Humanoide Roboter 07.05.2026, 12:30 Uhr

Was Deutschland von Chinas Robotik-Initative lernen kann

In seinem jüngsten Fünfjahresplan setzt China noch stärker auf Robotik und KI. Branchenkenner Werner Kraus vom Fraunhofer IPA bewertet das differenziert und sieht noch Chancen für Deutschland.

Ein humanoider Roboter bereitet Kaffee an einer Maschine zu

Humanoide Roboter sind in China immer öfter im Alltag zu sehen. Wie dieses Modell bereiten sie beispielsweise Kaffee zu oder reichen Getränke.

Foto: Werner Kraus / Fraunhofer IPA

Nichts symbolisiert den Trend zu verkörperter KI so sehr, wie die Entwicklung humanoider Roboter. Weltweit staunt die Branche über das Entwicklungstempo in China.  Mit seinem 15. Fünfjahresplan stellt das Land nun bis 2030 Robotik und KI ins Zentrum seiner Industriepolitik. Werner Kraus, Leiter des Forschungsbereichs Automatisierung und Robotik am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), bewertet das differenziert.

Hardware-First Ansatz in Chinas Robotik

„China verfolgt in der Robotik einen konsequenten Hardware-First-Ansatz“, sagt Kraus auf Anfrage der VDI nachrichten. Nicht nur die Messe Fair-Plus Ende April 2026 in Shenzhen mit über 500 Ausstellern und 15.000 Besuchern diesen April zeigt das für ihn eindrucksvoll. Seine persönlichen Eindrücke: „Wie in einem Supermarkt konnte man humanoide Roboter zusammenstellen.“

Die geplante Verdreifachung der Messeflächen im kommenden Jahr hält er auch angesichts des aktuellen Fünfjahresplans (2026-2030) für durchaus realistisch. „Zwar planen die Chinesen selbst erst am Ende des Plans mit breitem Einsatz Humanoider. Aber KI-basierte Robotik spielt bereits heute eine zentrale Rolle“, stellt er nach seinem jüngsten Besuch in dem Land fest.

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Robotik wird erfahrbar: China bringt Roboter in den Alltag

Entscheidend sind für Kraus aber nicht nur die Demos auf Messen und die politischen Pläne der Zentralregierung. Wichtiger ist für ihn, was im Alltag in China live und abseits kuratierter Auftritte sowie Vorführungen erlebbar ist. Kraus fasst zusammen: „Lieferroboter werden tatsächlich produktiv in 10.000 Hotels genutzt, Verkaufsautomaten mit humanoiden Robotern bieten Getränke, autonome Taxis und private PKW mit türkisfarbenem Erkennungslicht gehören zum Straßenbild. Diese breite Präsenz macht Robotik für die Bevölkerung erfahrbar und normal.“

Jenseits kuratierter Roboterauftritte, bewertet der Roboterexperte die technische Realität in China jedoch differenziert. „Die Intelligenz der Humanoiden hinkt der Hardware hinterher“, fasst er seine Erfahrungen von mehreren Messe- und Firmenbesuchen zusammen. Viele Roboter werden demnach per Teleoperation gesteuert, von „Menschen in Niedriglohnregionen westlich von China“, so der Branchenkenner.

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Teleoperation kompensiert fehlende Autonomie der Roboter

Die Teleoperation dient laut Kraus einerseits der Datensammlung für die KI, andererseits der Kompensation fehlender Autonomie. „Auch wenn Unternehmen wie Tencent an Robot Foundation Models auf Weltniveau arbeiten, sind die praktischen Einschränkungen evident und der Product-Market-Fit noch optimierbar“, stellt er fest.

Das konnte er im April 2026 selbst beobachten: Die Demos bei denen Roboter Kaffee oder Popcorn anbieten, waren nach seiner Bewertung im besten Fall ein Viertel so schnell wie ein Mensch. „Traglasten liegen, wenn es hochkommt, bei wenigen Kilogramm und Kartons sind in Demos häufig leer, also besonders leicht. Das sieht man den kursierenden Videos natürlich nicht an“, merkt er kritisch an.

Deutscher KI-Robotik-Booster: Vom Planen zum Handeln kommen

Für das Fraunhofer IPA und die Robotik in Deutschland zieht Kraus daraus folgende Schlüsse: „Das  bedeutet: Der Product-Market-Fit für Humanoide und ihre echte Intelligenz sind noch offene Innovationsfelder und damit Opportunitäten. Entsprechend muss Deutschland endlich vom Planen zum Handeln kommen.“ Konzepte des KI-Robotik-Boosters der Bundesregierung existieren dazu bereit. „Sie gehören aus der Schublade auf die Straße. China zeigt: Erfahrung sammelt, wer heute startet, nicht, wer endlos plant“, lautet daher sein Credo.

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Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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