Bröckelnde Fassade am Gehry-Bau: Düsseldorfer Wahrzeichen muss saniert werden
An einem der bekanntesten Gehry-Bauten Deutschlands haben sich Teile der Fassade gelöst. Während die Schäden am Düsseldorfer Neuen Zollhof untersucht werden, läuft bereits die denkmalgerechte Sanierungsplanung. Ein Blick auf das Gebäude und weitere spektakuläre Werke des Stararchitekten.
Schwere Schäden am Gebäude-Ensemble "Neuer Zollhof" von Star-Architekt Frank Gehry.
Foto: picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON
Der Neue Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen zählt zu Frank Gehrys bekanntesten Bauten in Deutschland. Nun sorgt das Ensemble wegen Schäden an der Fassade für Schlagzeilen: Am weißen, 13-geschossigen Gebäude haben sich Putzteile gelöst. Der Bereich wurde abgesperrt und soll mit Sicherheitsnetzen gesichert werden.
Nach Angaben des zuständigen Property-Managers wurden die jüngsten Schäden durch einen Sturm verursacht. Hinweise auf strukturelle Schäden gebe es bislang nicht, eine umfassende Begutachtung laufe. Die Sanierung ist allerdings auch eine Frage des Denkmalschutzes: Das Gehry-Ensemble steht seit 2020 unter Schutz, für das weiße Gebäude wurde inzwischen eine Musterachse genehmigt, an der das geplante Sanierungsverfahren erprobt werden soll.
Der aktuelle Fall ist Anlass für einen Blick auf den Neuen Zollhof und neun weitere außergewöhnliche Bauwerke des 2025 gestorbenen Stararchitekten Frank Gehry.
Inhaltsverzeichnis
- Über den Architekten Frank Gehry
- 10 außergewöhnliche Gebäude von Frank Gehry im Überblick
- Neuer Zollhof in Düsseldorf
- Guggenheim-Museum in Bilbao
- Walt Disney Concert Hall in Los Angeles
- Tanzendes Haus in Prag
- 8 Spruce Street in New York
- Weisman Art Museum in Minneapolis
- Stata Center am MIT in Cambridge
- Hotel Marqués de Riscal in Elciego
- Museum of Pop Culture in Seattle
- Museo de la Biodiversidad in Panama-Stadt
Über den Architekten Frank Gehry
Frank Owen Gehry wurde am 28. Februar 1929 in Toronto unter dem Namen Ephraim Owen Goldberg geboren. Der kanadisch-US-amerikanische Architekt und Designer lebte seit 1947 in Kalifornien, sein Wohnhaus in Santa Monica ist ein „echter Gehry“ – nur etwas kleiner, als er üblicherweise unterwegs ist. Er stammte aus einer jüdisch-polnischen Familie, wobei ihm seine erste Ehefrau Anita den Nachnamen Gehry vorschlug.
Gehry studierte bis 1954 an der University of Southern California in Los Angeles Architektur, später absolvierte er noch ein Zweitstudium für Stadtplanung an der Harvard Graduate School of Design. Ab 1962 betrieb er in Los Angeles ein eigenes Architekturbüro. Nachdem er in seinen Anfangsjahren noch konventionelle Bauwerke entworfen hatte, wurde es im Laufe der Zeit immer wilder. Schauen wir uns zehn besonders spektakuläre Bauwerke von Gehry genauer an.
10 außergewöhnliche Gebäude von Frank Gehry im Überblick
| Bauwerk | Standort | Baujahr / Eröffnung |
| Neuer Zollhof | Düsseldorf | 1999 |
| Guggenheim-Museum | Bilbao | 1997 |
| Walt Disney Concert Hall | Los Angeles | 2003 |
| Tanzendes Haus | Prag | 1996 |
| 8 Spruce Street | New York | 2011 |
| Weisman Art Museum | Minneapolis | 1993 |
| Stata Center am MIT | Cambridge | 2004 |
| Hotel Marqués de Riscal | Elciego | 2006 |
| Museum of Pop Culture | Seattle | 2000 |
| Museo de la Biodiversidad | Panama-Stadt | 2014 |
Neuer Zollhof in Düsseldorf
Das Gebäudeensemble „Neuer Zollhof“ in Düsseldorf ist allgemein nur als die Gehry-Bauten bekannt. Es besteht aus drei dekonstruktiven Gebäuden ohne Gesimse oder Sockel. Besonders auffällig ist die Krümmung der Fassade mit der gewellten Oberfläche. Alle Formen fließen organisch zusammen. Die Gebäude wurden zwischen 1996 und 1998 gebaut und am 19. Oktober 1999 eingeweiht. Ursprünglich hatte Zaha Hadid den Architektur-Wettbewerb für den Neubau des abzubrechenden Zollhofes gewonnen. Ihr Entwurf wurde jedoch nicht realisiert.

