Die besten Ziegelbauten 2026: Vom Tempel in Vietnam bis zur Tequila-Fabrik in Mexiko
Brick Award 2026: Ein vietnamesischer Tempel aus 6 Mio. alten Dachziegeln gewinnt den Hauptpreis. Sechs Siegerprojekte von Mallorca bis Mexiko zeigen, was mit Ziegeln möglich ist.
6 Mio. wiederverwertete Dachziegel sind die Bausubstanz dieses Siegerprojekts des Brick Award 2026. Dao Mau in Hanoi gewann in der Kategorie "Öffentliche Gebäude und Räume".
Foto: Trieu Chien
Drei Jahre haben sie Dachziegel aus den Dörfern der Region gesammelt, immer dann, wenn eines der alten Häuser abgerissen wurde, um etwas Moderneres zu bauen. Aus den gebrauchten Dachziegeln dieser Häuser haben ARB Architects in Soc Son, Vietnam, anschließend einen besonderen Tempel-Museumskomplex gebaut.
Die Siegerprojekte des Brick Award 2026 stehen nun fest. Jedes hat eine besondere Geschichte. Der Preis zeichnet alle zwei Jahre herausragende Vorhaben in aller Welt aus, die mit jeglicher Art von Ziegeln gebaut wurden. Von 849 Bewerbungen weltweit wurden sechs ausgezeichnet.
Sie zeigen, wie durch Kreativität und Engagement aus einfachsten Bauteilen geniale Bauwerke entstehen. 2026 gehen Preise nach Spanien, Mexiko, Belgien, China – und eben Vietnam.
Inhaltsverzeichnis
- 11 m hohe Türme aus Dachziegeln in Vietnam
- Nur die Schönsten überleben in China
- Baumaterial für Tequilafabrik in Mexiko kommt von der Baustelle selbst
- Sozialwohnungen in Barcelona verbinden Ästhetik, Funktion und Sparzwang
- Küstenwind als Klimaanlage in Mallorca
- In Belgien entsteht neues Design aus alten Ziegeln
Soc Son ist ein Außenbezirk der Hauptstadt Hanoi. Dort wurde in der Kategorie „Öffentliche Gebäude und Räume“ dieses Jahr der Tempel- und Museums-Komplex Dao Mau ausgezeichnet. Der Fokus auf zirkuläres Bauen durch die Verwendung der Dachziegel aus den umliegenden Dörfern war laut Architektin Christine Conix einer der Gründe für die Auszeichnung. „Ein wahrlich poetisches Projekt“, so die Jurorin. Nicht verwunderlich also, dass auch der „Große Preis“ für das beste Projekt insgesamt nach Vietnam ging.

11 m hohe Türme aus Dachziegeln in Vietnam
„Herr Hinh und ich brauchten etwa drei Jahre, um die annähernd 6 Mio. Ziegel aus über 500 alten Häusern zu sammeln“, sagt Architektin Nguyen Ha. Immer wenn ein Abriss anstand, habe ihr Kollege Herr Hinh fünf bis sieben junge Dorfbewohner gebeten, sich als Helfer für den Abriss anzubieten, um die Ziegel zu bekommen.“ So bewahrt der neue Gebäudekomplex Tausende an Erinnerungsstücken verschiedener Lebensgeschichten. Es ist eine Reflexion über den Verlust, der mit der Urbanisierung der Dörfer einhergeht“, sagt Ha. Zum Komplex gehören auch fünf Türme mit je 11 m hohen Mauern. Belastungstests mit den Dachziegeln zeigten zuvor, dass die Ziegel entsprechende Kräfte aushalten.
„Die Dachziegel spielen auch für den Komfort im Gebäude eine Schlüsselrolle“, sagt Has Architektenkollege Pham Minh Hieu. Da die Dachziegel aus der Wand herausragen, werfen sie kleine Schatten auf die Wand selbst. Diese Technik nennt die Fachwelt „Selbstverschattung“, diese kann beträchtlich zu kühleren Gebäuden beitragen. Außerdem wurde ein alter Litschi-Obstgarten in die Gebäudestrukturen integriert, ohne dass ein einziger Baum versetzt oder gefällt werden musste.
Nur die Schönsten überleben in China
Das geografisch nächste Sieger-Projekt ist der „Unendliche Ziegel-Spielplatz“ in China. Es ist ein Ort, an dem sich Architekturstudenten aus Hangzhou ausprobieren können. Einzige Bedingung ist, dass für die Gebäude nur Ziegel verwendet werden und die Bauzeit sechs Wochen beträgt.
„Dass die Studierenden ihre Ideen auch selbst bauen, führt zur Überarbeitung so mancher unrealistischer Idee am Anfang des Semesters“, sagt Architekturprofessor Lichao Chen.

