Londoner Science Museum 13.09.2014, 12:34 Uhr

Stararchitektin Zaha Hadid designed futuristische Mathe-Ausstellung

Für die Mathe-Ausstellung im Londoner Science Museum zieht Zaha Hadid alle Register: Die irakische Stararchitektin hängt eine Handley Page aus dem Jahr 1929 an die Decke. Die Luftströmungen um den berühmten Doppeldecker visualisiert sie mit riesigen futuristischen Skulpturen.  

So stellt sich Zaha Hadid den Ausstellungsraum vor: in der Mitte hängt der Doppeldecker, umgeben von Skulpturen, die Luftströmungen visualisieren. Möglich wird das Projekt durch eine 6,3 Millionen Euro hohe Spende.

So stellt sich Zaha Hadid den Ausstellungsraum vor: in der Mitte hängt der Doppeldecker, umgeben von Skulpturen, die Luftströmungen visualisieren. Möglich wird das Projekt durch eine 6,3 Millionen Euro hohe Spende.

Foto: Zaha Hadid Architects

Das Londoner Science Museum hat Großes vor in den kommenden Jahren. Die mathematische Galerie des über 150 Jahre alten Museums soll komplett neu gestaltet werden. Den Auftrag für das Design hat die im Irak geborene Star-Architektin mit britischem Pass, Zaha Hadid, bekommen, die in ihrem Entwurf die Schönheit der Mathematik visualisiert und die Besucher ein Teil davon werden lässt.

Im Zentrum der Ausstellung hängt Doppeldecker Handley Page von 1929

Hadid, die zuerst Mathematik studierte, bevor sie ins Architekturfach wechselte, hat ein zentrales Ausstellungsstück ins Zentrum ihres Designs gestellt: In der Mitte der Galerie hängt ein alter Doppeldecker über den Köpfen der Besucher. Nicht irgendein Flieger, sondern das historische Handley Page Flugzeug aus dem Jahr 1929, ein Meilenstein in der Luftfahrt, auf den die Briten mit besonderem Stolz zurückblicken.

1926 hatte der Amerikaner Daniel Guggenheim ein Preisgeld von 100.000 US-Dollar für ein Flugzeug ausgesetzt, das bestimmte Anforderungen erfüllt. Die Bedingungen seinerzeit waren hart, zum Beispiel sollte der Flieger ohne manuelle Steuerung fünf Minuten lang bei heftigem Wind stabil bleiben oder bei abgeschaltetem Motor und einer Geschwindigkeit von unter 60 km/h gleiten können.

Von den ursprünglich 27 Bewerbern blieben in der Finalrunde nur noch zwei übrig. Die Handley Page Gugnunc musste sich schließlich nur um Haaresbreite der amerikanischen Curtiss 54 Tanager geschlagen geben, gewann aber schließlich doch noch, nachdem Curtiss zugab, ein Patent von Handley Page unrechtmäßig verwendet zu haben.

Blick auf die Luftwirbel-Skulpturen hinter dem Doppeldecker. Auch die Gehwege der Besucher orientieren sich am Verlauf der Strömungen.

Blick auf die Luftwirbel-Skulpturen hinter dem Doppeldecker. Auch die Gehwege der Besucher orientieren sich am Verlauf der Strömungen.

Foto: Zaha Hadid Architects

Tatsache ist, dass zahlreiche Erfindungen, die in diesem Wettbewerb zuerst auftauchten, für die Flugzeugentwicklung bedeutsam geworden sind. Dazu gehört auch ein besseres Verständnis der Aerodynamik, der Kräfte, die ein Flugzeug in die Luft bringen und dort halten.

Zara Hadid greift die Strömungslehre in ihrem Entwurf auf und macht deren Dynamik auch für physikalische Laien anschaulich – in fast poetischer Weise. Dafür hat sie die Luftwirbel, die rund um die alte Handley Page entstehen würden, wenn sie fliegen würde, in riesigen Skulpturen mit stromlinienförmiger Gestalt nachgebildet.

Mathematische Konzepte werden zum interaktiven Erlebnis

Die Architektin stellt aber auch die Besucher selbst in aerodynamische Zusammenhänge. Schaut man aus der Vogelperspektive auf die Hauptwege, auf denen die Besucher durch die Ausstellung geführt werden, so folgen diese ebenfalls der Luft, die am Flugzeug vorbeiströmt. So entsteht ein harmonisch wirkendes Wegenetz, in dem die Besucher sanft um das zentrale Ausstellungsstück herumgeleitet werden. In den vier Ecken des Raumes können sie dann ohne spezielle Wegeführung zwischen den Exponaten umherwandern.

Blick aus der Vogelperspektive: Die rosa Linien zeigen die Gehwege der Besucher, die sich quasi auf den Luftströmen bewegen, die den Doppeldecker theoretisch umgeben.

Blick aus der Vogelperspektive: Die rosa Linien zeigen die Gehwege der Besucher, die sich quasi auf den Luftströmen bewegen, die den Doppeldecker theoretisch umgeben.

Foto: Zaha Hadid Architects

„Das Design erforscht die zahlreichen Einflüsse, die die Mathematik auf unser tägliches Leben hat“, sagt Zaha Hadid zu ihrem Entwurf. „Ich wollte scheinbar abstrakte mathematische Konzepte in ein aufregendes interaktives Erlebnis für Besucher aller Altersgruppen transformieren.“ Die Eröffnung der neuen Mathe-Galerie ist für 2016 geplant. Möglich wird die Neugestaltung durch eine 6,3 Millionen Euro hohe Spende der David und Claudia Harding Stiftung.

Von Gudrun von Schoenebeck Tags:

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