Verpackungstechnik 28.04.2026, 14:30 Uhr

Gegen Engpass bei Medikamenten: Zwei flinke Roboter beschleunigen Produktion

Es muss nicht immer ein humanoider Roboter sein. Wie effizient zwei Arme in einer kleinen Zelle arbeiten, zeigt ein Beispiel auf der Messe Interpack.

Blick in eine Produktionszelle mit zwei Roboterarmen.

Präziese Automatisierung auf engstem Raum: Die Roboter handhaben Vials (Injektionsfläschchen) und Spritzen in einer kleinen Zelle. Damit soll Engpässen bei der Medikamenteproduktion entgegen gewirkt werden.

Foto: Robotronic / Mitsubishi Electric

Mal sind es Antibiotika, die fehlen; mal mangelt es an Hustensäften. In Deutschland gehören Medikamentenengpässe inzwischen zum Alltag in Apotheken und Kliniken.

Ein Grund für den Engpass: Viele Hersteller haben die Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlagert. Die Lieferketten führen bis nach China und Indien. Leistungsstarke Industrieroboter könnten die Herstellung zurück nach Europa holen.  

Warum die EU kritische Medikamente aus Europa fordert

Der EU Critical Medicines Act fordert, zumindest kritische Medikamente wieder wettbewerbsfähig in Europa zu produzieren. Dazu braucht es stabile Lieferketten und eine effiziente Automatisierung.

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Eine Lösung dafür hat die Schweizer Robotronic AG entwickelt. Der Entwicklungspartner Mitsubishi Electric spricht von der „weltweit wohl kleinsten automatisierten Palettierzelle für Vials (Injektionsfläschchen) und Fertigspritzen“. Mit der Zelle und den daran arbeitenden Robotern sollen die Lieferzeiten für Medikamente verkürzt werden. Neben Geschwindigkeit und Präzision ist dabei der Schutz des Produktes zentral.

Das kompakte Format ist wichtig, damit die Zellen in vorhandene pharmazeutische Produktionsumgebungen passen. Im Inneren hantieren zwei Roboterarme mit den Medizinprodukten. Diese hängen kopfüber in der Zelle, was die Standfläche der Anlage auf 150 cm x 130 cm reduziert. Auf dieser Arbeitsfläche produzieren die Roboter laut Hersteller bis zu 600 Produkte pro Minute.

Zwei Roboter hantieren präzise mit Medikamenten

Die Kunst besteht darin, die beiden Roboter so zu koordinieren, dass sie präzise miteinander interagieren. Das übernimmt eine spezielle Regelung, die sogenannte „SoftTouch-Technology“.  Sie verleiht den Knickarmrobotern der FR-Serie von Mitsubishi Electric Feingefühl. Denn Glas-zu-Glas-Kontakt sowie Glasbruch sind unzulässig.

Obwohl der Raum in der Zelle stark begrenzt ist, können laut Hersteller mehrere Roboter bei Bedarf mit voller Geschwindigkeit im Millimeterabstand zueinander fahren, ohne dass es zu Kollisionen kommt. Für Außenstehende wirkt das wie gefährliche Millimeterarbeit. Für Mitsubishi Electric ist das „in der Praxis aber tatsächlich ein sauber beherrschter Prozess“.

Knickarme statt humanoider Roboter: Das sind die Gründe

Ein weiterer Aspekt dieser speziellen Anwendung ist die Sauberkeit. Hier hat die Robotronic AG auf die leichte Reinigung der Zelle geachtet. Die Anforderungen an Präzision, Geschwindigkeit und Sauberkeit sind Gründe, warum in diesem Fall zwei Roboterarme Lösungen mit einem humanoiden Roboter überlegen sind.

Zu sehen ist die Anlage in den nächsten Tagen in Düsseldorf, auf der Messe Interpack vom 7. bis 13. Mai 2026.

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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