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Mit diesen Antrieben will Schaeffler den Roboterboom nutzen

09. Juni 2026

Modell eines humanoiden Roboters mit Antrieben von Schaeffler
Der Vorstandsvorsitzende der Schaeffler AG Klaus Rosenfeld (li.) und Technologievorstand Uwe Wagner bei der Vorstellung der Antriebsplattform für humanoide Roboter in Hannover. Sie umfasst sowohl rotative als auch lineare Antriebe. Foto: Martin Ciupek
Wenn der Markt für humanoide Roboter größer werden soll als der für Automobile, braucht es leistungsfähige Zulieferer. Die Schaeffler AG will dafür die Antriebstechnik liefern.
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Bisher spricht Schaeffler nicht über konkrete Kunden für seine Antriebskonzepte in der humanoiden Robotik. Dennoch erhielt der Automobil- und Industriezulieferer einen Innovationspreis für seine Plattform mit hochintegrierten Aktuatoren ‒ den Hermes Award 2026 der Hannover Messe. Das Unternehmen will sich damit unabhängiger vom Automobilgeschäft machen und zur führenden „Motion Technology Company“ wandeln. Doch wie soll das gelingen?

Inhaltsverzeichnis

Erste Präsentation auf der Hannover Messe

Ende April gab Schaeffler bereits erste Einblicke: „Unter den großen Industriekonzernen unserer Branche gehört Schaeffler zu den Ersten, die den Einsatz künstlicher Intelligenz in unterschiedlichsten Bereichen der Produktion, Logistik und auch der Verwaltungsprozesse vorangetrieben haben“, erklärte Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG.

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Dafür habe sein Unternehmen kürzlich in München den Deutschen Innovationspreis erhalten. Die Kombination aus Fertigungsexzellenz und dem Verständnis für KI-Potenzial im industriellen Bereich sei Basis der Zukunftsstrategie des Antriebstechnikspezialisten.

Schaeffler betrachtet humanoide Roboter als Schritt zur Software-definierten Fabrik

Schaeffler gehört damit zu den ersten Großunternehmen in Deutschland, das nach eigenen Angaben die Lücke zwischen physischer Werkshalle und virtueller Welt geschlossen hat. Als Partner dafür nannte Rosenfeld Unternehmen wie Microsoft, SAP, Siemens und Nvidia mit seiner Omniverse-Plattform. Humanoide Roboter fügten sich nun in das Konzept des industriellen Metaverse ein.

Die Idee, sich der humanoiden Robotik zu nähern, entstand laut Rosenfeld vor etwa fünf Jahren.  Als Fertigungsunternehmen setzte Schaeffler da schon lange Industrieroboter ein und wollte der Faszination für Humanoide nachgehen. Auf diese Weise seien Partnerschaften entstanden, bei denen Hersteller lernen wollten, wie Schaeffler solche Roboter einsetzen würde. Eine Reaktion von Rosenfeld lautete: „Das machen wir gerne, aber dann hätten wir auch gerne unsere Teile da drin.“

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Außerdem gehe es Schaeffler darum, das datengestützte digitale System zu verstehen ‒ so wie beim Software-definierten Fahrzeug. „Wir wollen nicht nur einen Baukasten bieten, der flexibel ist, sondern wir könnten vor allen Dingen die Skalierung bieten“, hob Rosenfeld dazu hervor.

Antriebsvielfalt in Humanoiden: Aktoren machen gut 50 % der Gesamtkosten aus

Ein gläserner Roboter, in dem Aktoren von Schaeffler integriert sind, macht deutlich, was das Unternehmen liefern möchte. Rotationsantriebe in verschiedenen Größen bilden die Gelenke. Die bisher kleinsten sitzen in den Handgelenken und die kräftigeren in den Knien sowie im Hüftbereich. Sie liefern aktuell Drehmomente zwischen 20 Nm und 250 Nm. Darüber hinaus gibt es mehrere Linearantriebe. Sie übernehmen die Funktion von Bizeps und Trizeps, beispielsweise beim Balancieren auf den Füßen.

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Etwa 30 solcher Antriebseinheiten werden aktuell in einem humanoiden Roboter verbaut. Die Antriebselemente machten laut Schaeffler-CTO Uwe Wagner rund 50 % der Gesamtkosten für einen solchen Roboter aus. Bei Verwendung von Fünffingerhänden kommen weitere Antriebe hinzu. Schaeffler habe inzwischen einen kompletten Baukasten entwickelt. Nur die Aktoren für die Hände seien noch im Entwicklungsstadium. Zudem sind Lösungen für das Batteriemanagement in der Entwicklung.

Kein Wunder also, dass der Zulieferer sich hier positionieren möchte. Doch auch in China ist inzwischen ein Ökosystem an Zulieferern für die Branche entstanden. Hierzu will sich das deutsche Unternehmen durch seine breite Fertigungskompetenz differenzieren.

Skalierbare Produktion: So will Schaeffler seine Fertigungskompetenz bei Humanoiden einbringen

Aus Rosenfelds Rede war herauszuhören, dass der Baukasten mit seinen funktionsfähigen Modulen als Grundlage für tiefergehende Partnerschaften dienen soll. Denn sollte der Markt tatsächlich größer werden als das Automobilgeschäft, wie es Tesla-Chef Elon Musk prognostiziert, muss die Produktion nachziehen können.   

Hier verweist Rosenfeld auf die Fertigungskompetenz Schaefflers, „Produkte von höchster Präzision und bester Qualität im industriellen Maßstab herzustellen“. In seinen Werken weltweit beherrsche sein Unternehmen mehr als 90 unterschiedliche Fertigungstechnologie-Felder. Zu den Kerntechnologien zählt er Warmumformung, Kaltumformung, Zerspanung, Wärmebehandlung, Spritzguss, Beschichtung, Wickeltechnologien, Montage- und Prüftechnologien, Bestückungstechnologien, Verguss- und Verbindungstechnologien sowie den Bereich der additiven Fertigung.

