Airbags verkauft habe, aber nicht, wo die überall eingebaut wurden, heißt es. Schon jetzt aber listet die NHTSA eine Reihe von Fahrzeugen auf, die definitiv überprüft werden müssten, darunter Massenprodukte wie den Honda Civic aus den Jahren 2001 bis 2006 oder den Toyota Corolla aus 2003 bis 2007.

„Übermäßig aggressive Verbrennung“

Die konkrete Beschreibung der Gefahren durch die defekten Airbags liest sich jedenfalls bedrohlich. Es könne zu einer „übermäßig aggressiven Verbrennung“ kommen, wenn der Airbag sich aufbläht, schreibt die Behörde. Und weiter: „Je nach den äußeren Umständen kann dies einen extremen Druck im Airbag auslösen, der dazu führen kann, dass das Gehäuse des Generators reißt. Metallteile können dann durch das Fahrzeug fliegen und Verletzungen oder Todesfälle bei den Insassen auslösen.“ Die Untersuchung der Ursachen dauert unterdessen an. Neben dem Hersteller selbst ist auch das deutsche Fraunhofer Institut für Chemische Technologie daran beteiligt.

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