Fachmesse eCarTec 02.11.2012, 19:55 Uhr

Elektroautos: Kombistecker AC-DC soll Steckerchaos beseitigen

„eCarTec – Internationale Leitmesse für Elektromobilität“ – auf dem Münchener Messegelände ging es vergangene Woche um die elektrische Zukunft der Automobilindustrie. Highlight auf dem Weg zu mehr Akzeptanz: ein neuer Kombi-Ladestecker.

AC/DC-Stecker

AC/DC-Stecker

Foto: Phoenix Contact

Die deutschen Autohersteller planen bis zum Jahre 2014 rund fünfzehn E-Auto-Modelle für den Verkauf zu entwickeln, bis 2020 werde laut einer aktuellen Studie jedes zehnte neu verkaufte Fahrzeug ein Elektroauto oder Hybridfahrzeug sein. Wo bislang ganze 4000 Elektroautos auf deutschen Straßen zu suchen sind, sollen es künftig weit mehr sein. Ehrgeizige Absichtserklärungen auf der Messe eCarTec in München.

Doch der Weg dorthin ist noch steinig: „Die Kunden wollen vor allem auch längere Strecken zurücklegen“, erläuterte Frank Dambacher, Leiter Verkabelung der Porsche AG. Die aktuelle Situation: Man müsse die Anzahl der Ladepunkte erhöhen und die Batterie verbessern. „Und wir müssen den Kunden die Reichweitenangst nehmen.“

AC-DC-Stecker: Neuer Ladestecker soll Steckerchaos beseitigen

Ein Vehikel dafür könnte der neue AC-DC-Stecker sein, der sowohl per Wechselstrom (AC) als auch per Gleichstrom (DC) laden kann. Die Automobilhersteller Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen haben ihn in enger Abstimmung mit US-Automobilherstellern und den Entwicklungspartnern Phoenix Contact und Rema entwickelt. Grund genug, diese „Combined Charging“-Lösung letzte Woche mit dem Bayerischen Staatspreis für Elektromobilität auszuzeichnen.

Die neue Ladelösung hat einen hohen Anspruch: Sie soll das aktuelle Steckerchaos beseitigen. Mehr noch: „Wir wollen eine weltweite Ladetechnik anbieten“, erklärten Vertreter der Automobilhersteller in München.

Während Europa sich mittlerweile am Automobil auf den Stecker Typ 2, der AC ein- und dreiphasig laden kann, verständigt hat, setzten Japan und die USA auf den Typ 1. Der neue Kombistecker vereint den Typ-2-Stecker vom Pionier Menneckes mit zwei Pins für die Gleichstromladung. Damit lässt er mehrere Ladevarianten zu, wie BMW beschreibt: „Er vereint einphasiges Laden mit Wechselstrom, schnelles Wechselstromladen mit Drehstromanschluss, Gleichstromladen für zu Hause und ultraschnelles Gleichstromladen an Stromtankstellen mit nur einer Schnittstelle zum Fahrzeug.“

„Sie können damit tagsüber auf der Arbeit oder nachts in der Garage AC laden und bei Bedarf DC auf der Autobahnraststätte“, erklärte Cornel Pampu vom Softwarespezialisten Carmeq. Das Erstere könne dann bis zu 8 h in Anspruch nehmen, Letzteres ist in rund 20 min erledigt – je nach Fahrzeug und Batterietyp. „Ein Kaffee an der Raststätte und schon können Sie weiterfahren“,so argumentieren Protagonisten wie Pampu.

Golf und BMW bringen 2013 erste E-Autos mit AC-DC-Stecker auf den Markt

Beim Entwickler der AC-DC-Steckdose, bei Phoenix Contakt, kennt Thorsten Temme aus der Technologieabteilung noch andere wichtige Merkmale des neuen Steckers: „Er passt genau in die Öffnung des Tankstutzen.“ Wichtig sei jedoch vor allem auch eine Arretierung, die das Kabel speziell beim Gleichstromladen fixiere. „Sonst könnten Sie gefährliche Lichtbögen ziehen.“

Am Stand der Initiative Ladeschnittstelle war in München ein junger Mann sehr beschäftigt. „Bitte nicht die Tür öffnen“, versuchte er Besucher der eCarTec von einer genauer Inspektion des e-Up abzuhalten. „Hier hinten spielt die Innovation“, erklärte er und deutete auf den Ladestecker am Fahrzeug und die Musterladesäule. Nicht der kleine e-Up – und damit eines der wenigen deutschen Elektroautos auf der Messe – sollte hier gezeigt werden, sondern eben die Ausstattung mit dem neuen Steckertyp.

„Der e-Up, der e-Golf und der BMW i3 werden 2013 mit dem neuen Kombi-Inlet auf den Markt kommen“, versprach Nicolai Krämer, Leiter der Connected eMobility bei BMW, stellvertretend auch für seine Kollegen von den anderen Automobilherstellern, „ebenso wie GM und Opel mit ihren Fahrzeuge.“

AC-DC-Stecker: Warten auf ein Zeichen aus Japan und China

Ob es das Combined Charging tatsächlich auf den ganzen Globus schafft, muss abgewartet werden. Da sich die Acea, die European Automobile Manufacturers Association, zum neuen Steckertyp bekannt hat, dürften auch die französischen Hersteller bald mit von der Partie sein. Transatlantisch – also in den USA und in Europa – scheint der AC-DC-Stecker zu punkten. Jetzt hoffen die Protagonisten noch auf Zeichen aus Japan und China.

Fest steht: Einen weiteren Vorteil hält die Lösung bereits parat. „Die Kommunikation beim Combined Charging ist für intelligentes Laden präpariert“, berichtete Axel Willikins, Leiter der Hardware & Charging bei Daimler. Als Kommunikationstechnik haben sich die Automobiler für Powerline, also die Datenübertragung übers Stromkabel, entschieden. Das sei bewährte Technik, auf der dann klassische Internettechnik aufgesetzt werden kann. Und Willikins kennt den Nutzen: „So können Kunden beispielsweise gezielt grünen Strom oder auch gezielt Mengen laden“, und er ergänzte: „Im intelligenten Laden liegt die Zukunft.“

Nur so nämlich lassen sich Elektrofahrzeuge mit dem Smart Grid der Energieversorger verbinden, nur so lassen sie sich im Sinne der Energiewende einsetzen, um beispielsweise Überkapazitäten von Wind- oder Sonnenstrom zu puffern.

Dem allerdings widerspricht die ultraschnelle Gleichstromladung, die prompten Strom unabhängig von der Verfügbarkeit aus regenerativen Quellen verlangt. Das wissen auch Experten aus dem Bereich Energiemanagement wie Carl Tille, Vice President Electromobility von Schneider Electric. „Glücklicherweise laden jedoch 80 % aller E-Auto-Besitzer nachts zu Hause oder tagsüber auf der Arbeit.“ 

Von Regine Bönsch

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