Roboter üben den Klinikalltag in einer stillgelegten Intensivstation
In Gelsenkirchen entsteht ein Trainingszentrum für Medizinroboter, das KI-Systeme unter realistischen Klinikbedingungen für Pflege, Logistik und Laborprozesse testet.
Vier Robotik-Systeme werden im URG-Robotik-Trainingszentrum für den Einsatz in Klinik, Labor und Pflege vorbereitet: uLab Mobile, uMe, uServe und uLog (v.l.n.r.)
Foto: United Robotics Group
Pflegekräfte sind vielerorts überlastet, gleichzeitig wächst der Bedarf an Unterstützung in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Serviceroboter sollen Transportaufgaben übernehmen, Laborprozesse automatisieren oder Pflegepersonal entlasten. Bevor sie jedoch zuverlässig im Klinikalltag arbeiten können, müssen sie unter realistischen Bedingungen trainiert und erprobt werden. Genau dafür richtet die United Robotics Group im ehemaligen St. Josef-Hospital in Gelsenkirchen ein neues Trainingszentrum ein.
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400m² Trainingsfläche im ehemaligen Krankenhaus
Auf der 400m²-großen ehemaligen Notfall- und Intensivmedizin-Station entsteht ein Trainings- und Entwicklungszentrum für KI-basierte Robotik im Gesundheitswesen. Die ehemalige Notfall- und Intensivstation wird in zwei Trainingsbereiche aufgeteilt. Dort sollen Roboter typische Abläufe aus Labor, Krankenhaus und Pflege unter möglichst realistischen Bedingungen absolvieren.
„Das Gesundheitszentrum St. Josef bietet uns eine Infrastruktur, die dem echten Klinikalltag so nah wie möglich kommt „, erklärt Wassim Saeidi, Gründer und CEO der United Robotics Group.
Zwei Trainingsumgebungen möglich
In der Demoumgebung „Klinik und Labor“ können die Roboter unter realistischen Bedingungen typische Abläufe der klinischen Laborumgebung demonstriert und getestet werden. Dazu gehört beispielsweise die Probenlogistik, aber auch die Unterstützung von klinischen Prozessen kann hier geübt werden.
Die zweite Demoumgebung „Pflege und Versorgung“ simuliert ein Kranken- oder Pflegezimmer und ist flexibel konfigurierbar. So befinden sich hier unter anderem ein (Kranken-)Bett, Sessel und Tisch sowie weitere Ausstattung, die unterschiedliche Anwendungsfälle im Gesundheits- und Pflegebereich simuliert.
Im Flur des Trainingsgebäudes bleibt außerdem die elektrische Krankenhaus-Flügeltür erhalten. Die Roboter können damit zum Beispiel das autonome Passieren von Türen oder auch den automatisierten Bettentransport erproben.
Vier URG-Robotik-Systeme werden hier weiterentwickelt
Im Trainingszentrum sollen zunächst vier Robotiksysteme der URG zum Einsatz kommen. Dazu gehören der humanoide Assistenzroboter uMe, der Laborroboter uLab Mobile, das autonome Logistiksystem uLog sowie der Serviceroboter uServe. Sie übernehmen unterschiedliche Aufgaben, von Probenlogistik über Materialtransporte bis zur Unterstützung von Pflegepersonal und Besuchenden.
Gesteuert werden die Roboter über die KI-basierte Softwareplattform uGo+, die gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Sie koordiniert mehrere Roboter gleichzeitig und übernimmt das Flottenmanagement sowie die Orchestrierung ihrer Arbeitsabläufe.
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Partnerschaft zwischen URG und KERN
Das Robotik-Trainingszentrum ist Teil der bestehenden Zusammenarbeit zwischen der United Robotics Group und den KERN Katholische Einrichtungen Ruhrgebiet Nord GmbH. KERN betreibt das Gesundheitszentrum St. Josef und stellt die ehemalige Klinik für Entwicklung und Erprobung der Robotiksysteme zur Verfügung.
Nicht das einzige Testzentrum für Gesundheitsrobotik
Das URG-Testzentrum ist bei Weitem nicht das Einzige auf deutschem Boden. Immer mehr Robotiksysteme werden nicht mehr ausschließlich im Labor entwickelt, sondern in realitätsnahen Umgebungen getestet. So betreibt die Technische Universität München (TUM) in Garmisch-Partenkirchen den Geriatronics Campus, auf dem Assistenzroboter wie GARMI gemeinsam mit Pflegekräften und Forschenden für den Einsatz in Pflege und Gesundheitsversorgung entwickelt und unter praxisnahen Bedingungen erprobt werden.
Auch auf europäischer Ebene gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Mit TEF-Health fördert die EU seit 2023 den Aufbau einer länderübergreifenden Test- und Experimentierinfrastruktur für KI- und Robotikanwendungen im Gesundheitswesen. Das Netzwerk aus Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und Prüfstellen ermöglicht Unternehmen, ihre Systeme in realen klinischen Umgebungen zu testen, zu validieren und für regulatorische Anforderungen vorzubereiten, beispielsweise in Hinblick auf den EU AI Act.
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