Jeddah Tower wächst weiter, deutsche Technik an Bord
Der Jeddah Tower erreicht 430 Meter und Ebene 107. Deutsche Befestigungstechnik hilft beim Kilometerturm – 2028 bleibt ambitioniert.
Die Baustelle des Jeddah Tower im April 2025: Nach jahrelangem Stillstand wächst der geplante Kilometerturm in Dschidda wieder in die Höhe.
Foto: Smarterpix / pbmod
Der Jeddah Tower wächst wieder deutlich sichtbar: Ende Juli 2026 erreichte der Wolkenkratzer in Saudi-Arabien eine Höhe von rund 430 m. Bis zur geplanten Spitze fehlen noch mehr als 570 m. Neu ist: Auch deutsche Technik steckt im Rekordbau. Der Befestigungsspezialist fischer liefert Stahlanker und chemische Befestigungslösungen für den künftigen Kilometerturm. Doch reicht das aktuelle Bautempo tatsächlich für die geplante Fertigstellung 2028?
Inhaltsverzeichnis
- Acht weitere Ebenen seit April
- Fertigstellung 2028 bleibt ein Ziel
- 270 Pfähle tragen den Kilometerturm
- Das Tragwerk kommt ohne klassische Aussteifungsebenen aus
- Deutsche Befestigungstechnik steckt im Jeddah Tower
- Aufzüge über 660 Höhenmeter
- Hotel, Wohnungen und Büros auf 530.000 m²
- Warum der Bau jahrelang stillstand
Acht weitere Ebenen seit April
Der bislang ausführlichste offizielle Zwischenstand stammt aus dem April 2026. Damals meldete Kingdom Holding Ebene 99 und eine Höhe von etwa 398 m. Mehr als 274.000 m³ Beton waren zu diesem Zeitpunkt verbaut – nach Unternehmensangaben rund 61 % der insgesamt vorgesehenen Menge. Etwa 6000 Beschäftigte arbeiteten rund um die Uhr an dem Projekt.
Parallel zum Rohbau hatte die Montage der Fassade begonnen. Ende April waren Fassadenelemente an mehr als 36 Ebenen installiert. Die erste Montage der technischen Gebäudeausrüstung lief in den Bürobereichen der Ebenen 7 bis 14. Der Baufortschritt an der Spitze sagt daher nur begrenzt etwas über den Fertigstellungsgrad des gesamten Gebäudes aus. Innenausbau, Haustechnik, Aufzüge und Fassade liegen deutlich hinter dem Betonkern zurück.
Zwischen dem offiziellen Stand vom 28. April und dem Ende Juli gemeldeten Stand kamen acht Ebenen hinzu. Die frühere Ankündigung, etwa alle vier Tage eine neue Etage herzustellen, lässt sich daraus nicht bestätigen. Ein direkter Vergleich ist allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig: Der Turm verjüngt sich nach oben, die Geometrie der Ebenen verändert sich und einzelne Bauabschnitte benötigen unterschiedlich viel Zeit.
Fertigstellung 2028 bleibt ein Ziel
Für die Fortsetzung des Turmbaus unterzeichnete die Jeddah Economic Company im Oktober 2024 einen Vertrag mit der Saudi Binladin Group. Das Volumen beträgt 7,2 Mrd. Saudi-Riyal, umgerechnet rund 1,7 Mrd. €. Davon entfielen etwa 1,1 Mrd. Saudi-Riyal auf bereits früher ausgeführte Arbeiten. Als vorgesehene Bauzeit nennt die Börsenmitteilung 42 Monate. Finanziert werden soll das Projekt aus eigenen Mitteln und über Bankkredite.
Das weiterhin genannte Jahr 2028 ist deshalb grundsätzlich mit dem Vertrag vereinbar. Ein verbindlicher Eröffnungstermin ergibt sich daraus jedoch nicht. Die 42 Monate beziehen sich auf die Bauleistungen des Vertrags. Abnahmen, Inbetriebnahme, Innenausbau und die Eröffnung einzelner Gebäudebereiche können darüber hinausgehen.
