10.000 Roboter pro Jahr: UBTech schraubt Produktion hoch
Mit einer geplanten Jahreskapazität von 10.000 humanoiden Robotern im neuen Werk setzt UBTech ein Zeichen. Doch noch ist die Nachfrage aus der Industrie zögerlich.
Humanoide Roboter der chinesischen Firma UBTech werden jetzt seriell gefertigt. 10.000 sollen es im Jahr werden.
Foto: UBTECH
Der chinesische Roboterhersteller UBTech Robotics hat Mitte September die Messlatte für die Produktion humanoider Roboter nach oben gesetzt. Mit den angekündigten Kapazitäten im Werk Liuzhou in der Region Guangxi will der Hersteller 10.000 Stück pro Jahr fertigen. Von einem Roboter alle zehn Minuten ist bereits die Rede.
Inhaltsverzeichnis
Absatz humanoider Roboter: Prognosen erfordern gewaltige Skallierung der Produktion
Die Skalierung der Produktion gilt als größte Herausforderung, um die aktuellen Wachstumsprognosen gerecht zu werden. Goldman Sachs erwartet in seiner vor wenigen Wochen veröffentlichten Prognose bis 2035 einen Absatz von 6,48 Mio. Einheiten. Zuvor waren die Investmentbanker von 1,38 Mio. Einheiten ausgegangen. Dazu dürften allerdings auch menschenähnliche Roboter für Einsätze außerhalb der Industrie gehören.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters (Paywall) unter Berufung auf Zahlen der International Federation of Robotics (IFR) wurden allerdings für industrielle Zwecke im gesamten Jahr 2025 nur 7000 humanoide Roboter ausgeliefert. Zum Vergleich: Weltweit wurden 2024 rund 540.000 Industrieroboter installiert. Dazu kommt: Eingesetzt würden die humanoiden Roboter aktuell vor allem in Forschungseinrichtungen und um in Fabriken Daten zu sammeln.
Damit schraubt UBTech seine selbst formulierten Produktionskapazitäten deutlich über den bisherigen Jahresbedarf hoch. Dazu bedient sich der Hersteller automatisierter Fertigungsprozesse und wird dabei von Siemens unterstützt.
China profitiert von Kompetenzen in der Elektromobilität
China könnte mit der Serienproduktion humanoider Roboter, wie bereits bei der Elektromobilität, weltweit ein Zeichen setzen. Gerade bei der Serienfertigung der Batterien und der Entwicklung effizienter Elektroantriebe gibt es deutliche Parallelen zwischen beiden Branchen. Dazu kommt: Mit AgiBot, Unitree Robotics und UBTech sitzen die drei Firmen in China, die nach Bewertung aktueller Informationen weltweit bisher die meisten humanoiden Roboter ausgeliefert haben. Dazu zählen allerdings auch Modelle, die nicht zum Einsatz in der Industrie vorgesehen sind.
Humanoide Roboter auf Rollen sind im eigenen Werk im Einsatz
In Liuzhou sollen auf einer Linie sowohl zweibeinige Walker-S-Modelle sowie die auf Rädern fahrenden Cruzr S2 und Cruzr Y1 entstehen. Auf Videos ist zu erkennen, dass der Hersteller die rollenden Roboter im eigenen Werk nutzt. Sie bewegen sich dabei deutlich dynamischer als die Variante auf Beinen. Dabei transportieren sie Kisten mit kleineren Bauteilen durch das Werk.
Jetzt kommt es aber darauf an, die Modelle auch zu den Kunden zu bringen. Dazu zählen laut Medienberichten BYD, Geely, FAW Volkswagen, Dongfeng, Foxconn und Texas Instruments. Allerdings wurde Anfang 2026 auch berichtet, dass Airbus humanoide Roboter vom Typ Walker S2 bei Ubtech erproben will. Auf Nachfrage von ingenieur.de antwortete Airbus: Man befinde sich „in einer sehr frühen Phase der Konzeptprüfung“. Seitdem gab es dazu keine neuen Informationen.
Markt für humanoide Roboter: Zwischen Euphorie und Vorsicht
Generell scheinen sich auch bei Investoren derzeit Euphorie und Vorsicht abzuwechseln. Nach Angaben des Finanzmediums Ad-hoc-News haben die chinesischen Aufsichtsbehörden die Vorbereitungen für Börsengänge von Entwicklern humanoider Roboter spürbar verlangsamt. Im Mittelpunkt der behördlichen Prüfung stehe die Frage, ob die teils immensen Bewertungen der Branche tatsächliche kommerzielle Nachfrage widerspiegelten.
Gerade mit Blick auf die internationalen Märkte erscheint das nötig. Erst kürzlich hatte die US-Telekommunikationsaufsicht FCC eine „Covered List“ veröffentlicht. Darin werden „advanced robotic devices“, zu denen u. a. die humanoiden Roboter aus China zählen, als Gefahr für die nationale Sicherheit betrachtet. Der Zugang zu einem wichtigen Markt wird für chinesische Hersteller damit schwerer.
Zudem werden weltweit Fabriken aufgebaut. In Deutschland produzieren Neura und Agile Robots inzwischen ebenfalls humanoide Roboter.
Ein Beitrag von: