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Bosch macht Autogeschäft eigenständig, was wird aus der Milliardenforschung?

23. Oktober 2026

Nahaufnahme eines modernen Bosch-Gebäudes mit weißer Fassade, langen Fensterbändern und rotem Bosch-Schriftzug unter blauem Himmel.
Bosch stellt seine Konzernstruktur neu auf. Der Geschäftsbereich Mobility soll mehr unternehmerische Freiheiten erhalten, während die zentrale Forschung weiterhin unter dem Dach der Robert Bosch GmbH bleibt. Foto: Bosch
Bosch macht sein Autogeschäft eigenständig. Die zentrale Forschung bleibt. Was bedeutet das für 5,9 Mrd. € Forschungs- und Entwicklungskosten?
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Bosch baut seinen Konzern um. Das Autogeschäft soll eigenständiger werden, die zentrale Forschung bleibt dagegen in der Robert Bosch GmbH. Dabei geht es um Milliarden: Rund 75 % der Forschungs- und Entwicklungskosten entfallen auf Mobility. Wer entscheidet künftig über gemeinsame Technologieprojekte?

Bosch will neue Technologien schneller auf den Markt bringen. Dafür stellt der Konzern seine Organisation um. Der größte Geschäftsbereich Mobility soll künftig als eigenständige Tochtergesellschaft geführt werden. Die zentrale Forschung und Vorausentwicklung bleiben dagegen unter dem Dach der Robert Bosch GmbH.

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Für die Entwicklung neuer Produkte ist das eine interessante Konstellation. Denn Bosch forscht an vielen Technologien, die anschließend in unterschiedlichen Geschäftsbereichen genutzt werden. Das gilt beispielsweise für künstliche Intelligenz, Halbleiter und automatisiertes Fahren. Die Neuordnung soll den operativen Einheiten mehr Entscheidungsfreiheit verschaffen. Wie Bosch künftig gemeinsame Forschungsprojekte finanziert und steuert, erläutert das Unternehmen bislang nicht.

Inhaltsverzeichnis

5,9 Mrd. € für Forschung und Entwicklung im Autogeschäft

Welche Bedeutung Mobility für die technische Entwicklung des Konzerns hat, zeigen die Zahlen für 2025. Bosch gab insgesamt 7,883 Mrd. € für Forschung und Entwicklung aus. Das entspricht 8,7 % des Konzernumsatzes.

Drei Viertel dieser Kosten entfielen auf Mobility. Rechnerisch sind das rund 5,9 Mrd. €. Damit ist der Geschäftsbereich auch bei Forschung und Entwicklung das mit Abstand größte Schwergewicht im Konzern. Das Geld floss unter anderem in Elektrifizierung, Brennstoffzellentechnik, Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren. Weitere Schwerpunkte waren Fahrzeugelektronik, Halbleiter und Sensoren.

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Die 5,9 Mrd. € sind allerdings nicht das Budget der zentralen Bosch-Forschung. In den Zahlen stecken auch die Kosten für die Entwicklung konkreter Produkte innerhalb der Mobilitätssparte. Die Aufwendungen sind dem Geschäftsbereich bereits heute zugeordnet.

Durch die Ausgliederung soll Mobility mehr Freiheiten erhalten, solche Mittel gezielt einzusetzen. Wie weit die neue Eigenständigkeit bei Forschungs- und Entwicklungsentscheidungen reicht, ist noch nicht konkretisiert.

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Die bisherige Organisation von Bosch: Mobility und die drei zentralen Servicebereiche sind noch direkt in die Robert Bosch GmbH eingebunden. Andere Geschäftsbereiche verfügen bereits über eigenständige Gesellschaften. Foto: Bosch

1650 Forschende arbeiten an Technologien für den gesamten Konzern

Bosch beschäftigt weltweit rund 82.000 Menschen in Forschung und Entwicklung. Die meisten arbeiten in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen an neuen Produkten, Systemen und Verfahren.

Daneben gibt es Bosch Research, die zentrale Forschungsorganisation des Konzerns. Dort beschäftigen sich rund 1650 Fachleute an zehn Standorten in fünf Ländern mit Technologien, die häufig erst einige Jahre später in Produkten eingesetzt werden.

Zu den Forschungsgebieten zählen künstliche Intelligenz, Automatisierung, Digitalisierung, Elektrifizierung, Nachhaltigkeit und Gesundheitstechnologien. Bosch Research soll dabei keine isolierte Forschungsabteilung sein. Das Unternehmen beschreibt die Zusammenarbeit mit den operativen Bereichen ausdrücklich als wesentlichen Bestandteil seiner Entwicklungsarbeit:

„Kurze Wege von der Grundlagenforschung zur Produktentwicklung sind durch die enge Einbindung der Geschäftsbereiche in unsere Forschungsprojekte garantiert.“ So formuliert es Bosch auf seiner Website zur Organisation von Bosch Research. Die zentrale Forschung entwickelt also nicht einfach Technologien und übergibt sie anschließend an andere Abteilungen. Forschende und Produktentwickler arbeiten bereits während der Projekte zusammen.

Wie Bosch-Forschung und Produktentwicklung zusammenarbeiten

Ein Beispiel liefert der Standort Hildesheim. Dort befinden sich Forschungsabteilungen auf dem Gelände eines Bosch-Werks für elektrische Antriebe. Auch ein Entwicklungszentrum ist dort angesiedelt. Die Forschenden beschäftigen sich unter anderem mit künstlicher Intelligenz, Bildverarbeitung und Kommunikationstechnologien für Fahrzeuge. Dazu gehören Verfahren, mit denen Fahrerassistenzsysteme ihre Umgebung erkennen können.