Neben den Formen fallen die verschiedenen Oberflächen der drei Gebäude auf – eines glitzert silbern in der Sonne, ein anderes kommt ganz in Weiß daher. Der dritte Gehry-Bau hat eine Oberfläche in Ziegelrot. Apropos Formen: Die Gebäude bilden in ihrer expressiven Gestalt zwar eine Dreieinigkeit, unterscheiden sich in der Ausführung jedoch sehr stark. Das weiß verputzte Gebäude hat 13 Geschosse und sein verschachteltes Bauvolumen wird von großformatigen Rundungen bestimmt. Das silberne Gebäude in der Mitte hat lediglich sieben Geschosse, während das verklinkerte Gebäude aus elf Geschossen besteht. Seine Form ist zudem auffällig kantiger als die der beiden anderen Bauwerke.
Guggenheim-Museum in Bilbao
Das Guggenheim-Museum in Bilbao zählt sicherlich zu den Meisterwerken von Frank Gehry, vielleicht ist es sogar sein absolutes Meisterwerk. Es eröffnete 1997 nach vierjähriger Bauzeit und lockt seitdem Millionen von Touristen in die Stadt, die sich dieses spektakuläre Bauwerk und natürlich auch die Kunst darin anschauen wollen. Es hat eine ganze Stadt wachgeküsst. Vorher war Bilbao ein trister Industrie- und Hafenstandort, den niemand freiwillig besuchen wollte. Das Guggenheim-Museum änderte dies, zumal andere berühmte Architekten wie Norman Foster, der die U-Bahn-Linie entwarf oder der Portugiese Álvaro Siza, der den Entwurf für ein neues Universitätsgebäude beisteuerte, das Gesicht der Stadt komplett wandelten.

Das Guggenheim-Museum selbst ist architektonisch ein typischer Gehry-Bau: Es ist ein formenreiches Riesengebilde, das je nach Standpunkt mal an eine halbe Artischocke, mal an ein Schiff oder an einen geköpften Fisch erinnert. Versiegelt ist es mit Titanplatten, ab und an blitzen einige Glasfassaden hervor. Hinzu kommt heller spanischer Kalksandstein. Das 130 Meter lange und 30 Meter breite Museum kennt keinen Anfang und kein Ende, kein vorne und kein hinten. Es ist einfach ein Meisterwerk. Auch die US-Architektenlegende Philip Johnson verbeugte sich vor seinem Kollegen: „Das ist das beste Bauwerk unserer Zeit.“
Walt Disney Concert Hall in Los Angeles
Durchaus umstritten war der Bau der Walt Disney Concert Hall. Mehrmals stand das Projekt kurz vor dem Abbruch, doch durch großzügige Spenden konnte das Bauwerk von Frank Gehry im Jahr 2003 schließlich doch beendet werden. Insgesamt 274 Millionen Dollar kostete das Gebäude, davon stammten 50 Millionen Dollar von Lillian Disney, der Witwe von Walt. Wie bei vielen Bauten von Gehry beindruckt bei der Walt Disney Concert Hall die Extravaganz ihrer Formen, die jegliche Regeln von Harmonie, Symmetrie und Konformismus missachten.

Bei der Walt Disney Concert Hall handelt es sich um einen ganzen Gebäudekomplex, auf dem Dach gibt es zum Beispiel auch einen Garten, der ebenfalls von Gehry entworfen wurde. Von der Form ähnelt das Bauwerk einem Segelschiff – allerdings mit einer Hülle aus rostfreiem Stahl. Das sorgt dafür, dass die Halle je nach Tageszeit in einer anderen Farbe leuchtet. Insgesamt umfasst die Konzerthalle eine Fläche von 2140 m² und bietet Platz für 2265 Besucher. Dort musste Gehry jedoch das Zepter aus der Hand geben, dort hatten die Akustiker das Sagen, denn schließlich ist dort der Klang das Wichtigste und nicht die Architektur.
Tanzendes Haus in Prag
Seine gesamte Kreativität hat Frank Gehry auch beim Tanzenden Haus in Prag ausgelebt. Es entstand zwischen 1992 und 1996, wobei der ebenfalls sehr bekannte Architekt Vlado Milunić als Partner fungierte. Als Vorbild für das Bauwerk gelten Fred Astaire und seine Partnerin Ginger Rogers, wobei Astaire den steinernen und Rogers den gläsernen Turm symbolisiert. Das nicht nur in Prag einzigartige Gebäude steht direkt am Ufer der Moldau am Rašín-Kai und dient überwiegend als Bürogebäude. Im obersten Stockwerk gibt es jedoch ein Restaurant, außerdem befindet sich im Tanzenden Haus ein kleines Hotel.

