Smartphone-Entwicklung 17.07.2019, 10:15 Uhr

BoringPhone: Das Smartphone für Minimalisten

Ein neuseeländisches Start-Up entwickelt ein Handy als Gegenbewegung zum ausufernden Smartphone-Konsum. Das Projekt mit dem Namen „BoringPhone“ wird über eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Eine Lösung für alle Minimalisten oder Menschen, die mehr Zeit mit wichtigeren Dingen verbringen möchten.

Hand tippt auf Smartphone Display

Foto: panthermedia.net/LDProd

Mal Hand aufs Herz, wieviel Zeit verbringen Sie mit ihrem Smartphone? Dieser Frage gingen die Erfinder des „langweiligen“ Smartphone auf den Grund und fanden eine einfache Antwort: zuviel. Das neuseeländische Start-Up aus Auckland will zukünftig dem sinnlosen Gedaddel Einhalt gebieten. Eine aktuelle Studie von Telefonica zeigt die erschreckende Wahrheit: die allgemeine tägliche durchschnittliche Nutzungsdauer von Smartphones liegt bei 2,1 Stunden, unter jüngeren Nutzern sogar bei über 4 Stunden pro Tag. Das liegt vor allem an der Multifunktionalität der kleinen Zeitdiebe. Social Networks, Musik, Videos, Chats, News, Shopping, die Liste der Dinge, die wir mittlerweile über das Smartphone abwickeln, ist endlos. Leider verführt der einfache Zugang auch dazu, mehr Zeit als nötig vor dem kleinen Bildschirm zu verbringen. Sogar das Zocken während des Fernsehens hat mittlerweile schon seinen eigenen Begriff: Second-Screen-Nutzung. Das kann doch, mit Verlaub, nicht gesund sein.

Nein. Ist es auch nicht. Medizinische Forscher haben herausgefunden, dass die dauernde Smartphone-Nutzung auch unsere Körper verändert. Jüngeren Menschen wachsen, laut überlieferten Sagen, durch die unnatürliche Haltung kleine Hörner am Schädelknochen des Hinterkopfes. Auch die Hirnchemie ist nicht vor der smarten Verführung gefeit. Der Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn verändert sich während der Nutzung. Die Überstimulation verursacht eine Reaktion, die langfristig zu einer Sucht heranreifen kann. Wie mit jeder Sucht geht auch ein erhöhtes Risiko für weitere psychische Erkrankungen wie Depressionen einher.

Alex Davidson und Jasper Mackenzie erkannten die Falle. Der moderne Funkfernsprecher mit WLAN-Pipeline, das pünktlich zur Einschulung nett verpackt unterm Weihnachtsbaum liegt, kann kaum als Einstiegsdroge bezeichnet werden.

BoringPhone als Gegentrend

Wie jeder Trend, entwickelt auch der Smartphone-Hype eine Gegenbewegung. Aber Halt: Sollten sie gerade darüber nachdenken, alle Telefone und SIM-Karten im Haus zu verbrennen, warten Sie noch einen Moment. So einfach ist es ja doch nicht.

Natürlich müssen die Kleinen (und Großen) heutzutage erreichbar sein, Bescheid sagen können, wenn sie den Schulbus versäumt haben oder zu Freunden gehen wollen. Dass wir nicht mehr in den sorglosen 70ern leben, in denen Kinder nach der Dorfschule bis zur Straßenbeleuchtungszeit herumstromerten, ist ja nun gleichermaßen Fluch und Segen. Das typisch unzerstörbare Ziegelstein-Handy der 1990er Jahre hat bereits auch schon seit langem ausgedient.

Die Erfinder des BoringPhone nähern sich der Problematik mit einer radikalen Methode: Eigeninitiative. Sie suchten lange nach einem Telefon, das über keine ablenkenden Funktionen verfügt. Fündig wurden sie im Dschungel der Produktpalette leider nicht. So beschlossen sie kurzerhand, ein eigenes Smartphone zu entwickeln.

Weniger ist mehr

Ihr entwickeltes Smartphone ist so konzipiert, dass es alle Basisfunktionen bietet. Darunter befinden sich etwa Hotspot, Telefonie, sicheres Messaging über den Nachrichtendienst Signal und ein paar Tools wie Kalender und Wecker. Ganz so langweilig ist das BoringPhone dann aber doch nicht. Schließlich befindet sich ein überschaubares Entertainment-Paket mit an Bord. So lassen sich Podcasts, Radio und gespeicherte Musik abspielen. Fotos und Videos können mit einer integrierten 12-MP-Kamera aufgenommen werden. Zur Sicherheit, falls einmal die Ortskenntnisse nicht ausreichen, bietet BoringPhone On- und Offline-Karten. Das war es aber dann schon. Verzichten muss der User gänzlich auf Social-Media-Apps, einen Browser und E-Mail-Dienste.

Das minimalistische Start-Display des BoringPhones.<br />Foto: BoringPhone

Das minimalistische Start-Display des BoringPhones.

Foto: BoringPhone

Dafür ist die Nutzung des BoringPhones sogar ziemlich sicher. Die Möglichkeiten, Userdaten abzugreifen, tendieren da eher in Richtung Null. Das ist nicht nur für Minderjährige eine tolle Option, ihren digitalen Fußabdruck so anonym wie möglich zu halten. Die Ablenkungen werden hier nicht nur nicht mitgeliefert, sie sind soweit außer Reichweite, dass das BoringPhone sogar ohne Kindersicherung auskommt.

Ursprünglich für Kinder konzipiert, kann das BoringPhone nun auch Erwachsenen helfen, sich aus der Spirale sinnlosen Zeitvertreibs zu befreien. Es ist optisch nicht von anderen Smartphones zu unterscheiden. Als Zweittelefon für Atempausen oder dauerhafte Abstinenz. Das BoringPhone kann helfen, Projekte und Selbstfindung durchzuziehen und sich wieder mehr auf das Offline-Leben zu konzentrieren. Derzeit ist das kleine Therapiegerät aber nur auf Kickstarter erhältlich. Nur für gewerbliche Kunden kann direkt über die Webseite des Unternehmens ein Angebot eingeholt werden.

Sobald der Nutzer einen gewissen Abstinenzgrad erreicht, kann das BoringPhone auch auf ein ganz normales Android-System umgestellt werden. Dadurch stehen dann die üblichen Playstore-Angebote und Apps zur Verfügung. Derzeit ist die Freischaltung aber nur über den Postweg möglich. Das Start-Up arbeitet aber bereits an einer Lösung über Fernzugriff.

Das Smartphone verbindet

Ob es nun das erste oder letzte Handy sein soll: BoringPhone ist vielseitig einsetzbar. Noch hat das Start-Up Senioren nicht ausdrücklich angesprochen. Die leichte Bedienbarkeit und wenig unnützes Beiwerk machen das BoringPhone aber auch für ältere Menschen interessant. Damit schließt sich der Kreis um die Basis ebenjener Technologie und wofür sie eigentlich erfunden wurde: Mit unseren Liebsten in Kontakt zu bleiben, egal, ob es nun einer oder hunderte Kilometer sind, die uns trennen.

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