Stiller Deal, große Folgen 15.01.2026, 13:30 Uhr

Roboter für die Lkw-Rampe: Amazon holt sich Rightbot

Amazon übernimmt still und heimlich den Roboterhersteller Rightbot. Warum der Deal den Wettbewerb um Lkw-Be- und Entladeroboter neu ordnet.

Lkw schneller be-und entladen, ist nicht nur das Ziel von Versandhändler Amazon. Dazu hat der US-Konzern nun einen Roboterhersteller übernommen. Andere Logistikkonzerne haben dafür bereits andere Partner. Foto: picture alliance / dpa | Matthias Balk

Lkw schneller be-und entladen, das ist nicht nur das Ziel vom Versandhändler Amazon. Dazu hat der US-Konzern nun einen Roboterhersteller übernommen. Andere Logistikkonzerne haben dafür bereits andere Partner.

Foto: picture alliance / dpa | Matthias Balk

Ohne es groß zu kommunizieren, hat Amazon den Roboterhersteller Rightbot Technologies übernommen. Das wurde Anfang Januar 2026 bekannt. Das junge US-Unternehmen ist spezialisiert auf das automatisierte Be- und Entladen von Lkw. Gegenüber dem US-Fachtitel Automated Warehouse hat Amazon die Übernahme bestätigt.  Damit sind die Karten im Wettbewerb um die Automatisierung an der Verladestation jetzt weitgehend verteilt.

Die Übernahme von Rightbot deutet auf eine Konsolidierung im Markt für Beladeroboter hin. Denn laut Medienberichten wird das komplette Team von Rightbot in die Robotikabteilung bzw. den Amazon-Bereich „Robotics Delivery and Packaging Innovation“ (RDPI) integriert. Die Homepage des Start-ups war am Tag der Recherche (15. 1. 2026) nicht mehr abrufbar. Deutlich wird, dass Amazon einen anderen Weg geht als Wettbewerber in dem Bereich der Warenlogistik.

DHL Group setzt auf Roboter von Boston Dynamics

Denn die DHL Group hat bereits im Mai 2025 eine Zusammenarbeit mit Boston Dynamics als Schlüsselpartner für seine Robotikentwicklung angekündigt. Im Mittelpunkt steht bei der Absichtserklärung der Roboter Stretch. Der wurde für die Handhabung von Kartons entwickelt. Nachdem der Logistikkonzern damals nach eigenen Angaben bereits über 1 Mrd. € in die Automatisierung der Kontraktlogistik-Sparte investiert hatte, sollten in der Folge mehr als 1000 weitere Roboter für den globalen Einsatz beschafft werden.

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Zunächst hat DHL die Maschinen demnach zum automatisierten Entladen von Containerbrücken eingesetzt. In Zukunft plant der Konzern den Einsatzzweck der Roboter zu erweitern und Stretch auch für die Kommissionierung von Kartons zu nutzen.

UPS hat Pickle Robot als Partner

Ende 2025 hat zudem United Parcel Service (UPS) bekannt gegeben, 120 Mio. $ in die Entwicklung von Robotern zur Beladung von Lkw zu investieren. Partner ist in dem Fall das Start-up Pickle Robot aus Charlestown, Massachusetts.  Die Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Automatisierungsstrategie von UPS mit einem Volumen von 9 Mrd. $.

Die Roboter der MIT-Ausgründung Pickle Robot arbeiten mit Sauggreifern und nutzen generative KI zur Identifizierung von nicht-palettierten Waren. Nach Unternehmensangaben entlädt der Roboter Container und Lkw-Anhänger in 90 min. Bereits in der Vergangenheit hatten beiden Unternehmen zusammengearbeitet.

Rightbot wurde zunächst vom Amazon Industrial Innovation Fund unterstützt

Für Amazon ist Rightbot ebenfalls nicht neu. Der Amazon Industrial Innovation Fund hatte zuvor bereits in das Start-up investiert. Marktbeobachter bewerten das als Test, bevor der Onlinehändler ein innovatives Unternehmen übernimmt und schließlich integriert.

Die Technik ist dabei ähnlich wie bei den Wettbewerbern. Die Systeme von Rightbot kombinieren Bilderkennungsfunktionen (Computer Vision) mit speziellen Sauggreifersystemen. So erkennt der Roboter unstrukturiert gelagerte Pakete und kann diese greifen, ohne sie zu zerdrücken.

Auch der japanische Automatisierungsanbieter Mujin hat Lkw-Beladung im Visier

Zu den großen Anbietern in dem Umfeld gehört auch Mujin, ein internationaler Automatisierungsanbieter mit Wurzeln in Japan. 2023 feierte deren TruckBot Premiere auf der Messe ProMat in Chicago. Das Unternehmen setzt auf einen Teleskopförderer. Der Förderer verfügt dabei über eigens dafür konzipierten Sauggreifern und Sensorsysteme. Insbesondere sauber gestapelte Boxen lassen sich damit schnell aus einem Lkw entladen, wie ein Video des Unternehmens zeigt.

Die Teleskopbänder reichen dazu nach Unternehmensangaben bis zu 16 m tief in die Lkw-Anhänger hinein. Sie können demnach Pakete mit bis zu 23 kg handhaben. Ein Roboterarm kommt dabei erst zum Einsatz, wenn die Pakete vom Band umgeladen werden.

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Dexterity kooperiert mit Beckhoff Automation bei Humanoiden

Seit Ende 2025 kooperiert in den USA außerdem der Roboterspezialist Dexterity AI aus Kalifornien mit der Beckhoff Automation USA. Beide Unternehmen entwickeln einen „Mech Superhumanoid Robot“. In dem Fall ist es ein Roboter mit zwei Armen und Greifern auf einer mobilen Plattform. Er gilt damit als Humanoider.

Der Roboterhersteller Dexterity fokussiert sich dabei auf den Einsatz physischer KI. Damit bewerten die Roboter Sensorinformationen und räumliche Zusammenhänge. Der Automatisierer Beckhoff ist dagegen Spezialist für industrielle Steuerungstechnik und die schnelle Datenkommunikation über das Echtzeit-Ethernet-Protokoll EtherCAT.

Nach eigenen Angaben arbeitet Dexterity mit FedEx und Sagawa Express an der Einführung von Lade- und Entladerobotern für Lkw. Grundsätzlich ist der Mech Robot aber als Universalroboter konzipiert. Er kann also auch andere Aufgaben übernehmen.

  

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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