Hochbau 14.09.2012, 11:52 Uhr

Chinesische Broad Group: 220-Etagen-Hochhaus aus Fertigteilen

Nach dem Prinzip Lego-Steine baut Chinas Broad Group zurzeit mit einer neuentwickelten Technik zwei Etagen am Tag. Der Plan ist, ein 220-stöckiges Gebäude ab Fundament in nur drei Monaten fertigzustellen. 30 000 Menschen sollen dann in diesem Gebäude leben, arbeiten, Restaurants und Schulen besuchen und vor allem 104 Fahrstühle in Bewegung halten.

Hoch hinaus: Chinas Broad Group plant 220 Stockwerke am Fließband.

Hoch hinaus: Chinas Broad Group plant 220 Stockwerke am Fließband.

Foto: StatoilHydro

Hochhäuser erfordern meist relativ lange Bauzeiten. Vier bis fünf Jahre sind nichts Ungewöhnliches. Der 452 m hohe Doppelturm „Petronas“ in Kuala Lumpur war sogar erst nach gut sechs Jahren fertiggestellt.

Um die langen Bauzeiten mit den damit verbundenen hohen Zinsbelastungen ohne jegliches Einnahmepotenzial zu vermeiden, setzt die chinesische Broad-Gruppe auf eine von ihr entwickelte Bauweise, die unverkennbar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Lego-Bausteinprinzip aufweist.

Die Bausteine für das Broad Group-Hochhaus werden industriell hergestellt

Die Bausteine für Hochhäuser messen allerdings 15,6 m x 3,9 m x 3,9 m. Diese vornehmlich aus Stahl gefertigten Blöcke werden industriell hergestellt und dann mittels Lkw zur Baustelle gefahren. Dort werden sie aufeinandergesetzt und mit einer Vielzahl von Schrauben miteinander verbunden. Im Innenausbau sind Architekten und Designer weitestgehend frei – solange sie bereit sind, sich an das Raster von Broad zu halten. Nach deren Angaben lassen sich auf diese Weise zwei Etagen am Tag im Rohbau errichten. Das bislang höchste Gebäude, das die Broad-Gruppe mit dieser Technik gebaut hat, ist ein Hotel in China mit 30 Stockwerken.

Hochhäuser nach einer Art Fertigbautechnik zu errichten, ist bislang höchst ungewöhnlich. So gibt es natürlich auch Bedenken gegenüber der Block-Bauweise von Broad. Dabei steht die Erdbebensicherheit im Vordergrund, was angesichts der Erdbebenhäufigkeit in weiten Teilen Chinas kaum überraschen kann.

Das Baukasten-Hochhaus wird derzeit auf Erdbebensicherheit getestet

Derzeit testet die Unternehmensgruppe ein in verkleinertem Maßstab aus Blöcken errichtetes Hochhaus in einer Halle auf seine Erdbebensicherheit. Zumindest in den ersten Testmonaten soll es keine unangenehmen Überraschungen gegeben haben. Das besondere Interesse von Broad an der Erdbebensicherheit ihrer Bauten erklärt sich daraus, dass der Vorstandsvorsitzende und Großaktionär Zhang Yue im Jahre 2008 unter dem Eindruck eines katastrophalen Bebens in Sichuan überhaupt erst auf die Idee dieser Blockbauweise, die er als besonders sicher einschätzt, kam. Seit der Gründung 20 Jahre zuvor hatte Zhang vor allem gasbetriebene Klimaanlagen hergestellt. Das ist auch heute noch das Hauptgeschäft der Gruppe.

Zhang ist von seinem Hochhausbaukonzept und dessen Erdbebensicherheit so stark überzeugt, dass er sich gegenwärtig bemüht, ein Konsortium für die Finanzierung eines 220-Stockwerke-Hochhauses zusammenzubringen. Dieses Gebäude soll 838 m hoch werden und nach Fertigstellung der Fundamente im Rohbau lediglich eine Bauzeit von drei Monaten erfordern. Als Standort für das superhohe Hochhaus ist Changsha vorgesehen, eine Stadt mit 7 Mio. Einwohnern in der chinesischen Provinz Hunan.

Chinas KP muss Hochhaus-Bau in Changsha noch zustimmen

Ob das Hochhaus tatsächlich gebaut wird, hängt im Wesentlichen von der Entscheidung der Kommunistischen Partei ab, die zwangsläufig auch in Changsha das Sagen hat. In die derzeitige, auf dauerhafte Belebung der Binnenkonjunktur in China ausgerichtete Wirtschaftspolitik passte ein solches Vorhaben durchaus. Reizvoll für die Wirtschaftsplaner ist dabei auch, dass sich eine solche Fertigbautechnik für Hochhäuser im Erfolgsfalle sowohl landesweit wie auch im Auslandsbau nutzen ließe.

Das für Changsha geplante Superhochhaus soll 30 000 Menschen beherbergen. Im gleichen Gebäude sollen auch Schulen, Büros, Fitnesseinrichtungen, Geschäfte und Restaurants untergebracht werden. Den hier lebenden und arbeitenden Menschen stünden 104 Fahrstühle zur Verfügung.

  • Peter Odrich

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