Additive Fertigung von Lebensmitteln 26.08.2021, 09:51 Uhr

Steak aus dem 3D-Drucker

Ein saftiges Steak – direkt aus dem 3D-Drucker auf den Teller. Könnten Sie nicht essen? Sehr viele Menschen schon. Was die überraschenden Umfragewerte für den Fleischkonsum bedeuten.

Perfekte Imitation. die Nahaufnahme eines modernen 3D-Druckers der ein Stück Fleisch herstellt und alle Details genau imitiert

Fleisch aus dem 3D-Drucker zu essen, können sich laut Bitkom mehr Menschen vorstellen.

Foto: panthermedia.net/Dmyrto_Z

Ein Schnitzel aus dem 3D-Drucker: Klingt zunächst wenig appetitlich. Allerdings können sich immer mehr Menschen den Verzehr von Fleisch aus dem 3D-Drucker vorstellen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Umfrage des Bitkom.

Currywurst, Steak und Hähnchenfilet gehören für viele Deutsche auf den Speiseplan. Auch wenn zunehmend Fleischgerichte aus den Kantinen verbannt werden, wie zuletzt Volkswagen beschloss. Die beliebte Currywurst wird es in der Mittagszeit nicht mehr geben. Wie wäre es mit einem Ersatz aus dem Drucker?

Starker Fleischkonsum hat Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Das hinterfragen immer mehr Menschen und reduzieren den Verzehr von Schnitzel und Bratwurst. Laut Bitkom steigt die Akzeptanz, künstlich erzeugtes Fleisch in den Speiseplan zu integrieren. 17 Prozent der Befragten können sich vorstellen, Fleisch aus dem 3D-Drucker zu essen.

3D-Druck: Faszinierendes Material speichert mehr Sonnenenergie

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Wie wird Fleisch aus dem 3D-Drucker hergestellt?

Mithilfe eines Lebensmitteldruckers wird zum Beispiel aus Rinder-Zellen ein Stück Fleisch produziert. Noch ist diese Art der Fleischproduktion nicht massenmarkttauglich, aber die Akzeptanz wächst. 2019 konnten sich erst 13 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ein gedrucktes Stück Fleisch auf dem Teller vorstellen. 24 Prozent sprechen sich immer noch gegen den Verzehr von künstlich hergestelltem Fleisch aus. 53 Prozent lehnen es kategorisch ab. 2019 haben noch 62 Prozent Fleisch aus digitaler Produktion kategorisch ausgeschlossen.

Start-ups wie Redefine Meat entwickelt schon länger Steaks aus dem 3D-Drucker. Das „neu definierte Fleisch“ ist ein veganes Produkt, das in drei Dimensionen gedruckt wird. In einer Stunde könne die schnellste Maschine über 50 Steaks drucken. Die Fleischvariante des israelischen Start-ups soll zunächst in Luxus-Restaurants angeboten werden. Geschmacklich soll sich das Steak nicht von echtem Fleisch unterscheiden.

„Zunehmend mehr Menschen sind sich den Auswirkungen des Fleischkonsums auf Umwelt und Klima bewusst und bereit, dafür alternative Wege zu gehen. Manchen fällt es dennoch schwer, ihre Essgewohnheiten umzustellen, und viele wollen auf Fleisch nicht verzichten. An dieser Stelle kann die digitale Fleischproduktion etwa aus dem 3D-Drucker eine Lösung sein“, erklärt Andreas Schweikert, Bereichsleiter für Landwirtschaft beim Bitkom.

Bitkom hat mehr als 1.000 Personen in Deutschland von Ende Juni bis Anfang Juli ab 16 Jahren befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.

Wie viel Fleisch essen die Deutschen 2020?

75 Kilogramm Fleisch pro Kopf verzehrten die Deutschen 2020.  Der Gesamtverbrauch, in dem auch die Fütterung von Tieren, die industrielle Verwertung sowie die Produktverluste eingerechnet sind, beläuft sich auf 84 Kilogramm.

Die Fleischproduktion erfuhr 2001 durch die BSE-Krise einen Rückgang. 2016 lag diese bei knapp neun Millionen Tonnen. Seitdem ist ein Rückgang auf rund 8,6 Millionen Tonnen im Jahr 2019 zu verzeichnen.

2020 lag der Import lebender Tiere (653.000 Tonnen Schlachtgewicht (SG)) nach Deutschland höher als der Export lebender Tiere (453.000 Tonnen SG).

Pro Jahr werfen Haushalte 570.000 Tonnen Frischfleisch im Wert von 1.300 Millionen Pfund weg. Die Hälfte davon wäre noch essbar. Die Deutschen essen bevorzugt Schweinefleisch.

Weniger Fleischverzehr durch Klimawandel

Die Sorge um den Klimawandel veranlasst bereits viele, weniger oder gar kein Fleisch mehr zu essen: 45 Prozent haben deswegen ihren Konsum von Currywurst, Schnitzel und Co. zumindest etwas reduziert. 10 Prozent verzichten komplett auf den Verzehr von Fleisch. 20 Prozent der Befragten hat kein Interesse daran, weniger Fleisch zu essen. Frauen (51 Prozent) sind insgesamt eher dazu bereit, weniger oder gar kein Fleisch mehr zu sich zu nehmen, als Männer (38 Prozent).

Der weltweite Fleischkonsum liegt im Jahr bei circa 40 Kilogramm pro Person. Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, ist laut Analysen von Greenpeace ein Fleischkonsums von 22 Kilogramm pro Jahr bis 2030 und 16 Kilogramm jährlich bis 2050 notwendig. Unternehmen seien ebenfalls gefragt, die Klimabilanz bei der Fleischproduktion zu verbessern und auf neue, pflanzliche Alternativen umzusteigen.

Was ist ein Lebensmitteldrucker?

Ein Lebensmitteldrucker ist auf die Produktion eines Nahrungsmittels eingestellt (– sei es Schokolade oder Fleisch. Wird das entsprechende Lebensmittel hinzugegeben, druckt das Gerät diese automatisch nach Vorgaben. Auf diese Weise entstehen in erster Linie Schriftzüge aus Schokolade oder Tortenbeläge.

Das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) forscht seit 2018 am 3D-Druck von protein- und stärkebasierten Lebensmitteln. Das kann zum Beispiel veganes Fleisch sein. Rohstoffe müssen dafür mechanisch oder thermisch verarbeitet werden, um sie druckbar zu machen.

Ein veganes Steak aus dem Lebensmitteldrucker besteht dann aus Proteinpulver aus Reis, Erbsen und Seetang. Geschmacklich und äußerlich erinnert das gedruckte Steak echtem Rindfleisch.

Podcast-Tipp Ohne Flachs: Lachs ohne Lachs!

Nicht nur Fleisch lässt sich additiv herstellen, auch Fisch. Wie das gelingt, hören Sie in dieser Podcast-Folge der „Druckwelle“.

Das Wiener Start-up Revo Foods hat eine Technologie entwickelt, mit der Geschmack, Textur und Aussehen von Seafood-Produkten genau nachgebildet werden können. Im 3D-Druckprozess werden Pasten aus Erbsenproteinen, Algenextrakten, Pflanzenfasern und Ballaststoffen geschickt in Form gebracht. Geschäftsführer Robin Simsa erklärt Details. Jetzt streamen:

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Ein Beitrag von:

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Pressesprecherin beim VDI e.V.

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