1.000 °C heiß 17.08.2016, 07:12 Uhr

So will Dubai Wüstensand als Energiespeicher nutzen

Zeigt ausgerechnet das Öl-Emirat Dubai, wie man sich zu einem Solarstaat wandelt? Bis 2030 will das Land das größte Solarkraftwerk der Welt aufbauen und soll auf jedem Haus eine Solaranlage arbeiten. Um den Strom zu speichern, arbeiten die Ingenieure an einem Speicher aus Wüstensand.

Wüstensand eignet sich hervorragend als Energiespeicher: Er kann bis auf 1.000 °C erhitzt werden. Unter Zusatz von Wasser entsteht Wasserdampf, mit dem die Energie über Turbinen zurückgewonnen werden kann.

Wüstensand eignet sich hervorragend als Energiespeicher: Er kann bis auf 1.000 °C erhitzt werden. Unter Zusatz von Wasser entsteht Wasserdampf, mit dem die Energie über Turbinen zurückgewonnen werden kann.

Foto: Masdar

Dass Sand in der Sonne ganz schön heiß werden kann, weiß jeder, der schon mal einen unfreiwilligen Spurt mit nackten Füßen am sonnenerhitzten Sandstrand einlegen musste. Dass man Sand sogar auf bis zu 1.000 °C erhitzen kann, wollen Ingenieure in den Vereinigten Arabischen Emiraten nutzen, um einen Energiespeicher aus Wüstensand zu bauen. „Sandstock“ heißt das Pilotprojekt, das am Masdar Institut in Abu Dhabi gestartet wurde.

Das Kernstück der Anlage hat die Form einer Sanduhr

Das Team unter der Leitung von Nicolas Calvert in der Abteilung „Mechanical and Materials Engineering“ am Masdar Institut sind bei der Suche nach Alternativen zu herkömmlichen thermalen Speichermaterialien auf den Wüstensand gestoßen. Im Gegensatz zu diesen bisher verwendeten Materialien wie synthetische Öle oder geschmolzene Salze hat der Sand nicht nur eine deutlich höhere Speichereffektivität, sondern ist auch preiswerter.

Testanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Den Strom von Solarkraftwerken will das Emirat in Wüstensand speichern. Der kann auf bis zu 1.000 °C erhitzt werden.

Testanlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Den Strom von Solarkraftwerken will das Emirat in Wüstensand speichern. Der kann auf bis zu 1.000 °C erhitzt werden.

Quelle: Masdar

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Stadt Freiburg-Firmenlogo
Ingenieur*in / Techniker*in / Meister*in Elektrotechnik als Projektleitung Stadt Freiburg
Freiburg Zum Job 
Staatliches Baumanagement Hannover-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Hannover
Hannover Zum Job 
Koehler Paper-Firmenlogo
Produktionsingenieur (m/w/d) Papier Koehler Paper
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur - Oberbauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Stuttgart Zum Job 
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauingenieur/Bautechniker - Bauleiter Rohbau (m/w/d) Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d) Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Ingenieur Mikroelektronik - Hochfrequenztechnik / Messtechnik (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Hirschvogel Holding GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker als Planer Qualitätsmanagement für Kundenprojekte (m/w/d) Hirschvogel Holding GmbH
Denklingen Zum Job 
Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY-Firmenlogo
Scientist for FPGA-based RF signal processing and control (m/f/d) Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY
Hamburg Zum Job 
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
Landkreis Reutlingen-Firmenlogo
Leitung (w/m/d) des Kreisbauamtes Landkreis Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Markt Bad Abbach-Firmenlogo
Sachgebietsleitung Hochbau und Gebäudeunterhaltung (w/m/d) Markt Bad Abbach
Bad Abbach Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Stadtwerke Strausberg GmbH-Firmenlogo
Techniker Stromnetz - Netzkoordination & Digitalisierung (m/w/d) Stadtwerke Strausberg GmbH
Strausberg Zum Job 
Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) im Stahlbau Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG
Karlsruhe Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 