Da es so gar nicht in das übrige Stadtbild Prags passen wollte, entbrannte über das Tanzende Haus eine heftige Diskussion. Auf der einen Seite wurde die moderne Architektur gelobt, auf der anderen Seite gerade dies kritisiert. Mittlerweile haben die meisten Prager den Besuchermagneten jedoch akzeptiert. Im Jahr 1997 zeichnete die amerikanische Zeitschrift Time das Bauwerk mit ihrem Designpreis aus. Zudem zählt es gemäß einer tschechischen Umfrage zu den 5 besten Gebäuden der letzten 90 Jahre im Land. Längst ist es Wahrzeichen für Prag und gilt als Symbol für dekonstruktivistische Architektur unserer Zeit.
8 Spruce Street in New York
8 Spruce Street bereichert seit 2011 die Skyline von New York. Der Wolkenkratzer wurde nach seiner Adresse benannt, ist aber auch unter dem Namen Beekman Tower bekannt. Der Baustil des über 260 Meter hohen Gebäudes ist nicht ganz so wild wie bei vielen anderen Gebäuden von Frank Gehry, doch der Dekonstruktivismus ist dennoch deutlich zu erkennen. Im Jahr 2011 erhielt 8 Spruce Street den Emporis Skyscraper Award, ein renommierter Architekturpreis für neue Wolkenkratzer.

Insgesamt verfügt das Hochhaus über 76 Stockwerke, die nahezu vollständig mit Wohnungen belegt sind. Insgesamt gibt es 903 Wohneinheiten und eine Nutzungsfläche von 93.000 Quadratmeter. Von außen betrachtet wirkt der Baukörper wie zwei nebeneinandergestellte Säulen. Zudem ist die Fassade – typisch für Gehry – leicht gewellt und weist zudem unterschiedliche Strukturmuster auf. Damit unterscheidet sich der Wolkenkratzer recht deutlich von vielen anderen Bauten von New York. Das Tragwerk besteht aus Stahlbeton, die Fassade aus Glas und Edelstahl.
Weisman Art Museum in Minneapolis
Das Weisman Art Museum steht am Ufer des Mississippi auf dem Campus der University of Minnesota. Das von Frank Gehry entworfene Gebäude wurde 1993 bezogen. Gehry war 1989 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet worden, dem Nobelpreis der Architektur.
Das Bauwerk hat zwei Gesichter, je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet. Auf der einen Seite hat es eine Backsteinfassade, die sich in die bestehenden Backstein- und Sandsteingebäude einfügt. Auf der anderen Seite ist die Fassade mit unregelmäßig beschichteten Edelstahlteilen verkleidet, die eine Fläche aus Kurven und Winkeln bilden.

Gehry selbst nannte dieses Design „Wasserfall mit Fischen“. Das Motiv taucht in einigen seiner Werke auf, so zum Beispiel beim Goldfisch im olympischen Hafen von Barcelona. Der „Peix d’Or“ am Fuße des Hotels de las Arts ist 56 Meter lang und 35 Meter hoch und sieht aus, als wolle er ins blaue Wasser des Mittelmeers springen. Das Weisman Art Museum wurde zwischen 2009 und 2011 nochmals erweitert – wiederum von Gehry. Durch die Erweiterungsmodule aus Beton und Baustahl ist das Museum nun in der Lage, die Kapazität der Ausstellung jederzeit zu verdoppeln.
Stata Center am MIT in Cambridge
Das Ray and Maria Stata Center for Computer, Information and Intelligence Sciences wurde auf dem Gelände des legendären MIT-Gebäudes 20 erbaut, einem „provisorischen“ Fachwerkgebäude, das während des Zweiten Weltkriegs errichtet wurde und als Brutstätte für viele großartige, vom Massachusetts Institute of Technology entwickelte Ideen diente. Das von Gehry entworfene Gebäude wurde 2004 eröffnet, der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Kritiker Robert Campbell schrieb im Boston Globe, das Gebäude sei „ein architektonisches Werk, das ein ernsthaftes Nachdenken über die Art und Weise, wie Menschen leben und arbeiten, verkörpert und gleichzeitig die Freude an Erfindungen verkündet.“

