Robotik in der Archäologie 04.12.2025, 15:00 Uhr

Pompeji: Ein Roboter aus Bonn repariert antike Kunstwerke

Tausende Fragmente, keine Vorlage: Ein Roboter aus Bonn puzzelt in Pompeji antike Wandreliefs und Fresken zusammen. Menschen würden dafür Jahre brauchen. Die Technologie kann die Archäologie weltweit massiv beschleunigen.

Die Lehrmeister des Puzzle-Roboters: Prof. Maren Bennewitz und Nils Dengler. © Foto: Humanoid Robots Lab, Uni Bonn

Die Lehrmeister des Puzzle-Roboters: Prof. Maren Bennewitz und Nils Dengler. ©

Foto: Humanoid Robots Lab, Uni Bonn

Zwei Roboterarme greifen ein Fragment, das seit fast 2000 Jahren nicht mehr berührt wurde. Vorsichtig setzen sie es an eine Position, die eine KI aus tausenden möglichen Kombinationen berechnet hat.

Im Archäologischen Park Pompeji arbeitet ein robotisches System an einer Aufgabe, an der Menschen scheitern würden: dem Zusammensetzen von Fresken, die in so viele Teile zerbrochen sind, dass eine manuelle Rekonstruktion Jahrzehnte dauern würde.

Tausende Teile, keine Vorlage

Die Herausforderung unterscheidet sich deutlich vom Puzzle im Kinderzimmer. Denn anders als bei Ravensburger und Co. gibt es für die Scherben aus Pompeji kein Referenzbild, erklärt Prof. Maren Bennewitz von der Universität Bonn. Zudem sind viele Fragmente beschädigt oder fehlen komplett. Die Bruchstücke verschiedener Werke liegen in den Depots durcheinander.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Bereich Medizintechnik/-Produkte Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Aerologic GmbH-Firmenlogo
Engineer Aircraft Reliability & Maintenance Program (m/f/x) Aerologic GmbH
Schkeuditz Zum Job 
Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Verfahrenstechniker / Ingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG
Rietberg Zum Job 
Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH-Firmenlogo
Kalkulator Tiefbau (m/w/d) für den Bereich Wasser/Abwasser Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in oder Physiker*in (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*innen (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
noris network AG-Firmenlogo
Senior Datacenter Engineer / Elektroingenieur (m/w/d) - Fokus Infrastruktur & Systemstabilität noris network AG
Nürnberg Zum Job 
Landkreis Grafschaft Bentheim-Firmenlogo
Klimaschutzkoordinator*in (m/w/d) Landkreis Grafschaft Bentheim
Nordhorn Zum Job 
Netzgesellschaft Potsdam GmbH-Firmenlogo
Projektleiter / Bauleiter (m/w/d) Netzbau und Anlagenbau Strom Netzgesellschaft Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG-Firmenlogo
Ingenieur Messstellenbetrieb Erdgas, Wasser und Wärme (w/m/d) Infraserv GmbH & Co. Höchst KG
Frankfurt am Main Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Steuler Services GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Gebäudemanagement und Infrastruktur Steuler Services GmbH & Co. KG
Höhr-Grenzhausen Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Abteilungsleitung Kläranlage Prozessführung Abwasser (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
TechnoCompound GmbH-Firmenlogo
Produktionsingenieur:in (m/w/d) TechnoCompound GmbH
Bad Sobernheim Zum Job 
Messe Berlin GmbH-Firmenlogo
Teamleiter:in (m/w/d) Einkauf für Bau- und Planungsleistungen Messe Berlin GmbH
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Mitarbeiter (m/w/d) für das Bauprojektmanagement Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Ruhrbahn GmbH-Firmenlogo
Referent (w/m/d) Multiprojektmanagement Ruhrbahn GmbH
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Professur für Elektrotechnik und Sensorik (W2) Hochschule für angewandte Wissenschaften München
München Zum Job 

Wie der Pompeji-Roboter arbeitet

Das EU-Projekt RePAIR hat deshalb einen dreistufigen Prozess entwickelt.

