MILLIARDENPROJEKT IN MAROKKO 10.12.2015, 12:11 Uhr

Größtes solarthermisches Kraftwerk der Welt am Start

Noch in diesem Jahr soll der erste von vier Blöcken des größten solarthermischen Kraftwerks der Welt in Betrieb gehen. Strom für mehr als eine Million Menschen sollen in der marokkanischen Wüste umweltfreundlich und mit Technik aus Deutschland erzeugt werden.

In den nächsten Tagen geht das Solarkraftwerk Noor 1 im Süden Marokkos in Betrieb. Deutsche Ingenieure und Unternehmen wie Siemens haben an dem Kraftwerk mitgewirkt, das 1,2 Millionen Menschen mit Strom versorgen soll.

In den nächsten Tagen geht das Solarkraftwerk Noor 1 im Süden Marokkos in Betrieb. Deutsche Ingenieure und Unternehmen wie Siemens haben an dem Kraftwerk mitgewirkt, das 1,2 Millionen Menschen mit Strom versorgen soll.

Foto: ACWA Power

537.000 Parabolspiegel hat die Firma Flabeg aus Furth im Wald nach Quarzazate im Süden Marokkos geliefert. Eine gigantische, aber schlicht notwendige Menge für ein solarthermisches Kraftwerk, das mit einer Leistung von 160 Megawatt demnächst ans Netz gehen soll. Es ist Teil eines Rekordprojektes, denn die vier geplanten Solarkraftwerke im Ort Quarzazate sollen zusammen rund 580 Megawatt Strom erzeugen und so rund 1,2 Millionen Menschen mit sauberer Energie versorgen.

Seit mehr als zwei Jahren wird an dem ersten der vier Kraftwerke gebaut. Der Komplex heißt Noor, auf Deutsch Licht. Die Technik, die beim Komplex Noor 1  eingesetzt wird, ist durchaus erprobt: Die beweglichen Spiegel fangen das Sonnenlicht jederzeit optimal ein und lenken es auf einen bestimmten Punkt, an dem flüssiges Salz in einem Speicher auf knapp 400 °C erhitzt wird. Der dabei entstehende Dampf treibt eine Turbine an, die den Strom erzeugt. Vorteil der Methode gegenüber Solarzellen ist, dass die Energie bis zu drei Stunden lang gespeichert werden kann.

Marokko peilt Export von Solarstrom an

Noor ist ein absolutes Leuchtturmprojekt – nicht nur für Marokko, sondern für die gesamte Welt. Denn nach dem vorläufigen Scheitern des internationalen Solarprojektes Desertec, das heute nur noch als Beraterfirma fortgesetzt wird, soll es den Beweis dafür liefern, dass Strom aus der Wüste einen großen Teil der zukünftigen Versorgung decken kann. Die marokkanische Regierung hat sich für die nächsten Jahre vorgenommen, Kapazitäten von 2000 Megawatt zu errichten. Die würden dann auch ausreichen, um Strom zu exportieren. Bislang muss das Land seinen Strom fast komplett importieren.

Solarkraftwerk Noor 1 in Quarzazate im Süden Marokkos: Die 537.000 Parabolspiegel wurden in Deutschland hergestellt, die Turbine zur Stromerzeugung lieferte Siemens.

Solarkraftwerk Noor 1 in Quarzazate im Süden Marokkos: Die 537.000 Parabolspiegel wurden in Deutschland hergestellt, die Turbine zur Stromerzeugung lieferte Siemens.

Quelle: ACWA Power

Während Noor I demnächst wohl anläuft, sind die drei Schwesterkraftwerke bereits im Bau oder in Planung. Noor II soll noch größer werden, aber nach demselben Prinzip arbeiten. Noor III ist als Turm-Solarkraftwerk geplant, aber auch hier wird das Sonnenlicht direkt gebündelt. Nur der vierte Teil funktioniert mit Photovoltaik, also Solarzellen, die direkt Strom erzeugen.

Deutsche Unternehmen haben Technik für Noor 1 geliefert

Mehr als zwei Milliarden € wird das vom saudischen Investor ACWA getragene Projekt kosten. Davon kommt ein großer Teil von 850 Millionen € als zinsgünstiger Kredit von der deutschen KfW-Entwicklungsbank. Auch das dürfte ein Grund für die Beteiligung mehrerer deutscher Unternehmen sein. Neben dem Glasspezialisten Flabeg, der allerdings auch nach einer Insolvenz vor zwei Jahren zu ACWA gehört, ist Siemens als Turbinenlieferant im Boot, das Flüssigsalz kommt von BASF, und deutsche Ingenieure überwachen die Bauarbeiten.

Bei der KfW sieht man das Ganze weiterhin sehr positiv und als neuen Schub für die Desertec-Vision, wie es in einem KfW-Papier heißt: „Das Projekt in Ouarzazate dient als Referenzprojekt, um einer kohlenstoffarmen und damit klimafreundlichen Zukunftstechnologie zum Durchbruch zu verhelfen – nicht nur für Marokko, sondern auch für andere nordafrikanische Länder. Auch wenn der erzeugte Strom zunächst einmal den Bedarf in Marokko decken soll, wird dieses Projekt den Traum beflügeln, eines Tages Solarstrom für die Energieversorgung Europas zu exportieren.“

 

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