US-Verbot für Roboter: Warum neben China auch Europa betroffen ist
Das US-Marktverbot für neue humanoide Roboter und Wechselrichter aus dem Ausland zielt vor allem auf China. Doch weil die Lieferketten global verwoben sind, könnte es auch Hersteller und Zulieferer in Europa treffen.
Das US-Einfohrverbot für humanoide Roboter ist auch ein Risiko. Globale Lieferketten sind satrk vernetzt, wie der Auftritt von US-Chiphersteller Nvidia auf eine Zulieferer-Messe in China zeigt. Gleichzeitig sind die USA auf Komponenten aus China aangewiesen.
Foto: picture alliance/dpa | Johannes Neudecker
Zwei Länder geben aktuell in der humanoiden Robotik den Takt an: China und die USA. Aus Gründen der nationalen Sicherheit haben die USA jetzt ein Verbot für Modelle aus dem Ausland beschlossen. Das dürfte vor allem der starken Konkurrenz aus China gelten.
Doch die von der US-Telekommunikationsaufsicht FCC diese Woche veröffentlichte „Covered List“ macht keine länderspezifischen Unterschiede! Neben „advanced robotic devices“ die u.a. humanoide Roboter umfasst und ausländische vernetzte „power inverters“ (Umrichter für die Stromversorgung). Das kann Einfluss auf die globalen Lieferketten haben.
Inhaltsverzeichnis
- KI-gestützte humanoide Roboter und vernetzte Umrichter als Sicherheitsrisiko gewertet
- China dominiert den Markt für Humanoide ‒ US-Hersteller haben deutlichen Rückstand
- Lieferkette als Risiko: US-Verbot kann eigene Roboterentwicklung verlangsamen
- Drohnen-Hersteller DJI als mahnendes Beispiel für Einfuhrverbote in der Robotik
KI-gestützte humanoide Roboter und vernetzte Umrichter als Sicherheitsrisiko gewertet
Hintergrund ist, dass mobile Roboter immer öfter KI-unterstützt arbeiten und Umrichter vernetzt arbeiten. Mobile Roboter wie Humanoide und Vierbeiner führten nach Auffassung der FCC zu Schwachstellen in der Lieferkette und bedeuteten ein Cybersicherheitsrisiko für die kritische Infrastruktur in den USA. Bei genauem Hinsehen sind aber Ausnahmegenehmigungen vorgesehen, sofern es eine bedingte Genehmigung durch das US-Kriegsministerium oder das Ministerium für Innere Sicherheit gibt. Bereits erworbene Modelle sowie der Verkauf bereits zugelassener Geräte und klassischer Industrieroboter sind ebenfalls nicht von dem Verbot betroffen.
„Mir wurde klar, dass Cybersicherheit zu einem großen Thema geworden war, als Forscher eine Hintertür in Unitree-Robotern fanden und später entdeckten, dass einige Modelle ohne Wissen des Besitzers Daten an Server in China übertrugen“, zitiert „The Robot Report“ Robert Little, Berater für Geschäftsentwicklung, und Preisträger des Joseph F. Engelberger Robotics Awards 2026.
China dominiert den Markt für Humanoide ‒ US-Hersteller haben deutlichen Rückstand
Eine vom dem US-Medium im Zusammenhang mit dem FCC-Verbot veröffentlichte Grafik legt nahe, dass neben der Sicherheit auch der Schutz der eigenen Roboterindustrie eine Rolle gespielt haben könnte. Danach haben die chinesischen Hersteller von Humanoiden 2025 weltweit deutlich mehr Roboter verkauft als die US- Unternehmen. Zum Vergleich: Agibot und Unitree kommen auf jeweils über 5000 Stück. Die US-Unternehmen Tesla, Figure AI und Agility auf jeweils gerade einmal 150 Stück. Das macht die aktuelle Dominanz deutlich.
Ob sich die heimische Branche dadurch tatsächlich schützen lässt, ist allerdings fraglich. Den die Lieferketten für humanoide Roboter sind global eng verwoben. So umwirbt der US-Konzern Nvidia Hersteller in China. Gleichzeitig hat China ein weltweites Monopol auf Magnetwerkstoffe, die in den Elektromotoren zum Einsatz kommen. Verschiedene internationale Studien gehen von einem Marktanteil von 90% und mehr aus.
Lieferkette als Risiko: US-Verbot kann eigene Roboterentwicklung verlangsamen
Gegenüber The Robot Report mahnt deshalb der globale Robotikberater Georg Stieler: „Kurzfristig könnte die Maßnahme die physische KI-Innovation in den USA verlangsamen, indem sie Start-ups und Forscher von zukünftigen kostengünstigen chinesischen Plattformen abschneidet, bevor vergleichbare westliche Alternativen existieren.“ Der STM-Geschäftsführer für Asien räumt gleichzeitig ein: „Sie eröffnet aber auch Chancen für US-Zulieferer und verbündete Hersteller, die in der Lage sind, ihre Produktion in den USA zu lokalisieren oder eine bedingte Genehmigung zu erhalten.“
Das US-Verbot könnte deshalb zu massiven Veränderungen der globalen Lieferketten führen. Schon jetzt werben beispielsweise Roboterhersteller mit europäischer Produktion um Anwender, die aus Gründen der technologischen Souveränität Alternativen zu chinesischen Produkten suchen. Gerade im Bereich der Servoantriebe, Sicherheitssteuerungen und Präzisionsgetriebe, bieten europäische Zulieferer Alternativen zu den Produkten aus Fernost. Auch Automobilzulieferer wie Bosch und Schaeffler positionieren sich hier. Die starke Position chinesischer Zulieferer bei Permanentmagneten sieht Stieler andererseits aber auch als „potenziellen Hebel für Gegenmaßnahmen“ auf die US-Einfuhrverbote.
Drohnen-Hersteller DJI als mahnendes Beispiel für Einfuhrverbote in der Robotik
Was das bedeuten kann, macht Stieler in einem Linkedin Post deutlich. Darin verweist er auf Amerikas Erfahrung mit dem Drohnenhersteller DJI. Trotz jahrelanger Beschränkungen für chinesische Drohnen fgebe es in den USA immer noch keinen wettbewerbsfähigen Massenmarkt -Drohnenhersteller. Skydio habe sich 2023 aus dem Verbrauchermarkt zurückgezogen. Sein Fazit lautet deshalb: „Beschränkungen können die Sicherheitsrisiken verringern, schaffen aber allein kein wettbewerbsfähiges inländisches Ökosystem.“
Antworten zu häufig gestellten Fragen (FAQ) bezüglich der jüngsten Covered List hat das FCC auf seiner Homepage aufgelistet.
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