Bei der chemischen Untersuchung des Wüstensandes vor allem aus Abu Dhabi, Dubai und der Wüste Liwa stellte sich heraus, dass der Sand mit einem hohen Anteil an Quarz und Karbonaten als Speicher bestens geeignet war. Das Kernstück der Anlage hat die Form einer Sanduhr mit zwei Füllräumen. Im oberen Tank liegt der zunächst noch kühle Sand und wartet auf seine Erhitzung, die über gebündelte und konzentrierte Solarenergie erfolgt. Damit erreicht der Sand bereits Temperaturen von 600 bis 800 °C.

Wüstensand erhitzt sich auf bis zu 1.000 °C

Mit dem Öffnen eines Ventils rieselt der Sand nach unten und wird währenddessen mit gebündelten Sonnenstrahlen weiter erwärmt. Auf 800 bis 1.000 °C könne der Sand auf diese Weise erhitzt und im unteren Raum der Sanduhr gespeichert werden, sagen die Wissenschaftler. Von hier aus kann über zugeführtes Wasser Elektrizität aus Wasserdampf erzeugt und ins Netz gespeist werden. Der Sand, der seine Energie abgegeben hat und abgekühlt ist, wird mechanisch erneut nach oben geleitet, wo er sich wieder aufheizen kann.

Bisher wurden zwei Prototypen am Masdar Institut entwickelt und gebaut und in einem französischen Labor getestet. Bei den Tests stellte sich der Transport des Sandes durch die schmale Stelle der Sanduhr als problematisch heraus. Der Sand, alleine durch die Schwerkraft nach unten gezogen, neigte zur Verklumpung und das gesamte System kollabierte.

Sand ist billiger und umweltfreundlicher

Sollte es zukünftig gelingen, mit dem „Sandstock“ aus dem Labor heraus und in die reale Anwendung zu kommen, wäre das eine echte Alternative zu üblichen Speichermaterialien für Solarenergie. Denn der Sand ist nicht nur preiswerter und umweltfreundlicher als etwa die Flüssigsalzspeicher. Während die Salze maximal auf Temperaturen um die 560 °C erhitzt werden können, wird der Sand deutlich heißer und setzt die Energie wesentlich effektiver um.

Solarkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Bis 2030 will das Emirat 25 Prozent seines Energiebedarfs aus Sonne decken.

Solarkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Bis 2030 will das Emirat 25 Prozent seines Energiebedarfs aus Sonne decken.

Quelle: Masdar

Die Forschung am Energiespeicher auf Sandbasis ist Teil einer großen Solaroffensive, mit der sich die Vereinigten Arabischen Emirate vom Öl- zum Solaremirat wandeln wollen. Bis 2030 will das Emirat 25 Prozent seines Energiebedarfs mit Photovoltaik decken. Dazu baut das Land den größten Solarpark der Welt. Er soll 2030 eine Leistung von 5.000 MW erreichen.

Das wäre erheblich mehr als das größte solarthermische Solarkraftwerk, das derzeit in Marokko im Bau ist und dessen erster von vier Bauabschnitten Ende vergangenen Jahres in Betrieb gegangen ist. Und auch das Solarkraftwerk Delingha in China, das einmal eine Million Menschen mit Strom versorgen soll, wird das Solarkraftwerk im Emirat übertreffen. Energiespeicher sind also in den VAE dringend erforderlich.

Auch in Deutschland wird nach Möglichkeiten der Energiespeicherung in solarthermischen Anlagen gesucht. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat im Juli 2016 in Köln mit dem Aufbau einer neuen Testanlage für Wärmespeicherung in geschmolzenen Salzen begonnen.

 

Ein Beitrag von:

  • Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck ist seit 2001 journalistisch unterwegs in Print- und Online-Medien. Neben Architektur, Kunst und Design hat sie sich vor allem das spannende Gebiet der Raumfahrt erschlossen.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.