Zukunft ohne Öl 03.04.2018, 13:02 Uhr

Saudi-Arabien plant größtes Solarkraftwerk der Welt

200 Milliarden US-Dollar für einen Solarpark mit 200 Gigawatt Leistung: Saudi-Arabien will sich in einigen Jahren selbst komplett mit Sonnenenergie versorgen. Der Erdöl-Gigant als Vorreiter der Energiewende?

Solarkraftwerk in der Wüste: Saudi Arabien will bis 2030 den größten Solarpark der Welt errichten und dann seinen gesamten Stromverbrauch aus Sonnenenergie decken.

Solarkraftwerk in der Wüste: Saudi Arabien will bis 2030 den größten Solarpark der Welt errichten und dann seinen gesamten Stromverbrauch aus Sonnenenergie decken.

Foto: Masdar

Was ist leichter vorstellbar: Ein Saudi-Arabien, in dem Frauen Auto fahren dürfen? Oder ein Saudi-Arabien, das sich vollkommen unabhängig vom Erdöl macht? Nun, die Fahrerlaubnis für Frauen kommt bekanntlich im Juni. Und das andere in ein paar Jahren. Das verspricht jedenfalls Kronprinz Mohammed bin Salman, der das Königreich auf allen Ebenen modernisieren will.

200 Milliarden US-Dollar will Bin Salman in den mit Abstand größten Solarpark der Welt investieren. Bis 2030 sollen Solarkraftwerke mit einer Leistung von 200 Gigawatt Leistung in der saudischen Wüste installiert werden. Um das ganze Land mit seinen rund 32 Millionen Einwohnern mit Elektrizität zu versorgen und dann auch noch Strom zu exportieren.

Starker Partner aus Japan

Diesen gigantischen Plan hat der Kronprinz jetzt gemeinsam mit dem japanischen Milliardär Masayoshi Son präsentiert. Der ist für zweierlei bekannt: Erstens ist er ein höchst erfolgreicher Unternehmer, der aus einer klitzekleinen Softwareschmiede innerhalb von 15 Jahren ein Mitglied des Leitindexes der japanischen Börse gemacht hat und heute als reichster Japaner überhaupt gilt. „Softbank“ heißt die hierzulande wenig bekannte Firma. Zweitens kämpft er seit der Katastrophe von Fukushima für eine radikale Umkehr bei der Energieversorgung: Wind, Sonne, Wasser, Geothermie, auf all diesen Feldern ist die Tochter „Softbank Energy“ unterwegs.

Solarfeld in Saudi-Arabien: 200 Milliarden US-Dollar will das Land in das größte Solarkraftwerk der Welt investieren.

Solarfeld in Saudi-Arabien: 200 Milliarden US-Dollar will das Land in das größte Solarkraftwerk der Welt investieren.

Foto: Energieministerium Saudi-Arabien

Und das durchaus im größeren Maßstab. Ende vergangenen Jahres kündigte die Firma den Bau eines Solarparks an, der rund 700 Haushalte mit Strom versorgen soll. Aus 28.000 Quadratmetern Fläche soll die Anlage entstehen. Aber an Platz mangelt es in der saudi-arabischen Wüste nicht. Der Kronprinz und der Unternehmer jedenfalls werfen mit großen Zahlen um sich: 100.000 Jobs würden neu entstehen, heißt es. Technische Details nennen jedoch beide nicht. Auch bleibt vorerst offen, wo genau die Anlage entstehen und wie etwa der Export möglich werden soll. Über Leitungen durch den Suezkanal und das Mittelmeer nach Europa, wie es das Londoner Unternehmen TuNur für ein Solarkraftwerk in Tunesien plant?

Größter Erdölproduzent der Welt

Beim bislang weltgrößten Solarpark in Marokko, der im Endausbaustadium eine Leistung von 2 Gigawatt erreichen soll und dessen erster Block bereits in Betrieb ist, stellte sich diese Frage nicht, weil der Strom nur für Marokko selbst bestimmt ist. Die Saudis wollen den bisherigen Rekordhalter indes schon im nächsten Jahr übertreffen: 7,2 Gigawatt sind für die erste Ausbaustufe geplant. In den folgenden Jahren will der Kronprinz nicht nur einen gewaltigen Solarpark, sondern auch eine eigene Produktion für Solarmodule aufbauen lassen.

Und das alles in einem Land, das bis heute der größte Erdölproduzent der Welt ist. 380 Millionen Tonnen hat Saudi-Arabien allein im Jahr 2016 exportiert. Ein Land, das der Inbegriff der Anti-Moderne ist, wo strenge Sitten und althergebrachte Machtstrukturen das Leben bestimmen und das Öl die Grundlage allen Reichtums ist. Nun könnte der Erdöl-Gigant zum Vorreiter der Energiewende werden. Verrückt. Aber es dürfen ja auch schon Frauen ins Fußballstadion. Und auf die Erdölförderung verzichten will man natürlich künftig auch nicht, sondern die Überschüsse verkaufen.

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