Kein Strom von außen 26.07.2016, 09:57 Uhr

Vision in Melbourne: Jedes Haus mit eigener Tesla-Batterie

Ein Stadtteil, in dem jeder seinen eigenen Strom produziert und in einer Tesla-Batterie speichert: Das ist die Vision des neuen Stadtteils YarraBend am Rande des australischen Melbourne. Strom aus dem Netz braucht niemand in dem Vorort. Interessenten sollten allerdings genügend Kleingeld für ihr Haus in „Tesla Town“ mitbringen.

Ein ganzer Vorort soll in Australien mit der Powerwall von Tesla ausgerüstet werden. 2500 Häuser wären damit unabhängig vom öffentlichen Strom. Die Powerwall speichert den Strom während des Tages von den Solardächern und gibt ihn wieder ab, wenn er benötigt wird.

Ein ganzer Vorort soll in Australien mit der Powerwall von Tesla ausgerüstet werden. 2500 Häuser wären damit unabhängig vom öffentlichen Strom. Die Powerwall speichert den Strom während des Tages von den Solardächern und gibt ihn wieder ab, wenn er benötigt wird.

Foto: Tesla

„Nachhaltige Energien“ sind das Thema der Gegenwart – irgendetwas muss die Menschheit sich schließlich überlegen, um auch morgen noch Autos fahren, Computer betreiben und Kühlschränke anschließen zu können. Doch warum sollte man vorhandene Häuser mühsam nachträglich mit Solaranlagen & Co. ausstatten, wenn man sie auch von vornherein einbauen kann?

2.500 Häuser sind geplant

Diesen Weg geht YarraBend, ein Vorort von Melbourne. Nein, halt: ein zukünftiger Vorort von Melbourne. Diesen Stadtteil, 8,5 Kilometer von der City entfernt, gibt es bislang nur auf dem Reißbrett des Immobilienunternehmens Glenwill, das die Planung und den Bau übernimmt. Aber dabei aufs Ganze geht: Der künftige Vorort soll komplett unabhängig vom öffentlichen Stromnetz sein.

8,5 Kilometer von der City Melbournes entfernt soll der Vorort YarraBend entstehen.

8,5 Kilometer von der City Melbournes entfernt soll der Vorort YarraBend entstehen.

Quelle: yarrabend.com

Das wollen die Planer des 165.000 Quadratmeter großen Areals erreichen, indem jedes der vorgesehenen 2.500 Häuser buchstäblich bis zum Dach mit energieeffizienter Technologie ausgestattet wird. Standard für jedes Haus sind eine Solaranlage auf dem Dach, ein Ladepunkt für Elektroautos, ein energiesparendes Beleuchtungssystem und eine Powerwall des kalifornischen Elektroautoherstellers Tesla.

Die Powerwall ist das Herzstück des Konzepts

Letztere ist das Herzstück des gesamten Konzepts: Es handelt sich um ein Energiespeichersystem aus Solarbatterien, das überschüssige Energie speichert und wieder abgibt, wenn sie benötigt wird – hilfreich, wenn man zum Beispiel nach Sonnenuntergang noch kochen möchte oder fernsehen will. Diese Powerwall ist so zentral in dem ganzen Konzept, dass die Siedlung bereits jetzt den Spitznamen Tesla Town trägt – ein Umstand, der Tesla-Vorstand Elon Musk durchaus gefallen dürfte.

Der Masterplan für YarraBend.

Der Masterplan für YarraBend.

Quelle: yarrabend.com

Die Planer rechnen mit einer so großen Effektivität des Systems, dass die Bewohner nicht nur den Bedarf des täglichen Haushaltslebens mit dem selbstproduzierten Strom locker decken, sondern auch ihre Elektroautos damit aufladen können – kostenlos, denn der Strom fällt ja im Wortsinn vom Himmel.

Luxus-Häuser mit stolzen Preisen

Für Sparfüchse ist das Viertel dennoch nichts, zumindest nicht im ersten Schritt: Die Preise für die ersten 60 angebotenen Luxus-Häuser gehen bei umgerechnet 1,3 Mio. € los. Für dieses Geld bekommen die Bewohner allerdings auch eine Menge geboten, darunter Highspeed-Internet mitsamt technischer Unterstützung.

Künstlerische Darstellung YarraBend. 

Künstlerische Darstellung YarraBend.

Quelle: yarrabend.com

Zudem gibt es eine spezielle YarraBend-App mit Infos für das tägliche Leben in der Siedlung: Dort kann man zum Beispiel nachsehen, wann der nächste Bus fährt, wer Interesse an einer Fahrgemeinschaft hat und wann das nächste soziale Event ansteht. Einen Golfplatz, Fahrradwege, Spielplätze und jede Menge weiterer Sport-Möglichkeiten gibt es natürlich auch in dem betont grünen Areal, ebenso wie Schulen, ein Kulturangebot und Lebensmittelläden.

Autonarren haben schlechte Karten

PS-Junkies werden hier jedoch keinen Spaß haben: Die Städtebauer haben sich von den fahrradfreundlichen Städten Skandinaviens inspirieren lassen – Zweiräder und Fußgänger sind privilegiert in YarraBend. Und wer in die Innenstadt von Melbourne oder wohin auch immer will, braucht ebenfalls kein Auto: Der nächste Bahnhof sei nur gut 400 m entfernt, heißt es.

 

Ein Beitrag von:

  • Judith Bexten

    Judith Bexten ist freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Logistik und Diversity.

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