Bauplan nach Foto vom Ohr 11.07.2014, 15:27 Uhr

Perfekt sitzende Im-Ohr-Kopfhörer per App aus dem 3D-Drucker

An irgendeiner Stelle zwicken sie eigentlich immer. Oder sie verrutschen und sitzen zu locker, die heute verbreiteten Im-Ohr-Kopfhörer. Damit soll jetzt Schluss sein. Perfekt sitzende Exemplare verspricht die Amerikanerin Nikki Kaufmann. Nach einem Foto der eigenen Ohren werden individuelle Kopfhörer mittels 3D-Drucker hergestellt. Maßgedruckt eben.

Das Rezept, um maßgerechte In-Ear-Headphones geliefert zu bekommen, ist verblüffend einfach. Zunächst müssen die Kunden jedes der beiden eigenen Ohren aus verschiedenen Perspektiven mittels einer ganz speziellen App fotografieren und diese Bilder an die Firma Normals schicken. Dort werden die Ohren anhand der Fotos dann vermessen. Aus den Daten ergeben sich die Druckanweisungen zur Steuerung des 3D-Druckers.

Neue Ohrhörer kosten nur ein Zehntel klassischer hergestellter Hörer

Der besondere Reiz dieses Verfahrens liegt darin, dass es schnell geht und einfach für die Besteller ist. Individuelle Ohrhörer fertigen auch Ohrenärzte und viele Fachgeschäfte an. Dabei wird aber Silikon ins Ohr gedrückt und dort belassen, bis es ausgehärtet ist. Nach diesem Muster wird dann der individuelle Ohrhörer hergestellt. All das dauert lange und ist vergleichsweise teuer – bis zum Zehnfachen dessen, was Nikki Kaufman verlangt.

Schon zwei Tage nach der Auftragserteilung sollen die maßgedruckten Im-Ohr-Kopfhörer versandt werden. Das Ohrhörer-Paar kostet rund 142 Euro.

Bei Beschwerden liefert Unternehmen ein zweites Paar Ohrhörer

Der ins Ohr einzuschiebende Teil des Ohrhörers wird von einem 3D-Drucker des Typs Stratasys Forts 250mc gefertigt. Wenn das Endprodukt entgegen dem Versprechen schließlich doch nicht richtig ins Ohr des Bestellers passt, liefert das Unternehmen ein zweites Paar, das dann besser passen soll.

Die von Normals hergestellten Im-Ohr-Ohrhörer lassen den Bestellern einen gewissen Freiraum für die Individualität. Da gibt es mehrere Farben, die sich stark vom üblichen grau-schwarzen Einheitsbild auf den Straßen abheben. Und dazu gibt es auch unterschiedliche Kabel, die den Ohrhörer mit dem Musikgerät verbinden.

Aus der Sicht des Herstellers hat das neue Produkt zwei große Vorteile: den schnellen 3D-Druck und die App, die nach dem Fotografieren die Bilder umgehend nach New York auf den Weg bringt. Nicht ohne Grund wirbt Normals mit dem Slogan “One size fits none” oder übersetzt: “Eine Einheitsgröße passt niemandem”. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass man die Ohrhörer nicht vor dem Kauf probieren und damit auch nicht wissen kann, wie klangecht sie wirklich sind.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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