Bosch startet globale Robotikoffensive – China spielt eine wichtige Rolle
Während das Automobilgeschäft schwächelt, setzt Bosch verstärkt künftig auf Roboterkomponenten. Das Unternehmen kann hier bereits auf eigene Expertise aufbauen.
In der Intralogistik kommen humanoide Roboter oft ohne Beine aus. Das bild zeigt einen humanoider Roboter von Bosch Rexroth auf einer mobilen Plattform (AMR -Autonomous Mobile Robot).
Foto: Bosch Rexroth AG
Wo in Schwäbisch Gmünd einst Beschäftigte der Automobilsparte von Bosch arbeiteten, ist kürzlich der chinesische Roboterhersteller Estun Robotics mit seiner Deutschlandzentrale eingezogen. Gleichzeitig will nun auch der Bosch-Konzern künftig stärker vom potenziellen Wachstumsmarkt der Robotik profitieren, nachdem das Kerngeschäft Automotive schrumpft. Der Konzern setzt dabei auf vorhandene Kompetenzen und neue Partnerschaften, wie Anfang Juni auf der Bosch Connected World (BCW) zu hören war.
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Autonomes Fahren und mobile Roboter haben für Stefan Hartung viel gemeinsam. In Berlin sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH: „Hoch entwickelte Sensorik, Software und die effiziente Umwandlung elektrischer Energie in Bewegung sind nicht nur technologische Verwandte der automatisierten Mobilität – sie sind die Grundpfeiler moderner Robotik.“
Synergien zwischen Automobilindustrie und Robotik
Wie kurz zuvor der Automobilzulieferer Schaeffler will auch Bosch nun in der Robotik aktiver werden. Die Grundvoraussetzungen sind ähnlich. Beide Unternehmen sehen Synergien zur Automobilindustrie, ihren bisherigen Geschäftsfeldern und ihren Produktionskompetenzen.
Hartung drückte es nun so aus: „Wir kombinieren bewährte Technologien aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen mit visionären Innovationen, um die industrielle Skalierung von Robotik – bis hin zu Humanoiden – voranzutreiben.“ Durch den gezielten Einsatz von Automatisierung wolle Bosch zudem die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Werke im globalen Vergleich stärken und dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenwirken.
Fachlich kann Bosch dabei auf eine domänenübergreifende Automatisierungsexpertise zugreifen. Die reicht vom Automobil über die Fabrikautomation bis zu KI-gestützten Helfern für den Haushalt. Für die Fabrik hat die Tochter Bosch Rexroth vor einigen Jahren eine offene Plattform namens „ctrlX Automation“ entwickelt.
Tanja Rückert, Geschäftsführerin der Robert Bosch GmbH, sagte dazu jetzt: „Wir machen damit Robotik zugänglich, modular und schnell integrierbar.“ Dadurch würden beispielsweise schon heute mobile Transportsysteme mit Roboterarmen kombiniert.
Kooperationen mit Herstellern humanoider Roboter
Als Hersteller humanoider Roboter möchte sich Bosch nach Unternehmensangaben aber nicht positionieren. In dem Bereich setzt der Konzern auf Partnerschaften. Mit dem deutschen Hersteller Neura Robotics ist Bosch im Januar 2026 eine strategische Partnerschaft eingegangen. Gemeinsam wollen die Unternehmen reale Arbeits- und Umfelddaten sammeln sowie eine Datenbasis für die humanoide Robotik aufbauen. Außerdem will Bosch Neura bei der Industrialisierung von Hardware und Software unterstützen.
Eine weitere Partnerschaft besteht seit Mai 2026 zudem mit dem britischen Unternehmen Humanoid. Dabei sollen vor allem Anwendungsfälle in der Interlogistik erprobt werden. Die rollenden Humanoid-Roboter transportieren in der dynamischen Logistikumgebung von Bosch in Bühl autonom Kartons von einem Förderband auf einen Transportwagen.
Dabei gilt es, unterschiedliche Kartongrößen KI-unterstützt zu handhaben. Zu den Zielen dieses Projekts gehören die Entwicklung entsprechender Scan- und Handhabungsfunktionen. Aber auch die Verwaltung von Eingaben von mehreren Förderbändern sowie der Nachweis der Systemanpassungsfähigkeit in dynamischen Umgebungen werden erprobt.
Helfer in der Logistik: Mobile Roboter mit Armen
Auch wenn Bosch selbst keine Humanoiden bauen will, eigene Roboterarme hat das Unternehmen bereits seit der Übernahme der dänischen Kassow Robots 2022 im Portfolio. Unter den Pressefotos zur BCW 2026 kommen die aber weit hinter dem Humanoiden, den Bosch bei seiner Pressemeldung in den Fokus stellt.
Dabei sehen viele Anwender aus der Industrie ‒ aber auch Hersteller aus China ‒ in Roboterarmen auf mobilen Plattformen aktuell das größere Marktpotenzial. Genau hier spielen Leichtbauroboter wie die siebenachsigen Cobots von Kassow eine wichtige Rolle. Auf der Hannover Messe 2026 hatte Bosch entsprechende Modelle vorgestellt, die die Lücke unterhalb der klassischen Industrieroboter schließen sollen.
Vom Auto in den Roboter: Bosch entwickelt spezielle Mems-Sensoren
Nicht nur der Leichtbau ist dabei ein Differenzierungsmerkmal zu klassischen Industrierobotern. Bei Cobots und Humanoiden sind zunehmend kognitive Fähigkeiten gefragt. Die Roboter müssen ihre Umgebung wahrnehmen. Sie müssen Hindernisse erkennen, feinfühlig auf Gegendruck reagieren und vieles mehr. Hier will Bosch seine Expertise in der Entwicklung und Produktion mikro-elektromechanischer Systeme (Mems) einbringen.
Die Mems-Sensoren von Bosch steuern heute bereits Airbags in Automobilen und sind in vielen Smartphones verbaut. Der Konzern sieht sich mit dem Halbleiter-Standort Reutlingen als Weltmarktführer in diesem Technologiefeld. Auf der CES 2026 in Las Vegas präsentierte Bosch Sensortec die jüngste Generation von Inertialsensoren (Beschleunigungs- und Gyroskopsensoren). Solche Sensoren erfassen kleine Bewegungsnuancen in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen.
Beispielsweise kompensiert der BMI563-Sensor Vibrationen und extreme Bewegungen. Damit ist er für Roboter geeignet, die präzise navigieren müssen. Andere Anwendungen solcher Sensoren sind Virtual- und Augmented-Reality-Technologien, die dadurch noch realistischere Eindrücke liefern. Diese Technologien unterstützen die humanoide Robotik indirekt. Damit werden beispielsweise Bewegungsabläufe trainiert.
Roboterstrategie: Weltweite Kooperation und Konzentration in China
Dank tiefer Fertigungsexpertise agiert Bosch nach eigenen Angaben als zentraler Partner für führende Robotik-Start-ups aus aller Welt. Darüber hinaus pflege das Unternehmen Kooperationen in den USA und China, um deren Prototypen im Manufakturmaßstab zur Serienreife zu bringen.
China steht dabei besonders im Fokus. Seit Anfang des Jahres bündelt Bosch seine Aktivitäten dort im neu gegründeten Bosch Robotics Center China (BROC). Dieses treibt laut Bosch vor allem die Entwicklung von sogenannter physischer KI (Physical AI) und die Industrialisierung von Robotiklösungen voran.
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