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Mehrheit sieht keinen Bedarf mehr beim Klimaschutz im eigenen Haus

17. November 2025

Gebäudesanierung
Eine Gebäudesanierung sehen nur die Wenigsten noch als sinnvolle Maßnahme zum Klimaschutz ein. Ein alarmierendes Zeichen. Foto: Smarterpix / pox.na.vse.mail.ru
Klimaschutz im Gebäudesektor stockt: Neue Zahlen zeigen sinkende Zustimmung der Bevölkerung. Warum das gefährlich ist – und was jetzt passieren muss.
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Deutschland diskutiert über Klimaschutz, aber im eigenen Haus drücken viele auf stur. Eine neue Umfrage zeigt einen Trend, der Politik und Energieexperten alarmiert: Immer mehr Menschen sind überzeugt, dass im Gebäudesektor kaum noch CO₂ eingespart werden muss – ausgerechnet dort, wo der Hebel am größten ist.

Die Daten entlarven eine wachsende Müdigkeit gegenüber Klimaschutzmaßnahmen, ausgelöst durch politische Scharmützel, schlechte Kommunikation und reale Sorgen über Kosten und Machbarkeit. Doch der Gebäudebestand ist kein Nebenschauplatz. Er entscheidet maßgeblich darüber, ob Deutschland seine Klimaziele erreicht oder sie endgültig verfehlt.

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Inhaltsverzeichnis

Bewusstsein für Klimaschutz sinkt

Die Zahlen stimmen bedenklich: Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) mit 5000 Teilnehmenden ab 18 Jahren zeigt: Die Zustimmung zu Klimaschutzmaßnahmen sinkt weiter.

Erstmals sagen rund 42 % der Befragten, dass in keinem der großen Sektoren – Verkehr, Industrie, Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Gebäude – noch nennenswert CO₂ eingespart werden müsse. Nur 15,4 % sehen im Gebäudebereich weiteren Handlungsbedarf. Mit anderen Worten: Ausgerechnet dort, wo der Hebel besonders groß ist, sehen die wenigsten ein Problem.

BuVEG-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs findet dafür klare Worte: „Diese Entwicklung ist alarmierend. Was die Zukunftsfähigkeit des Gebäudebestands betrifft, wurde in den vergangenen Jahren leider sehr viel Porzellan zerschlagen.“

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Gebäudebestand ist alles andere als ein Nebenschauplatz.

Rund 30 % aller Gebäude in Deutschland gehören zu den schlechtesten Energieeffizienzklassen. Sie verursachen etwa 40 % der CO₂-Emissionen im Gebäudebereich. Gleichzeitig liegt die Sanierungsquote bei nur etwa 0,7 % pro Jahr. Erforderlich wären eher 2 %, um bis 2045 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen – also etwa das Drei­fache. Das ist das Ergebnis einer Prognos-Studie aus dem Jahr 2024.

Aus technischer Sicht ist das Ziel erreichbar. Die Studie zeigt: Mit heute verfügbaren Lösungen – bessere Gebäudehülle, erneuerbare Heizsysteme und Effizienztechnik – lassen sich die Emissionen im Gebäudesektor deutlich senken. Aber der Weg dorthin ist zäh, weil wichtige Entscheidungen Jahrzehnte nachwirken.

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Bauteile wie Dach, Fassade oder Fenster haben Lebensdauern von 40 bis 60 Jahren. Wer heute „nur schnell“ die alte Gastherme ersetzt, ohne die Hülle anzufassen, verbaut sich für lange Zeit bessere Optionen.

Hinrichs erläutert: „Dabei würde eine ambitionierte Strategie für energetische Sanierungen nicht nur dem Klimaschutz helfen, sondern ist auch ein entscheidender Faktor für den Wert der Immobilien und schützt die Bewohner vor hohen Energiekosten.“

Warum so viele innerlich „Nein“ sagen

Die Umfragewerte sind kein Zufall. Im Alltag prallen mehrere Ebenen aufeinander:

  • Kostenangst: Viele Eigentümer rechnen zuerst im Kopf: fünfstellige Investition, unsichere Förderung, steigende Baupreise. Das überdeckt häufig den Blick auf die laufenden Kosten über 20 oder 30 Jahre.
  • Regeldschungel: GEG, BEG, Wärmeplanung, CO₂-Preis – die Abkürzungen sind vielen Menschen egal, sie bleiben als diffuse Bedrohung hängen.
  • Handwerkerknappheit: Selbst wer sanieren will, scheitert oft schon an vollen Auftragsbüchern.
  • Vertrauensverlust: Der Streit um das Gebäudeenergiegesetz hat Vertrauen gekostet. Ständige Nachbesserungen vermitteln keinen stabilen Rahmen.

Was Klimaschutz im Haus konkret heißt

Hinter dem politisch aufgeladenen Schlagwort „Gebäudesanierung“ stecken ziemlich handfeste technische Stellschrauben. Für ein einzelnes Haus sieht das nüchterner aus, als es die Debatte vermuten lässt.

  1. Hülle: Wärmeverluste reduzieren
  • Dämmung von Dach, Außenwänden und Kellerdecke
  • moderne Fenster mit guter Verglasung und dicht schließenden Rahmen

Bei zweischaligem Mauerwerk kann etwa eine Einblasdämmung eine vergleichsweise kostengünstige Option sein. Die Technik ist simpel: Dämmstoff wird in den Hohlraum eingeblasen und reduziert so den Energieverlust über die Wand.

  1. Heizung: Weg von der Flamme, hin zur Umweltwärme
  • die Vorlauftemperaturen gesenkt werden können
  • Heizflächen angepasst oder erweitert werden
  • die Hülle zumindest auf ein vernünftiges Niveau gebracht wird

Auch kleinere Maßnahmen wie hydraulischer Abgleich, Pumpentausch oder eine saubere Regelung bringen spürbare Effekte. Sie sind technisch unspektakulär, aber für viele Häuser ein sinnvoller Einstieg.

  1. Strom, Licht, Steuerung

Politik: Viele Instrumente, zu wenig Tempo

Parallel dazu haben Bund und EU in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Gesetzen und Programmen aufgelegt, um den Gebäudesektor auf Kurs zu bringen. Dazu gehören unter anderem:

  • das Gebäudeenergiegesetz (GEG) mit der 65-%-Regel für neue Heizungen
  • das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) mit Einsparzielen für den Energieverbrauch
  • das Gesetz zur Wärmeplanung, das Kommunen verpflichtet, langfristige Wärmekonzepte zu erstellen
  • die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW)

Hinzu kommt der nationale Emissionshandel für den Wärmemarkt. Vermieter und Mieter teilen sich die CO₂-Kosten je nach Effizienzklasse des Gebäudes. Damit soll ein Preissignal entstehen, das Sanierungen attraktiver macht.

Auf dem Papier ist also Bewegung da. Die Auswertung verschiedener Szenarien zeigt aber: Die bisherigen Instrumente reichen nicht aus, um die Sanierungsrate auf das nötige Niveau zu bringen. Besonders energetisch schlechte Gebäude, oft Einfamilienhäuser im Bestand, bleiben zu oft außen vor.

Die Prognos-Studie schlägt diesen Mix vor:

  • gezieltere Förderung, insbesondere für „Worst Performing Buildings“ und Haushalte mit geringem Einkommen
  • steuerliche Anreize, etwa Abschreibungen für Sanierungen
  • Zweckbindung von CO₂-Einnahmen für Sanierungsprogramme und Klimageld
  • bessere Informationen, Beratung und einfachere Prozesse – etwa über One-Stop-Shops, die Planung, Förderung und Umsetzung bündeln


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