    1. Zunächst digitalisiert ein 3D-Scan-System jedes Fragment hochauflösend.
    2. Darauf aufbauend berechnet eine KI mögliche Passungen. Dabei analysiert sie Form, Farbe, Textur und Muster.
    3. Das eigentliche Zusammensetzen übernimmt dann eine Plattform mit zwei Roboterarmen und weichen Greifhänden, sogenannten SoftHands. Sie können sich unterschiedlichen Formen anpassen und beschädigen dadurch nicht die empfindlichen Oberflächen.

Die gesamte Plattform ist auf einer Aluminium-Werkbank mit Linearführung montiert. So kann sich der Roboter horizontal in die optimale Greifposition für jedes Fragment schieben.

Hier wird Ihnen ein externer Inhalt von youtube.com angezeigt.
Mit der Nutzung des Inhalts stimmen Sie der Datenschutzerklärung von youtube.com zu.

Bonner Algorithmen für präzise Bewegungen

An der Schnittstelle zwischen KI-Kalkulation und physischer Ausführung, also zwischen Schritt 2 und 3, setzt die Arbeit der Universität Bonn an. Das Team um Maren Bennewitz, Professorin für Humanoide Roboter, hat die Bewegungsplanung für die beidhändige Manipulation entwickelt.

„Unsere Algorithmen berechnen für die beiden Roboterarme die Bewegungen, mit denen die Fragmente zuverlässig aufgenommen und vorsichtig an der berechneten Position abgelegt werden“, erklärt ihr Doktorand Nils Dengler.

Er verbrachte für die Integration der Gesamtplattform fünf Wochen in Pompeji. Seine Aufgabe: Sicherstellen, dass die Komponenten der unterschiedlichen Projektpartner nahtlos zusammenarbeiten.

Projekt RePAIR – Eckdaten

  • Voller Name: Reconstructing the Past: Artificial Intelligence and Robotics meet Cultural Heritage
  • Förderung: 3,5 Mio. € (EU Horizon 2020, Grant Agreement No. 964854)
  • Laufzeit: September 2021 – November 2025
  • Koordination: Universität Ca‘ Foscari Venedig
  • Partner: Italian Institute of Technology (IIT), Archäologischer Park Pompeji, Universität Bonn, Ben-Gurion University of the Negev, Instituto Superior Técnico Lissabon
  • Digitalisierte Fragmente: rund 2000

Zerstört vom Vesuv, von Bomben und einem Einsturz

Getestet wurde das System an zwei konkreten Fällen: Fresken aus der Schola Armaturarum sowie an Deckenmalereien aus dem „Haus der Maler bei der Arbeit“. Beide Werke wurden in ihrer Lebenszeit schon drei Mal zerstört: beim Vesuvausbruch 79 n. Chr., während der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg sowie bei einem Gebäudeeinsturz im Jahr 2010.

Kein Wunder, dass sie mittlerweile in tausende Teile fragmentiert sind. Die Bruchstücke lagerten bislang in Magazinen: Für eine Zusammensetzung per Hand waren es zu viele.

Fragmente eines Wandreliefs aus Pompeji. © Foto: Humanoid Robots Lab, Uni Bonn

Fragmente eines Wandreliefs aus Pompeji. ©

Foto: Humanoid Robots Lab, Uni Bonn

Mehr als ein Pompeji-Projekt

Die in dem EU-Projekt entwickelte Technologie lässt sich theoretisch nicht nur in Süditalien anwenden. Weltweit lagern in Museumsdepots Millionen Fragmente von Keramik, Wandmalereien und Architekturteilen, deren Rekonstruktion aus Zeitgründen nie begonnen wurde. Das RePAIR-System kann nun die zeitaufwendigsten Schritte automatisiert übernehmen, sodass die Archäologen und Historikerinnen mehr Zeit für die wissenschaftliche Analyse und Interpretation haben.

„Es ist faszinierend zu sehen, wie Robotik nicht nur in Fabriken oder der Logistik Aufgaben löst, sondern auch beim Erhalt unseres kulturellen Erbes helfen kann“, resümiert Bennewitz. Für das Bonner Team sei das Projekt ein wichtiger Schritt gewesen, seine Robotik-Forschung stärker in gesellschaftlich relevante Anwendungen zu integrieren.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.