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Bau

Start-up entwickelt feuerfestes Dämmmaterial aus Industriemüll

16. Oktober 2019

Schmuckbild von Asche
Foto: panthermedia.net/AngelicaCorneliussen
Ein Spin-off der ETH Zürich möchte Industrieabfälle nutzen, um einen günstigen und nachhaltigen Dämmstoff herzustellen. Bedarf gäbe es – zumal der Dämmstoff gefragte Eigenschaften besitzen soll.
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Industriemüll ist eine Sonderform des Abfalls, der bei der industriellen Güterverarbeitung entsteht und sich auf unterschiedliche Art und Weise weiterverarbeiten lässt. Ist eine Weiterverarbeitung nicht möglich, muss der Industriemüll zu hohen Kosten auf einer Sonderabfalldeponie gelagert oder verbrannt werden. Die FenX AG, ein Start-up mit Sitz in Zürich, hat mit dem Industriemüll nun etwas ganz Besonderes vor: Der Sonderabfall wird in einen porösen Schaum verwandelt, der zur Isolation von Gebäuden verwendet werden soll. Der poröse Schaumstoff ist im Vergleich zu anderen, nachhaltigen Dämmstoffen nicht brennbar und lässt sich zudem äußerst kostengünstig herstellen.

Küchenmixer stellt Schaumstoffs aus Sonderabfall her

Die junge Firma FenX AG hat auf Basis ihrer Forschungsergebnisse einen neuartigen Prozess entwickelt. Mit diesem lassen sich aus industriellem Abfall spezielle Isolationsmaterialien herstellen. Diese Dämmmaterialien können nachhaltig und kostengünstig produziert werden, sind auf keinen Fall brennbar und zudem leicht. Trotz seiner besonderen Eigenschaften wird der poröse Schaumstoff an der Hochschule ETH Hönggerberg in einem gewöhnlichen Gerät hergestellt – einem großen Küchenmixer. Das ist gut für die künftige Anwendungsreife, denn es werden keine speziellen Geräte für die Produktion benötigt und der Herstellungsprozess an sich ist relativ simpel und leicht verständlich. Der industrielle Abfall wird einfach mit Wasser und einigen anderen Zusatzstoffen (sie gelten als Geheimzutaten) vermischt. Dadurch entsteht ein überaus poröser Schaumstoff, der sich kurze Zeit später zu einem besonders leichten und effektiven Dämmmaterial verfestigt. Die Geheimzutaten sind das Ergebnis einer jahrelangen Forschung der vier Firmengründer.

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Aktuell untersuchen die Materialwissenschaftler der FenX AG, welche Arten von Industrieabfall sich im Detail zu dem porösen Schaumstoff weiterverarbeiten lassen. In ihren ersten Tests verwendeten die Wissenschaftler Flugasche. Später sollen noch viele weitere Arten von Sondermüll aus der Metall-, Papier- und Bauindustrie weiterverarbeitet werden können. Aktuell experimentiert das junge Start-up mit 10 unterschiedlichen Arten von Industriemüll. Laut CEO Etienne Jeoffroy soll im Optimalfall immer genau der Rohstoff zu Schaumstoff weiterverarbeitet werden können, der am jeweiligen Einsatzort zur Genüge vorhanden ist. Dadurch entstehen weder ökonomisch noch ökologisch sinnlose Transportkosten und die Produktion lässt sich prinzipiell überall durchführen.

Herkömmliche Dämmstoffe haben mehrere Nachteile

Jeder Hausbauer muss sich über eine passende Dämmung Gedanken machen und steht vor einer schweren Entscheidung: Entweder kommen künstliche Dämmstoffe wie Steinwolle oder Styropor zum Einsatz oder es werden natürliche Dämmstoffe wie Flachs oder Holzfasern verwendet. Künstliche Dämmstoffe lassen sich kostengünstig und effizient herstellen, sie sind aber nicht gerade nachhaltig. Die natürlichen Dämmmaterialien sind im direkten Vergleich dazu zwar ökologisch sinnvoller, jedoch in der Herstellung um einiges teurer und meistens nicht ganz so effizient. Zudem haben einige gängigen Dämmmaterialen ein weiteres Problem: Sie sind leicht brennbar. Konventionelle Glaswolle beginnt bei etwa 700 °C zu schmelzen, Steinwolle ist hingegen gegenüber Temperaturen bis zu etwa 1.000 °C beständig. Dämmung aus Altpapier zum Einblasen oder der Aerobrick, ein Ziegelstein, der so gut wie kein anderer auf der Welt dämmen soll, sind weitere Meilensteine in der Entwicklung.

Wer ist die FenX AG?

Die FenX AG ist eines der vielen Spin-offs der ETH Zürich. Die weltbekannte technisch-naturwissenschaftliche Hochschule wurde 1855 gegründet. Seit den 1990er-Jahren unterstützt die Hochschule aktiv die Gründung junger Unternehmen. Auf Basis langjähriger Forschungsergebnisse werden marktreife Produkte entwickelt. Seit 1996 sind mehr als 400 Spin-offs entstanden. Die FenX AG wurde im Mai 2019 gegründet und konzentriert sich auf die Entwicklung und Produktion von Isolationsmaterialien und Baustoffen für die Bauindustrie. Das Start-up verfolgt ein ehrgeiziges Ziel, denn es entwirft Schaumprodukte aus natürlichen Materialien und ohnehin verfügbaren Abfällen.

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Isolieren mit Industriemüll – ein Start-up vor dem Durchbruch?

Der von der FenX AG entwickelte, neuartige Dämmstoff sollte der Bauwirtschaft mehrere Vorteile bringen. Doch das junge Unternehmen muss zuerst noch einige Herausforderungen meistern. Die Produktionskapazitäten müssen in jedem Fall massiv erhöht werden, damit der Dämmstoff auf dem Markt überhaupt eine Rolle spielen kann. Ein großer Küchenmixer in einem Hochschullabor reicht selbstverständlich dafür nicht aus. Zukünftig muss die Herstellung in einer größeren Fabrik erfolgen und zu diesem Zweck ist die FenX AG auf einen Partner angewiesen. Laut Aussagen des Geschäftsführers sind die Chancen zeitnah einen passenden Partner zu finden, recht gut. Generell ist das bisherige Interesse an dem an der ETH entwickelten Schaumstoff sichtbar positiv und die FenX AG ist mittlerweile an einigen Pilotprojekten beteiligt. Selbstverständlich ist das junge Start-up, falls es weiterwachsen möchte, auch auf zusätzliches Kapital angewiesen.

In der Vergangenheit erfolgte die Finanzierung zum einen über europäische sowie nationale Zuschüsse und zum anderen über die finanziellen Mittel aus dem „ETH Pioneer Fellowship“. Bis spätestens April 2020 möchte die FenX AG weitere 1,5 Millionen Schweizer Franken einsammeln. Sollte dies gelingen, möchte das Unternehmen mit seinen innovativen Schaumplatten spätestens 2021 auf dem Markt sein. Gemäß diesem überaus ehrgeizigen Fahrplan will das junge Unternehmen auch personell deutlich wachsen. Aktuell besteht die FenX AG aus 4 Jungunternehmern. Alle 4 kennen sich seit Jahren und arbeiteten bereits während ihres Studiums zusammen. Unterstützt werden die Jungunternehmer von ihrem ETH-Professor und einem externen Berater. Die Firmengründung war die Konsequenz einer gemeinsamen Überzeugung: Alle 4 wollen mit ihrem Produkt dazu beitragen, den CO2-Fussabdruck der Baubranche zu verringern.

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