Gerade bei einem Hochhaus dieser Dimension endet die kritische Phase nicht mit dem Erreichen der endgültigen Höhe. Die Fassadentechnik, der vertikale Transport, die Druckzonen der Wasserversorgung, die Entrauchung und die Evakuierung müssen über mehrere Hundert Höhenmeter funktionieren. Aus dem schnellen Wachstum des Betonkerns lässt sich deshalb kein sicherer Eröffnungstermin ableiten.
270 Pfähle tragen den Kilometerturm
Unter dem Jeddah Tower liegt eine 5 m dicke Fundamentplatte. Sie stützt sich nach Angaben des Tragwerksplaners Thornton Tomasetti auf 270 Bohrpfähle. Die Pfähle haben einen Durchmesser von bis zu 1,8 m und reichen bis zu 105 m tief in den Untergrund.
Die Pfähle müssen nicht nur das enorme Gewicht des Turms übertragen. Sie sollen auch unterschiedliche Setzungen begrenzen und die aus Windlasten entstehenden Kippmomente aufnehmen. Die Nähe zum Roten Meer stellt zusätzliche Anforderungen an den Beton und den Schutz der Bewehrung vor chloridhaltigem Grundwasser.
Die gelegentlich genannte Geschichte, der Turm sei ursprünglich 1600 m hoch geplant gewesen und allein wegen eines ungeeigneten Baugrunds auf rund 1000 m verkürzt worden, ist nicht ausreichend belegt. Die aktuellen Projektpartner bestätigen lediglich eine geplante Höhe von mehr als 1000 m. Auch der häufig verbreitete exakte Wert von 1007 m findet sich in den aktuellen Unterlagen von Kingdom Holding nicht.
Das Tragwerk kommt ohne klassische Aussteifungsebenen aus
Der Grundriss des Jeddah Towers besteht aus drei Flügeln, die sich um einen zentralen Kern gruppieren. Die Flügel werden mit zunehmender Höhe schmaler und enden auf unterschiedlichen Ebenen. Dadurch verändert sich der Querschnitt des Gebäudes kontinuierlich.
Diese Form hat eine technische Funktion. Gleichförmige, prismatische Hochhäuser können bei starkem Wind periodische Wirbel erzeugen. Treffen deren Frequenzen ungünstig mit den Eigenfrequenzen des Bauwerks zusammen, verstärken sich die Schwingungen. Die sich verjüngende und asymmetrische Form des Jeddah Towers stört diese regelmäßige Wirbelablösung und reduziert damit die Windlasten.
Auch das Tragwerk unterscheidet sich von vielen anderen Superhochhäusern. Sämtliche Wände sind miteinander verbunden und übernehmen sowohl vertikale Lasten als auch Windkräfte. Nach Angaben von Thornton Tomasetti kommt das System ohne klassische Stützen, Outrigger-Träger, umlaufende Gurtträger und vertikale Lastumlagerungen aus. Das soll die Konstruktion vereinfachen und einen vergleichsweise schnellen Rohbau ermöglichen.
Deutsche Befestigungstechnik steckt im Jeddah Tower
Am Bau des Rekordturms ist auch ein deutsches Unternehmen beteiligt. Die Unternehmensgruppe fischer aus Waldachtal im Nordschwarzwald liefert Stahlanker und chemische Befestigungslösungen für den Jeddah Tower. Fachleute des Unternehmens unterstützen die Arbeiten zudem direkt vor Ort.
Welche Bauteile konkret mit den Systemen befestigt werden und welche Produkte dabei zum Einsatz kommen, teilt fischer bislang nicht mit. Das Unternehmen verweist vor allem auf die hohe Tragfähigkeit und Zuverlässigkeit seiner Lösungen unter den besonderen Bedingungen eines solchen Hochhausprojekts.
Die eigentliche Tragwerksplanung des Jeddah Towers stammt von Thornton Tomasetti. fischer übernimmt also nicht die Stabilisierung des Gesamtgebäudes, sondern liefert Befestigungstechnik für einzelne Anwendungen innerhalb des Projekts.
Für das Unternehmen ist der Jeddah Tower nicht das erste Großprojekt in der Golfregion. Nach eigenen Angaben kamen fischer-Lösungen bereits beim Burj Khalifa, beim Louvre Abu Dhabi und beim Aussichtsrad Ain Dubai zum Einsatz.

