Pilotprojekt in Cornwall 20.10.2014, 10:39 Uhr

Aus alten Bohrlöchern und Schachtanlagen lässt sich Erdwärme gewinnen

Sie liegen schon lange still, die Bergwerke Cornwalls. Die Kohle ist raus, die Stollen eingemottet. Doch erstmals seit 20 Jahren sind in Cornwall wieder Bergleute zugange. Ihnen ist es gelungen, einen 2500 Meter tiefen Stollen für die Förderung von Erdwärme zu nutzen.

Großbritannien hat in Cornwall erfolgreich eine altes Bohrloch genutzt, um Erdwärme zu fördern.

Großbritannien hat in Cornwall erfolgreich eine altes Bohrloch genutzt, um Erdwärme zu fördern.

Foto: Geothermal Engineering

Der besondere Reiz dieses Erfolgs liegt darin, dass sich Wärme möglicherweise in großer Menge aus der Vielzahl alter, nicht mehr genutzter Bohrlöcher mit vertretbarem finanziellen Aufwand gewinnen lässt.

Geothermie auch in nicht-vulkanischen Erdschichten möglich

In vulkanischen Gegenden wie Island ist Geothermie alltäglich, allerdings kommt da die Wärme ganz von selbst an die Oberfläche. In Deutschland sind vielerorts Wärmepumpen im Einsatz, um die Wärme aus dem Boden zum Heizen zu nutzen. In Cornwall haben Ingenieure aber erstmals alte Bohrlöcher eines Bergwerks genutzt, um Erdwärme als Energiequelle zu gewinnen. Dazu haben sie Wasser in ein Bohrloch gepumpt, das sich im Untergrund so erhitzt, dass es mit 65 bis 75 Grad aus der Erde austritt.

Betrieben wird die erste Anlage in der Nähe der kleinen Hafenstadt Falmouth in Cornwall vom Unternehmen Geothermal Engineering. Bezahlt werden die bisherigen Arbeiten zu 90 Prozent vom britischen Energieministerium, während Geothermal Engineering die restlichen 10 Prozent aufbringt.

Ein altes Bohrloch in der Nähe von Falmouth

Das Unternehmen hat ein 2500 Meter tiefes Bohrloch genutzt, das in den Achtziger Jahren für ein fehlgeschlagenes geothermisches Vorhaben angelegt worden war. Wie der jüngste Versuch zeigt, lässt sich aus einem ausreichend tiefen Bohrloch so viel Wärme gewinnen, dass damit 400 Häuser beheizt werden können. Müsste dazu ein neues Loch gebohrt werden, beliefen sich die Kosten auf umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro. Kann dagegen ein altes Bohrloch verwandt werden, sinken die Investitionskosten für eine gleich hohe Wärmeausbeute auf nur noch 260.000 Euro.

Vor allem Bohrlöcher aus Probebohrungen für Öl und Gas eignen sich offenbar zur Nutzung von Erdwärme. Ryan Law, der Geschäftsführer von Geothermal Engineering, glaubt, dass die für das Fracking erforderlichen Bohrlöcher zu noch niedrigeren Kosten Erdwärme erschließen können.

Die in Cornwall geförderte Erdwärme genügt zwar nicht zur Stromerzeugung, allerdings genügt sie, um Haushalte zu heizen.

Die in Cornwall geförderte Erdwärme genügt zwar nicht zur Stromerzeugung, allerdings genügt sie, um Haushalte zu heizen.

Quelle: Geothermal Engineering

Neben alten Bohrlöchern bieten aber auch alte Schachtanlagen des Bergbaus gute Ansatzpunkte für die Nutzung der Erdwärme. Zwar muss hier in der Regel erst gebohrt werden, aber die alten Anlagen sind überwiegend gut zugänglich und die geologische Struktur weitgehend bekannt. Das britische Energieministerium sieht die Einsatzmöglichkeit für die Erdwärme vor allem in Heizungen, in der Landwirtschaft für die Beheizung großer Gewächshäuser und für die Beheizung von Schwimmbädern.

Erdwärme genügt nicht für die Stromgewinnung

Für die Stromgewinnung reicht die Temperatur des Bohrloches in Cornwall allerdings nicht aus. Dennoch will das Ministerium die Erdwärme vor allem als Heizenergie nutzen. Geothermal Engineering will nun in den nächsten zwölf Monaten die ersten kommerziellen Projekte entwickeln und die ersten Wohnhäuser an eine Erdwärme-Versorgung anschließen.

„Die Geothermie könnte ein wichtiger Faktor im Energieportfolio Großbritanniens werden“, so Geschäftsführer Ray. „Sie bietet beides, Wärme und die Möglichkeit zur Stromerzeugung.“

Ed Davey, Staatssekretär für Energie, sagte bei der Vorstellung des Projektes in Cornwall: „Wir brauchen eine breite Basis von erneuerbaren Energien in Großbritannien.“ Er sei erfreut, dass Erdwärme dazu einen Beitrag leisten können.“

Von Peter Odrich
Von Peter Odrich

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