Beim automatisierten Fahren müssen beispielsweise Kamerabilder ausgewertet, Verkehrsteilnehmer erkannt und kritische Situationen eingeschätzt werden. Dafür reicht ein guter Algorithmus allein nicht aus. Er muss mit Sensoren, Fahrzeugrechnern und anderen elektronischen Systemen zusammenarbeiten. Bosch verweist deshalb auf die räumliche Nähe zum Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions. Sie erleichtere die gemeinsame Arbeit an Hard- und Software für Fahrerassistenzsysteme.

So will sich Bosch ab August 2027 organisieren
So will sich Bosch ab August 2027 organisieren: Mobility und drei zentrale Servicebereiche werden eigenständige Tochtergesellschaften. Konzernführung und zentrale Forschung verbleiben in der Robert Bosch GmbH. Foto: Bosch

Bosch will Entscheidungen beschleunigen

Die Umstrukturierung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Automobilgeschäft unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Mobility erzielte 2025 einen Umsatz von 55,8 Mrd. € und erwirtschaftete damit rund 60 % des Konzernumsatzes. Die operative EBIT-Rendite sank allerdings von 3,8 % auf 1,8 %. Maßgeblich belastet wurde das Ergebnis durch zusätzliche Restrukturierungsaufwendungen von 1,94 Mrd. €.

Bosch reagiert bereits seit Längerem mit Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen. Über den umfangreichen Stellenabbau im deutschen Automobilgeschäft berichtete ingenieur.de bereits im Februar 2026.

Die nun angekündigte Ausgliederung ist davon zu unterscheiden. Sie betrifft zunächst die rechtliche und organisatorische Aufstellung des Konzerns. Christian Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, begründet den Schritt mit der internationalen Konkurrenz:

„Das Umfeld in unseren Märkten wird anspruchsvoller. Neue Konkurrenten, vor allem aus Asien, erhöhen den Wettbewerbsdruck. Für uns bei Bosch heißt das: Wir müssen Innovationen noch schneller in den Markt bringen, Strukturen und Prozesse spürbar vereinfachen und insgesamt noch mehr Tempo machen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu behaupten.“

Mobility soll künftig stärker als ein zusammenhängender Geschäftsbereich handeln können. Dazu gehören schnellere Entscheidungen, eine gezieltere Verwendung von Finanzmitteln sowie größere Spielräume für Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle.

Welche Wachstumsfelder dabei eine Rolle spielen, zeigt etwa das Nutzfahrzeuggeschäft. Bosch setzt dort auf elektrische Antriebe, Software und automatisiertes Fahren. Wie das Unternehmen mit Technik für schwere Lkw seinen Umsatz bis Mitte der 2030er-Jahre verdoppeln will, hat ingenieur.de bereits ausführlich beschrieben.

Was ändert sich für die Ingenieurinnen und Ingenieure?

Mit der Neuordnung werden die deutschen Aktivitäten von Mobility sowie die zentralen Servicebereiche Bosch Digital, Global Business Services und Global Real Estate in vier eigenständige GmbHs überführt. Sie bleiben vollständig im Besitz der Bosch-Gruppe.

Rund 62.500 Beschäftigte sollen in die neuen Gesellschaften wechseln. Ihre Arbeitsverträge sollen dabei übergehen. Die Robert Bosch GmbH soll künftig vor allem die Konzernzentrale sowie die zentrale Forschung und Vorausentwicklung umfassen. Dort sind derzeit insgesamt mehr als 3000 Menschen beschäftigt.

Die neuen Tochtergesellschaften sollen am 1. August 2027 ihre operative Arbeit aufnehmen. Bis Ende 2027 will Bosch den Umbau abgeschlossen haben. Für die Forschung ist vor allem die neue Aufgabenverteilung zwischen Konzernzentrale und Geschäftsbereichen relevant. Die Zentrale soll stärker die strategische Richtung vorgeben. Mobility erhält dagegen mehr Freiheiten im operativen Geschäft.

Das betrifft einen Bereich, der bereits heute rund drei Viertel der konzernweiten Forschungs- und Entwicklungskosten verursacht. Die genaue Aufteilung der Entscheidungsrechte für gemeinsame Technologieprojekte hat Bosch noch nicht veröffentlicht.

Die Forschung bleibt – die Verantwortung wird neu verteilt

Bosch Research soll weiterhin Technologien für den gesamten Konzern entwickeln. Das ist gerade bei künstlicher Intelligenz und Automatisierung sinnvoll, denn entsprechende Verfahren lassen sich in ganz unterschiedlichen Produkten einsetzen.

So baut Bosch auch außerhalb des Autogeschäfts neue Technologiefelder auf. Ein Beispiel ist die Robotik, in der sich Kompetenzen aus Fahrzeugtechnik, Sensorik und Software nutzen lassen. Über die Robotikoffensive von Bosch und die Bedeutung chinesischer Partner hat ingenieur.de im Juni berichtet.

Solche Entwicklungen erklären, weshalb Bosch an einer zentralen Forschungsorganisation festhält. Sie kann technisches Wissen bündeln und für mehrere Geschäftsbereiche verfügbar machen. Gleichzeitig soll Mobility künftig eigenständiger entscheiden können, in welche Innovationen und Wachstumsfelder investiert wird.

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