Medica 2025 21.11.2025, 07:00 Uhr

Automation in der Gesundheitsbranche: Neura Robotics geht nächsten Schritt

Das deutsche Robotik-Start-up Neura Robotics fasst jetzt auch Fuß in der Gesundheitsbranche. Auf der diesjährigen Medica 2025 präsentiert das Unternehmen ihren MAV+. Der autonome Serviceroboter soll in Zukunft Pflegekräften in Krankenhäusern körperlich schwere Tätigkeiten abnehmen.

Der Serviceroboter MAV+ soll in Zukunft Pflegekräfte entlasten und Routinen in Krankenhäusern automatisieren.

Medica 2025: Das deutsche Robotikunternehmen Neura Robotics stellt den MAV+ vor - ein Serviceroboter, der künftig Pflegepersonal in Krankenhäusern entlasten soll.

Foto: picture alliance / NurPhoto/Ying Tang

Autonom greift ein Roboterarm nach einem Siebkorb voller Pinzetten, Zangen und Skalpelle. Präzise hebt er die Last an, belädt sich und entlädt sich wieder – ein Ablauf, den die Maschine im Rahmen der Demonstration auf der Medica dutzendfach wiederholt. Der Hersteller Neura Robotics hat dieses Modell MAV+ genannt. Die in Düsseldorf vorgestellte Variante des autonomen Serviceroboters soll in Zukunft in Krankenhäusern Pflegekräfte von Routinen entlasten.

Der MAV+ – das Kürzel steht für Multi-Sensing-Vehicle – ist ein Serviceroboter, der nicht nur heben und fahren, sondern seine Umgebung aktiv wahrnehmen und auf sie reagieren kann. Auf der Messe wurde vor allem ein Szenario gezeigt: ein Roboterarm, der Siebkörbe mit verschmutztem OP-Besteck aufnimmt, bewegt und die Prozessschritte der Sterilisation unterstützt.

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Neura Robitics geht in die Medizinbranche

2019 in Metzingen bei Stuttgart gegründet, hat sich Neura Robotics inzwischen einen Namen in der deutschen Robotikszene gemacht. Bekannt ist das Unternehmen vor allem für seine kognitiven Roboter, das heißt Modelle mit erweiterten Wahrnehmungs-, Lern- und Interaktionsfähigkeiten. Zu den prominentesten Modellen zählt der humanoide Roboter 4NE1. In der Industrie sind die Roboter MAiRA und LARA heute bereits etabliert: Sie übernehmen Maschinenbedienung, Qualitätsinspektion oder Schweißarbeiten und sind auf präzise, wiederkehrende Aufgaben ausgelegt.

Schritt in Richtung Gesundheitsbranche

Auf der Messe Medica würde man den Roboterhersteller daher nicht unbedingt erwarten. Der Fokus: Entlastung im Klinikalltag, insbesondere dort, wo Personal knapp und die Arbeitsbelastung hoch ist. Denn Pflegekräfte übernehmen in vielen Krankenhäusern nicht nur pflegerische Tätigkeiten, sondern auch Serviceaufgaben, wie etwa den Transport von OP-Besteck in die Sterilisation.

Automation im Krankenhaus

Dass Robotik im Gesundheitswesen Fahrt aufnimmt, zeigen aktuelle Zahlen der internationalen Robotik-Vereinigung IFR:

  • Der Absatz von Medizinrobotern stieg 2024 gegenüber dem Vorjahr um 91 % auf rund 16.700 Einheiten.
  • Rehabilitations- und nicht-invasive Therapieroboter legten um 106 % zu.
  • Operationsroboter verzeichneten ein Wachstum von 41 %.
  • Besonders dynamisch entwickelte sich der Bereich Diagnostik und Laborautomation – mit einem Plus von 610 %.

Automatisierung ist somit ein wichtiges Thema in der Medizinbranche. In der Forschung hat sich mit Servicerobotern unter anderem die Technische Universität München im Forschungsprojekt Aurora beschäftigt. Auch einige Hersteller mobiler Serviceroboter arbeiten längst an entsprechenden Lösungen. Nun will sich auch Neura in dem Feld positionieren.

Wie der MAV+ arbeiten soll

Im Krankenhaus muss das OP-Besteck täglich nach der Verwendung sterilisiert werden. Laut Hersteller eignet sich der mobile Serviceroboter unter anderem MAV+ für diesen Anwendungsbereich:

Der Roboterarm greift den Siebkorb mit dem dreckigen OP-Besteck, hebt ihn an und belädt sich selbst. Dann fährt er den Beladungsträger zur Sterilisationsmaschine. Der Beladungsträger wird automatisch in die Sterilisationsmaschine geschoben. Nach dem Vorgang wird der Beladungsträger auf der anderen Seite vom Roboter wieder aufgegriffen und auf den Tischen verteilt, wo die visuelle Inspektion von statten gehen kann. Danach sammelt der Roboter die Siebkörbe wieder ein und fährt diese in die Steri, die zentrale Sterilisationsabteilung des Krankenhauses. Von dort können alle gereinigten Utensilien vom Roboter im Krankenhaus verteilt werden.

Ein Beitrag von:

  • Anastasia Pukhovich

    Anastasia Pukhovich ist Volontärin beim VDI Verlag. Ihre Tätigkeit beim Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien weckte ihr Interesse an allen Themen rund um Wissenschaft und Technik. Besonders gerne verfolgt sie journalistisch die Themen Medizintechnik und Karriere.

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