Aufzüge über 660 Höhenmeter
Für die Aufzüge setzt das Projekt auf besonders leichte Zugmittel. Konventionelle Stahlseile werden bei großen Förderhöhen zunehmend problematisch, weil ihr Eigengewicht einen erheblichen Teil der zulässigen Belastung beansprucht. Kone plant deshalb den Einsatz des kohlenstofffaserbasierten UltraRope-Systems.
Nach Angaben des Herstellers sollen einzelne Aufzüge einen Höhenunterschied von bis zu 660 m überwinden. Die Geschwindigkeit soll mehr als 10 m/s erreichen. Die komplette Strecke von der Eingangsebene bis zur Spitze wird dennoch nicht ohne Umstieg möglich sein. Der Turm wird in mehrere vertikale Verkehrszonen gegliedert.
Bei der Zahl der Aufzüge sind die veröffentlichten Angaben nicht einheitlich. Die aktuelle Projektseite der Architekten nennt 59 Aufzüge, darunter 54 einstöckige und fünf doppelstöckige Anlagen. Kone führt in seiner Referenz 57 Aufzüge auf. Solange keine aktualisierte technische Dokumentation vorliegt, sollte deshalb keine der beiden Zahlen als endgültig gelten.
Hotel, Wohnungen und Büros auf 530.000 m²
Der Jeddah Tower ist als gemischt genutztes Gebäude vorgesehen. Geplant sind ein Four-Seasons-Hotel, Büroflächen, Serviced Apartments und Luxuswohnungen. Hinzu kommt eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform. Die sogenannte Sky Terrace soll auf Ebene 157 liegen und einen Durchmesser von rund 30 m haben.
Die Projektpartner geben die gesamte Baufläche mit rund 530.000 m² an. Pauschale Angaben von „mehr als 200 Stockwerken“ sind dagegen problematisch. Je nach Quelle werden nutzbare Geschosse, technische Ebenen und Bauebenen unterschiedlich gezählt. Belastbarer ist deshalb die konkrete Benennung einzelner Nutzungsebenen. Der Turm bildet das Zentrum der geplanten Jeddah Economic City. Das Stadtentwicklungsprojekt umfasst rund 5,3 Mio. m² nördlich von Dschidda. Der Wolkenkratzer soll dabei nicht nur als Landmarke dienen, sondern Investitionen in Wohnungen, Hotels, Büros und Infrastruktur anziehen.
Warum der Bau jahrelang stillstand
Der Bau begann 2013 und kam 2017 beziehungsweise 2018 weitgehend zum Erliegen. Der Stillstand fiel in die Zeit einer groß angelegten Antikorruptionskampagne in Saudi-Arabien. Dabei wurden sowohl Prinz Alwaleed bin Talal als auch Führungskräfte der beteiligten Saudi Binladin Group festgesetzt. Hinzu kamen finanzielle und organisatorische Probleme beim Baukonzern.
Erst 2024 wurde die Fortsetzung vertraglich neu geordnet. Anfang 2025 nahm der Hochbau wieder sichtbar Fahrt auf. Seitdem ist der Jeddah Tower von rund 256 m auf etwa 430 m gewachsen.
Quellen:
- Kingdom Holding Company: Quartalspräsentation mit Projektstand April 2026 – Ebene 99, rund 398 m, Betonmenge, Fassade, Gebäudetechnik und Beschäftigtenzahl.
- Prinz Alwaleed bin Talal: Aktueller Stand Ebene 107 – offizieller Projektfortschritt Ende Juli 2026.
- Saudi Exchange: Vertrag zur Fortsetzung des Turmbaus – Vertragswert von 7,2 Mrd. Saudi-Riyal und vorgesehene Bauzeit von 42 Monaten.
- Adrian Smith + Gordon Gill Architecture: Jeddah Tower – Architektur, Nutzung, aerodynamische Form, Aufzüge und Sky Terrace.
- Kone: Jeddah Tower – Aufzugstechnik und Förderhöhe von bis zu 660 m.
- CTBUH: Burj Khalifa – bestätigte Höhe des aktuellen Rekordhalters von 828 m.
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