Wohnen 07.10.2011, 12:06 Uhr

Wohnungsgenossenschaften: Familien und Besserverdienende anlocken

Bei Wohnungsgenossenschaften denken viele an triste Mietskasernen. Doch die gemeinwirtschaftlichen Unternehmen investieren kräftig in ihren Bestand. Neue oder kernsanierte Häuser sowie zusätzliche Betreuungsangebote sollen vermehrt auch junge Familien und Besserverdienende anlocken.

Die Bewohner der Hattinger Südstadt haben sich an den Anblick der Krane, Bagger und Gerüste gewöhnt. Seit 2007 modernisiert die Wohnungsgenossenschaft HWG in diesem Wohnquartier ihren Bestand von rund 1000 Wohnungen. Die Häuser stammen aus den 50er-Jahren und sind sowohl unter energetischen Aspekten, als auch mit Blick auf ihre Grundrisse modernisierungsbedürftig, erläutert HWG-Vorstand David Wilde das 60 Mio. € teure Projekt.

Die bereits fertig gestellten Häuser erkennt man an dem neuen ansprechenden Design der Fassaden. Sie sind mit Wärmedämmung ausgestattet, besitzen terrassenähnliche Balkons. Innen wurden Wände eingerissen und Wohnungen zusammengelegt, Böden, Küchen und Bäder auf den neuesten Stand gebracht.

Wohnungsgenossenschaften setzen auf ökologische Erneuerung ihres Bestands

Der Aufwand habe sich nicht nur für die Bewohner gelohnt, sagt Wilde. „Auch das Quartier und die Genossenschaft haben bereits von der ökologischen Erneuerung profitiert“, so Wilde. Früher war die Gegend als „Klein Korea“ verschrien. Kaum einer der Hattinger Bürger wollte dort wohnen. Das hat sich inzwischen deutlich geändert.

So wie der HGW geht es vielen der über 2000 Wohnungsgenossenschaften. Ein großer Teil ihres Bestands stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie sind nicht nur energetisch renovierungsbedürftig, sondern entsprechen kaum noch Ansprüchen heutiger Mieter.

In den letzten zehn Jahren habe sich da aber bereits viel geändert, meint Monika Kegel. Über 65 % der Wohnungen sind seit 1990 energetisch voll- oder teilmodernisiert worden, erklärt die Genossenschaftsreferentin beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in Berlin (GdW).

Neben der baulichen Anpassung und der Bereitstellung von barrierefreiem Wohnraum werden auch innovative Wohnformen entwickelt. Ziel ist es, junge Mitglieder und Familien an die Genossenschaft zu binden, neue Mitglieder zu gewinnen.

Zwar liegt das Durchschnittsalter der Mieter noch immer etwas höher als bei anderen Wohnungsanbietern – über 40 % sind älter als 60 Jahre – aber die Genossenschaften holen auf. „Wir streben eine buntere Mischung in der Mieterstruktur an – Jung neben Alt und auch Menschen mit höheren Einkommen gehören zur Zielgruppe“, sagt Dirk Lönnecker.

Der Vorstand der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG. hat vor fast sechs Jahren gemeinsam mit Kollegen Wohnungsbaugenossenschaften eine bundesweite Marketinginitiative. Ihr Ziel ist es, das Image der genossenschaftlichen Idee aufzupolieren. Um die eigene Arbeit transparenter zu machen, setzt beispielsweise der Altonaer Spar- und Bauverein eG neben Ansprechpartnern in den einzelnen Wohngebieten auf neue Kommunikationstechniken wie Podcasts im Internet oder ein Chat mit dem Vorstand.

Marketinginitiative soll Image von Wohnungsgenossenschaften aufpolieren

Wohnungsbaugenossenschaften sind über die ganze Republik verteilt, es gibt viele Große aber auch kleine Genossenschaften, auf dem Land wie in Großstädten, in den alten wie in den neuen Bundesländern. Rund 50 % der Wohnungsgenossenschaften haben weniger als 500 Wohnungen in ihrem Bestand. „Wir müssen deutlich machen, dass wir ein anderes Geschäftsmodell haben als die Mitbewerber mit ihren Kapitaleignern, die jedes Jahr 20 % Rendite sehen wollen“, sagt Lönnecker. Bei den Genossenschaften gehe die erwirtschaftete Rendite zu einem großen Teil an die Mitglieder und in die Modernisierung der Wohnungen.

Die Genossenschaften seien aber nicht nur dafür prädestiniert, die energetischen Herausforderungen in ihren Häusern zu meistern, sondern unterstützten mit ihren vielfältigen Initiativen zugleich auch die Kommunen bei der Bewältigung des demografischen Wandels, erläutert GdW-Referentin Kegel. „In Ostdeutschland haben die Genossenschaften mitgeholfen, den Leerstand zu reduzieren und damit die Quartiere zu stabilisieren. Und in vielen Städten unterstützen sie mit ihrer Idee des nachbarschaftlichen Wohnens und zusätzlichen Serviceangeboten junge Familien und ältere Menschen im täglichen Leben.“

So wie die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 bieten inzwischen viele Unternehmen Treffpunkte für ihre Mitglieder an, um der Vereinsamung und Vereinzelung der Bewohner in der Großstadt entgegenzuwirken. Zusätzlich gibt es für Familien mit Kindern oft einen genossenschaftlichen Kindergarten, Betreuungen bei den Hausaufgaben oder gemeinsame Ferienaktivitäten.

Genossenschaften wie beispielsweise die Wohnungsbau und Siedlungswerk Werkvolk eG im bayrischen Amberg haben darüber hinaus ein Angebot für Senioren eingerichtet, das neben gemeinsamen Mahlzeiten, Ausflügen und ein Internetcafe auch Unterstützung bei der Organisation der Pflege bietet.

Manche Wohnungsgenossenschaften bieten Betreuungsangebote für Senioren

Ein Betriebskostenmanagement, gekoppelt mit einem Energiemanagement, sorgt dafür, dass die Wohnungen für die Mitglieder auch langfristig bezahlbar bleiben. Die Mitglieder können zusätzliche Genossenschaftsanteile erwerben, um die Wohnkosten im Alter zu reduzieren.

Auch für den Umzug in eine andere Stadt bieten einige Genossenschaften eine Lösung: Der Wohnungswechsel war bislang nicht so einfach. Oft mussten die Mitglieder nach der Kündigung bis zu zweieinhalb Jahre auf die Rückzahlung ihrer Anteile warten – aber gleichzeitig bei der neuen Genossenschaft sofort Geschäftsanteile zeichnen. Unter dem Motto „leichter wechseln – damit kein Mitglied verloren geht“ starteten 44 Mitgliedsunternehmen einen flexiblen Wohnungstausch. Die bisherigen Geschäftsanteile können an die neue Genossenschaft abgetreten werden, so dass nur noch Differenzbeträge anfallen.

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