Trotzdem sind 26 ausgefeilt designte Bauwerke auf dem Gelände zu sehen, oft mit ausgeprägten Bögen, Rundungen und räumlichen Mustern. Tatsächlich wurden schon 46 gebaut, jedoch wurden 20 davon per Mehrheitsentscheid der Studenten wieder abgebaut, um Platz zu machen. Der Park entwickelt sich also auch qualitativ weiter, da nur die schönsten Bauwerke „überleben“.

Baumaterial für Tequilafabrik in Mexiko kommt von der Baustelle selbst
„Gebäudestruktur und Produktionslayout gehen hier Hand in Hand“, sagt Eduardo Mediero, Architekt und Juror. Das Siegerprojekt verbindet regionale Bautechniken wie das „katalanische Gewölbe“, tragende Ziegelwände und Strebepfeiler mit typischen Stahlbautechniken des Industriebaus.

Die gesamten verwendeten Ziegel für die mexikanische Tequila-Fabrik von Hersteller Clase Azul wurden laut Architekt Alejandro Guerrero aus dem Aushub des Geländes für das Fabrikgebäude sowie Steinbrucharbeiten auf dem Gelände hergestellt. „Dieser Teil des Staates Jalisco ist bekannt für viele Ziegelhersteller, daher haben wir uns besonders für lokale Produzenten aus der Region entschieden“, so Guerrero.
Dass das Gebäude teils unterirdisch liegt, kommt der Funktion als Lagerstätte für Tequila-Fässer zugute, die stabile Temperaturen benötigen. Die Fässer liegen zudem in der Mitte der Fabrik, sodass sie immer gut belüftet werden können. Nicht nur die Wände sind aus lokalem Boden, auch das Fabrikdach ist komplett mit Lehmziegeln gedeckt.

Sozialwohnungen in Barcelona verbinden Ästhetik, Funktion und Sparzwang
„Die mächtigsten Ressourcen der Architektur sind umsonst“, sagt Architektin und Jurorin Gabriela Carrillo. „Und dieses Wohngebäude macht sehr guten Gebrauch von intelligentem strukturellen Design, Wind und Licht.“ Das Siegerprojekt der Kategorie „Zusammen leben“ verbindet die Umgebung. In der untersten Etage sind Umkleiden für den daneben liegenden Sportplatz, und die kombinierte Ziegelbauweise passt sich in das umliegende Viertel ein.

Intelligent ist besonders das Atrium mit Glasdach. Im Winter heizt die Sonne die innen liegenden Ziegelsteine auf und das Gebäude speichert die Wärme. Im Sommer werden Lüftungsklappen geöffnet, sodass über alle Etagen hinweg ein Lüftungskamin entsteht, der warme Luft nach oben abtransportiert und kühle nach unten zieht. „Der solare Kollektor wandelt sich in einen solaren Kamin“, sagt Architekt José Toral.

Mit Rücksicht auf die Kosten wurde keine Tiefgarage eingebaut, was den Vorteil mit sich bringt, dass tragende Wände aus Ziegeln gebaut werden können, da das Gewicht eine untergeordnete Rolle spielt. „Wir nutzen auch oft die Wirtschaftlichkeit der Skalierung als Strategie, also gewisse Einheiten zu wiederholen und zu standardisieren“, sagt Architektin Marta Peris.
Auch der Ziegel habe als Baustoff einerseits strukturelle Funktion übernommen, gleichzeitig aber auch den Wänden Struktur und Farbe gegeben.
Küstenwind als Klimaanlage in Mallorca
Immer nachmittags erhebt sich an der Küste Mallorcas ein landeinwärts gerichteter kühler Wind. Auf diesen richteten die Gewinner der Kategorie „Zusammen leben“ ihr Gebäude aus. Zwei tragende Wände verlaufen parallel zur Windrichtung, sodass er einen einfachen Weg durch das Haus hat.

Ziegel kommen auch hier nicht nur als strukturelles Element zum Tragen, sondern auch beim Design nutzen die Architekten die regelmäßige Innenstruktur, indem sie die Hohlziegel kippen.
In Belgien entsteht neues Design aus alten Ziegeln
Auch in der „Spezialpreis“-Kategorie hat sich die Jury für ein Projekt entschieden, das das zirkuläre Bauen in den Mittelpunkt stellt. In der belgischen Stadt Kortrijk wurden für ein Sozialwohnungsprojekt die gebrauchten Mauer- und Dachziegel neu angeordnet. Diese Mischung aus Ziegeln verschiedener Gebäude und Färbungen sorgt für ein einzigartiges Wanddesign.
„Sehr interessant ist, wie das alte Material durch die Kreislaufwirtschaft zu neuen Lösungen führt“, sagt Architektin und Jurorin Traudy Pelzel.

Ausgerichtet wird der Wettbewerb vom österreichischen Baustoffhersteller Wienerberger. Er ist laut eigenen Aussagen aber neutral. Die Verwendung der Firmenprodukte ist ausdrücklich kein Kriterium, um zu gewinnen. Die Jury besteht aus internationalen Architektenbüros.
Mehr Infos zum Preis und den Projekten finden Sie auf der Brick-Award-Webseite.
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