Wohnungsbau 10.01.2022, 10:21 Uhr

Bauen wird absurd teuer – mit möglichen Folgen fürs Klima

Die Baupreise sind so stark gestiegen wie seit 50 Jahren nicht mehr. Ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht – im Gegenteil

Der Bauboom und  knappe Rohstoffe treiben die Preise fürs Bauen - und es gibt noch weitere Gründe. Foto: Panthermedia.net/Philipus

Der Bauboom und knappe Rohstoffe treiben die Preise fürs Bauen - und es gibt noch weitere Gründe.

Foto: Panthermedia.net/Philipus

Bauen ist so teuer wie nie – und die Preise ziehen so stark an wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr. Im November 2021 sind die Kosten für  einen Neubau so stark angestiegen wie seit 1970 nicht mehr. Das teilte das Statistische Bundesamt jetzt mit. Die Preise für den Bau konventionell gefertigter Wohngebäude legten demnach im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,4 % zu. Einen stärkeren Preis-Anstieg gab es zuletzt im August 1970 mit 17 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Ein Grund ist die enorme Rohstoffnachfrage, die ungünstig mit Lieferengpässen zusammenfällt. Rohstoffe sind extrem knapp, besonders Holz – und das wenige, das da ist, wird immer teurer. Deutsche Sägewerke exportieren riesige Mengen ins Ausland. Die Hauptabnehmer sind aktuell die USA und China. Kunden von dort zahlen bessere Preise als hierzulande und selbst minderwertiges Holz, das wegen Sturmschäden oder Borkenkäferbefall notgefällt werden musste, geht weg wie sonst nur warme Semmeln. 20 Millionen Festmeter Holz wurden im Jahr 2020 exportiert. Das sind über 80 % mehr als im Jahr davor.

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Bauen: Rohstoffe sind extrem teuer

Die große Nachfrage nach Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmstoffen auf den Weltmärkten heizt seit geraumer Zeit die Preise an. Überdurchschnittlich stark verteuerten sich im November Zimmer- und Holzbauarbeiten, deren Preise aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Bauholz im In- und Ausland um 38,9 Prozent stiegen.

Aber nicht nur Holz ist knapp. Auch die Preise für andere Baumaterialien wie Metalle, Dämmwolle, Farben und Silikone steigen stark an. Der Zentralverband des Baugewerbes (ZDB) hatte bereits im Sommer auf eine „sehr dynamische“ Preisentwicklung und Lieferschwierigkeiten hingewiesen. Die Preise für Mineralölerzeugnisse waren zum damaligen Zeitpunkt demnach um mindestens 15 % und für Betonstahl um 30 % seit September 2020 angestiegen.

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„Hersteller kommen nun mit dem Wiederhochfahren der Produktion nicht nach“, sagte Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert. Viele Produzenten hatten in der ersten Phase der Pandemie die Erzeugung gedrosselt. Jetzt sind die Lager leer. „Hält diese Mangelsituation an, könnten Baustopps und in der Folge auch Kurzarbeit die Folge sein – trotz voller Auftragsbücher“, so Ehlert.

Fehlender Mehrwertsteuereffekt macht Bauen noch teurer

Ein zusätzlicher Preistreiber: Die Rücknahme der befristeten Mehrwertsteuersenkung. Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Sätze, Waren und Dienstleistungen wurden im Jahresvergleich also tendenziell teurer. Ohne den Mehrwertsteuereffekt wären die Baupreise im November 2021 nach Angaben der Statistiker rechnerisch um 11,6 % gestiegen.

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Die Entwicklung dürfte so schnell nicht an Fahrt verlieren, nach Einschätzung von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer ist nicht mit einer Entspannung zu rechnen. „Privatkunden warten länger auf Handwerker und zahlen deutlich mehr“, so Wollseifer. „Bauen wird zukünftig teurer werden, nicht nur weil die Löhne steigen, sondern weil die Preise für Materialien steigen. Denn es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Preise – selbst bei einer Entspannung bei den Materialengpässen – nicht wieder vollständig auf das Vorkrisenniveau sinken werden.“

Weniger Modernisierungen für den Klimaschutz

Bei bestehenden Verträgen ließen sich Preissteigerungen nicht komplett an die Kunden weitergeben, so Wollseifer. „Aber bei Neuverträgen muss das bei der Kalkulation berücksichtigt werden, wenn die Betriebe nicht von vorneherein ein Minusgeschäft machen wollen. Da unsere Betriebe die Materialien nur so teuer beschaffen können, wie sie angeboten werden, hat das zur Folge, dass die dann produzierten Waren und Leistungen für die Kunden künftig deutlich teurer werden.“ Eine mögliche Folge: Bauherren könnten immer öfter auf Modernisierungen im Sinne des Klimaschutzes verzichten, weil sie keine finanziellen Risiken eingehen wollen. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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