Windparks vor Sylt 28.04.2015, 12:04 Uhr

Tennet nimmt weltgrößte Offshore-Netzanbindung SylWin1 in Betrieb

Netzbetreiber Tennet hat SylWin1 in Betrieb genommen: Die weltgrößte Offshore-Netzanbindung von Siemens steht mitten in der Nordsee vor Sylt und erreicht eine Rekordkapazität von 864 Megawatt. Die Parks können über eine Million Haushalte mit Strom versorgen. 

Montage der Konverterstation SylWin1 in der Nordsee: An die Station, die jetzt in Betrieb geht, sind drei Windparks mit einer Kapazität von 864 Megawatt angeschlossen. Die Station wandelt den Windstrom für den Transport an Land in Gleichstrom um.

Montage der Konverterstation SylWin1 in der Nordsee: An die Station, die jetzt in Betrieb geht, sind drei Windparks mit einer Kapazität von 864 Megawatt angeschlossen. Die Station wandelt den Windstrom für den Transport an Land in Gleichstrom um.

Foto: Siemens

Die Konverterstation SylWin1 erinnert optisch an eine Bohrinsel: Sie ist quietschgelb und steht in der Nordsee, etwa 70 Kilometer westlich der Insel Sylt. Angeschlossen sind die drei Offshore-Windparks DanTysk, Butendiek und Sandbank mit jeweils 288 Megawatt Leistung. Während DanTysk und Butendiek aus jeweils 80 Siemens-Windenergieanlagen der 3,6-Megawatt-Klasse bestehen, kommen in Sandbank 72 Windturbinen mit jeweils 4 MW Leistung zum Einsatz.

Strom gelangt über 160 Kilometer langes Seekabel an Land

Aufgabe von Sylwin1 ist es, den produzierten 155-Kilovolt-Windstrom (Wechselstrom) in 320-Kilovolt-Gleichstrom umzuwandeln: Über 160 Kilometer Seekabel und 45 Kilometer Landkabel gelangt er danach zu einer Konverterstation in Büttel. Sie wandelt ihn wieder in Wechselstrom um und speist ihn für den Weitertransport ins Stromnetz ein.

SylWin1 ist eingeschaltet: Die Konverterstation verwandelt Wechselstrom der Windräder in Gleichstrom und schickt ihn über 160 Kilometer lange Seekabel an Land.

SylWin1 ist eingeschaltet: Die Konverterstation verwandelt Wechselstrom der Windräder in Gleichstrom und schickt ihn über 160 Kilometer lange Seekabel an Land.

Foto: Siemens

Laut Siemens liegen die Verluste dabei mittlerweile bei unter vier Prozent. Sogenannte HVDC-Technologie sorge zudem dafür, dass sich die Anlagen bei Windschwankungen selbst stabilisieren und somit die Netzsicherheit erhöhen.

Testläufe hat SylWin1 die vergangenen Monate zur Genüge gemeistert: Während des Sturmtiefs Niklas ließ sich bereits eine Leistung von 350 Megawatt übertragen. Wenn Tennet nun die drei Windparks nacheinander zuschaltet, soll eine Rekordkapazität von 864 Megawatt möglich sein – genug Strom, um über eine Million Haushalte zu versorgen.

Funktionsweise der Stromübertragung: Der Wechselstrom der Windräder gelangt als Gleichstrom an Land. Dort erfolgt die erneute Umwandlung und Einspeisung ins Hochspannungsnetz.

Funktionsweise der Stromübertragung: Der Wechselstrom der Windräder gelangt als Gleichstrom an Land. Dort erfolgt die erneute Umwandlung und Einspeisung ins Hochspannungsnetz.

Foto: Siemens

 

Tennet will Windenergieziele der Bundesregierung frühzeitig erreichen

Tennet gibt Gas, um das Offshore-Ausbauziel der Bundesregierung frühzeitig zu erreichen: SylWin1 ist neben BorWin2 (800 MW) und HelWin1 (576 MW) die dritte Nordsee-Netzanbindung, die Tennet in diesem Jahr in Betrieb genommen hat. HelWin2 (690 MW) soll noch im ersten Halbjahr 2015 folgen.

Über die Netzanbindung SylWin1 70 km westlich von Sylt wird der Strom der drei Windparks Butendiek, Dan Tysk und Sandbank ans Festland gebracht. Die 232 Siemens-Windturbinen werden künftig Strom zur Versorgung von über einer Million Haushalte liefern.

Über die Netzanbindung SylWin1 70 km westlich von Sylt wird der Strom der drei Windparks Butendiek, Dan Tysk und Sandbank ans Festland gebracht. Die 232 Siemens-Windturbinen werden künftig Strom zur Versorgung von über einer Million Haushalte liefern.

Foto: Siemens

„Das Jahr 2015 stellt einen besonderen Meilenstein für Tennet dar“, sagt Lex Hartmann, Mitglied der Tennet-Geschäftsführung. „Denn wir werden bis Jahresende weitere Offshore-Netzanbindungen fertigstellen und unterm Strich dann über 5000 MW und damit mehr als zwei Drittel der Offshore-Ausbauziele der Bundesregierung realisiert haben.“

Das Ziel der Regierung liegt bei 6500 MW bis 2020. Wenn Tennet dann 2019 noch wie geplant BorWin3 (900 MW) in Betrieb nimmt, soll genügend Nordseestrom zur Verfügung stehen, um fünf Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen.

Mit SylWin1 wird die bisher längste und mit 864 MW Kapazität leistungsstärkste Gleichstromanbindung für Offshore-Windparks realisiert. 

Mit SylWin1 wird die bisher längste und mit 864 MW Kapazität leistungsstärkste Gleichstromanbindung für Offshore-Windparks realisiert. 

Foto: Tennet

Tennet hat seit 2014 bereits knapp sieben Milliarden Euro in den Ausbau des Offshore-Netzes investiert. Weitere sechs Milliarden sollen in den nächsten zehn Jahren folgen. Ziel von Siemens ist es, einen Erzeugerpreis von unter zehn Cent pro Kilowattstunde zu erreichen. Derzeit liege er noch bei 16 bis 17 Cent, sagte Siemens-Sprecher Torsten Wolf der Nachrichtenagentur dpa.

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