Rosenfeld dazu: „Wir bei Schaeffler beherrschen diese Schlüsseltechnologien über alle unsere Regionen und über alle Geschäftsbereiche hinweg und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese Fertigungstechnologien sind unsere technologische Klammer, die alle unsere Geschäfte verbindet.“ Damit könne sein Unternehmen strukturiert in das Zeitalter der KI starten.

Gleichzeitig will Schaeffler seine Entwicklungskompetenz noch stärker in der Robotik einbringen. Denn die Aktoren für die mobilen Roboter müssen effizient sein und eine hohe Leistungsdichte aufweisen. Gleichzeitig sollen sie in großen Stückzahlen kosteneffizient zu produzieren sein. Schaeffler-CTO Wagner macht das beispielhaft deutlich: „Wir haben z. B. die ganze Elektronik inklusive der Sensorik auf eine Platine montiert.“ Gegenüber Antrieben mit zwei bis drei Platinen werde damit bis zu 10 mm an Bauraum eingespart.

Sonderfall bei Humanoiden: Hoher Wirkungsgrad versus Selbsthemmung im Antrieb

Bisher fokussiere sich Schaeffler bei der Antriebskonfiguration auf Humanoide mit menschlicher Leistungsfähigkeit. „Das sind noch keine Aktoren, die über die Kraft des Menschen deutlich hinausgehen“, erklärte Wagner. Stärkere Aktoren habe man zwar auch entwickelt, beispielsweise für Schultergelenke. Bei entsprechenden Anforderungen könnten sie ebenfalls geliefert werden.

Spannend wird es bei der Frage nach den Wirkungsgraden. Denn einerseits sollen die Gelenke grundsätzlich leicht beweglich sein und der Wirkungsgrad hoch. Andererseits kann eine gewisse Selbsthemmung gewünscht sein. Das klingt zunächst widersprüchlich. Wagner erklärt das damit, dass ein Aktor mit Selbsthemmung seine Position auch ohne Versorgung mit elektrischem Strom hält.

Grundsätzlich optimiere Schaeffler die Energieaufnahme seiner Antriebslösungen. Schließlich sei Effizienz bei den batteriegetriebenen Maschinen ein wichtiges Thema. Auf das Gesamtkonzept habe Schaeffler allerdings keinen Einfluss. Durch den Trend, mit zwei Akkus zu arbeiten und diese zu wechseln, erwartet Wagner aber kaum Einfluss auf die Betriebsdauer.

Gestaltungsfreiheit beim Design humanoider Roboter: Darauf kommt es an

Was das Design der humanoiden Roboter betrifft, lässt Schaeffler eigene Präferenzen erkennen. Aus industrieller Sicht müssten diese laut dem Entwicklungsvorstand nicht zwangsweise Beine und Fünffingerhände haben. „Definiert wird der Roboter eigentlich über die Intelligenz, die physische KI. Das heißt, dass er selbstständig Entscheidungen treffen kann, autonom arbeitet und diese Tätigkeiten verrichten kann.“ Als zentrale Elemente für die humanoide Anatomie sieht er deshalb vor allem die zwei Arme.

Auch für den Vorstandsvorsitzenden Rosenfeld ist die Rolle seines Unternehmens klar: „Wir haben nicht den Plan, den Menschen nachzubauen, sondern wir wollen mit unseren Kenntnissen, Kompetenzen und Möglichkeiten eine agile, flexiblere, intelligenzgesteuerte Robotik ermöglichen. Ob der Roboter nachher acht Arme hat, rollt oder auf Beinen läuft, das ist eine Frage der Ausprägung.“

Im eigenen Unternehmen fallen die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz humanoider Roboter nach Rosenfelds Aussage „eher positiv“ aus. Obwohl aktuell die meisten Modelle noch eher prototypisch seien, glaubt er, dass es keine fünf Jahre mehr dauern wird, bis Serienmodelle in größerer Stückzahl verfügbar sind.

Auch beim Thema Produktionsgewinn ist er optimistisch. Statt die Humanoiden punktuell einzusetzen, müssten sie dazu allerdings breite Anwendungsfelder beherrschen. Rosenfeld denkt dabei an die Einbindung in das industrielle Metaverse als lernendes System. „Ich glaube, dass wir in den nächsten zwei Jahren massive Schritte sehen werden“, zeigt er sich überzeugt.

Zukunftsfelder: Wie Schaeffler die Potenziale von Robotik und Verteidigungstechnik beurteilt

Neben der humanoiden Robotik sieht Rosenfeld weitere potenzielle Wachstumsfelder für sein Unternehmen. Dazu gehört auch der Bereich „Defence“. Die Frage, wo er für Schaeffler derzeit die größeren Wachstumschancen sieht, ließ er allerdings unbeantwortet. Man schaue sich derzeit auch noch andere Bereiche an. Er könne heute nicht sagen, „wer hier der Gewinner ist“.

Große Umsatzsprünge erwartet Rosenfeld in den potenziellen Absatzmärkten kurzfristig eher nicht. Für ihn sind das langfristige Perspektiven. „Die Sachen gehen nicht über Nacht. Es braucht alles seine Zeit: von der Idee eines Produkts bis zum Produkt, bis zum Auftrag, bis zum eigentlichen Umsatz“, mit Blick auf den Qualitätsanspruch seines Unternehmens. Sein Credo: „In einer kurzfristigen Freude an diesen neuen Entwicklungen muss man das nüchtern und langfristig sehen.“



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