Von außen betrachtet wirkt das Stata Center so, als würde es niemals fertig werden und als ob es gleich einstürzen würde. So neigen sich Säulen in beängstigenden Winkeln, die Wände stoßen in zufälligen Kurven und Winkeln zusammen – typisch Gehry kann man sagen. Neben den Formen wechseln auch die verschiedenen Materialien, außer Ziegelstein kommen noch spiegelnder Stahl, gebürstetes Aluminium, Wellblech oder bunte Farbe zum Einsatz. Generell wird das Stata Center als eines der besten Bauwerke Gehrys angesehen. Gleichwohl gibt es auch einige Kritiker, die mit dem dekonstruktivistischen Gebäude nur wenig anfangen können.
Hotel Marqués de Riscal in Elciego
Frank Gehrys Werke sind nicht nur in den großen Metropolen dieser Welt zu bestaunen. Das Hotel Marqués de Riscal ist ein Beispiel dafür. Es steht in dem spanischen 1000-Seelen-Weindorf Elciego und bildet den Kern der „Stadt des Weines“. Es wurde von der Weinkellerei Marqués de Riscal initiiert und 2006 vom spanischen König Juan Carlos I. feierlich eröffnet. Wie auch das Guggenheim-Museum in Bilbao ist das Bauwerk mit Edelstahl und Titan verkleidet, Gehry integrierte dabei allerdings die Farben des Weingutes: Rosa, Gold und Silber.

Das Hotel erhebt sich über die Weinberge und erinnert mit seinen verschlungenen Ästen an die Form und Gesten von Reben. Dazu geht es acht Meter unter die Erde, wo einige Einrichtungen der Weinkellerei untergebracht sind. Für jeden sichtbar sind hingegen die drei riesigen Stützen mit einer Höhe von 16,5 Metern, die über die Bodenplatte der Eingangsebene bis zum ersten Stock reichen. Dort tragen sie eine dicke Betonplatte mit einer Tiefe von 1,5 Metern. Insgesamt verleiht der unregelmäßige Umfang der Geschosse dem Gesamtvolumen ein pyramidenartiges Aussehen.
Museum of Pop Culture in Seattle
Mit dem Museum of Pop Culture in Seattle wollte Frank Gehry ein Bauwerk erschaffen, das an Rock ’n‘ Roll erinnert. Der Architekt kaufte dafür mehrere E-Gitarren, zerschnitt sie und verwendete sie als Bausteine für einen frühen Modellentwurf. Herausgekommen ist ein typischer Gehry-Bau: Das Äußere des Museums ist eine Verschmelzung von Texturen und unterschiedlichen Farben. Es vermittelt schon durch seine Optik die ganze Energie und den Fluss der Musik.

Die Außenseite des Gebäudes besteht aus 3000 Paneelen, die wiederum aus 21.000 einzeln zugeschnittenen und geformten Edelstahl- und Aluminiumschindeln bestehen. Die individuellen Oberflächen reagieren auf verschiedene Tageszeiten und scheinen sich zu verändern, wenn man sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Die Grundfläche des Museums beträgt etwa 3250 Quadratmeter, die Nutzfläche liegt bei rund 13.000 Quadratmetern. Das Gebäude ist bis zu 26 Meter hoch, 64 Meter breit und 110 Meter lang.
Museo de la Biodiversidad in Panama-Stadt
Wie auch viele andere Bauwerke Gehrys polarisiert und fasziniert das Museo de la Biodiversidad in Panama-Stadt. Das Museum der Artenvielfalt liegt am Pazifischen Ozean und genau dort, wo der Panamakanal beginnt. Es ist Frank Gehrys einziges Bauwerk in Lateinamerika und sieht so aus, als ob ein Kind bunte Bauklötze ineinander verkeilt hätte – nur wesentlich größer. Von weitem betrachtet könnte man das Museum aber auch für einen Schrottplatz halten.

So ist es aber natürlich nicht, Frank Gehry hat sich beim Entwurf durchaus etwas gedacht und einen Bezug zum Thema des Museums hergestellt. So stellen die massiven Hauptträger einen Baumstamm dar, die schmaleren Querbalken die Äste. Mit etwas Fantasie lassen sich im Dach mit seinen abstrakten Formen Schmetterlinge und Bäume entdecken. Dazu passt die offene Dachkonstruktion, die wie ein Blattwerk funktioniert. Regnet es, fällt an einigen Stellen das Wasser bis zum Boden, an anderen Stellen nicht. Genauso wie im Regenwald.
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